Italien

Kapitänin Rackete an unbekannten Ort gebracht

Im Fall der vorübergehend verhafteten  Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete zeigt sich der italienische Erzbischof empört über Innenminister Salvini.

Nach der Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete aus ihrem Hausarrest in Italien mischen sich Erleichterung und Forderungen nach einem Ende der Strafverfolgung. Rackete schrieb in der Nacht zum Mittwoch auf Twitter, die Entscheidung sei ein Sieg über die Kriminalisierung von Helfern. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, man begrüße die Freilassung sehr. Die 31-jährige Kapitänin muss sich aber weiter vor Gericht verantworten. Im Raum stehen Vorwürfe, dass Rackete illegale Einwanderung begünstigt haben soll und dass ihr Schiff beim Anlegen in Lampedusa ein Boot der Finanzpolizei touchierte. Der nächste Gerichtstermin ist für Dienstag anberaumt, die „Sea-Watch 3“ bleibt weiter beschlagnahmt.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini reagierte empört auf die Entscheidung. „Für die italienische Justiz ist es offenbar kein Grund ins Gefängnis zu gehen, wenn man die Gesetze ignoriert und ein Boot der Finanzpolizei rammt“, sagte er. Wo sich Rackete aufhält, ist nicht bekannt. Die 31-Jährige befinde sich nun an einem unbekannten Ort, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Watch, Ruben Neugebauer. Aufgrund der zahlreichen Drohungen gegen Rackete werde ihr Aufenthaltsort nicht bekanntgegeben.

Der italienische Erzbischof Giovanni Ricchiuti hat den Umgang rechter politischer Kreise in seinem Land mit Migranten verurteilt. Er sei „empört“, dass der Vorrang der menschlichen Person und des Menschenlebens für Wählerstimmen geopfert werde, sagte er der katholischen Zeitschrift „Famiglia Cristiana“ (Mittwoch). Ausdrücklich lobte er die Rückendeckung der Deutschen Bischofskonferenz für die Rettungsorganisation Sea-Watch.

Deutlich wandte sich Ricchiuti gegen eine katholische Unterstützung für Innenminister Matteo Salvini. „Es schmerzt mich und ich verstehe nicht, dass vernunftbegabte Männer und Frauen die Ansichten des Innenministers teilen können“, so der Erzbischof. Er finde das skandalös. (afp/epd/kna)

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