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Merkel 2005: "Erst die Ereignisse des Herbstes 2015 brachten die vermeintlich Unangefochtene ins Wanken", schreibt Stephan Hebel.

Angela Merkel

Kanzlerin sieht sich nicht als Feministin

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Im Interview mit der „Zeit“ spricht Kanzlerin Angela Merkel ungewohnt offen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat im Interview mit der „Zeit“ kritische Worte zum Einigungsprozess Deutschlands und zu ihrer Flüchtlingspolitik seit 2015 gefunden. „Das Land war vielleicht nie so versöhnt, wie man dachte“, sagte sie im Gespräch mit der Journalistin Jana Hensel. „Manche Konflikte sind jetzt erst deutlich geworden.“ Die „große Zahl von Flüchtlingen“ bedeute für das Land und die Menschen „eine große Anstrengung“. Dadurch treten bestehende Konflikte in der Gesellschaft „viel klarer zutage“.

Ungewohnt offen äußert sich Merkel auch zu ihren eigenen Erfahrungen als Ostdeutsche in der vereinigten Bundesrepublik. Ihre Herkunft hat die Kanzlerin in früheren Gesprächen eher zögerlich thematisiert. „Es wächst bei vielen Ostdeutschen ein bestimmtes Gefühl, die eigenen Verdienste nicht ausreichend gewürdigt zu sehen“, sagt Merkel. Das sei bei weitem nicht nur auf Anhänger von AfD und Pegida beschränkt, sondern eine Generationenfrage. „Je älter man zum Zeitpunkt des Mauerfalls war, desto ausgeprägter ist das. Dieses Gefühl haben auch Menschen, die nicht im rechten Spektrum aktiv sind.“

Sie selber habe vor 30 Jahren „mit großer Fröhlichkeit“ die neue Umgebung nach dem Ende der SED-Herrschaft und der DDR genutzt. Das sei aber nicht jedem möglich gewesen: „Wer erfahren musste, dass er kaum Chancen erhielt, sich in die neue Gesellschaft hineinzufinden, für den färbt sich die Erinnerung an die Nachwendezeit heute dunkler als bei mir“. Nun, nach einer Generation, seien die Ostdeutschen „in diesem vereinten Deutschland angekommen und haben dennoch das Bedürfnis, Bilanz zu ziehen“ und Fragen zu stellen.

Gespalten ist Merkels Sicht auf die Frage, ob die Frauen in der DDR emanzipierter waren als im Westen: „Die Tatsache, dass in der DDR die meisten Frauen arbeiten gingen, gehorchte seitens des Staates keinem wirklich emanzipatorischen Anspruch, produzierte dennoch aber eine gewisse ökonomische Gleichberechtigung“. Dennoch seien die Führungsposten in Politbüro und Staatswirtschaft Männern vorbehalten gewesen. „Eine wirkliche Gleichberechtigung gab es auch in der DDR nicht“, sagt sie.

Als Feministin möchte sich Merkel immer noch nicht bezeichnen. An Marie Juchacz und Alice Schwarzer reiche sie nicht heran, winkt sie ab. Nüchtern wie immer sagt sie dann einen Satz von gewisser politischer Sprengkraft: „Parität in allen Bereichen erscheint mir einfach logisch“. Gerade hat die rot-rote Landesregierung in Brandenburg gegen den Widerstand von CDU und AfD einen Gesetzentwurf eingebracht, der quotierte Kandidatenlisten für künftige Landtagswahlen zur Pflicht macht.

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