Sehen genug Arbeit für sich und die Partei: Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken (r.).
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Sehen genug Arbeit für sich und die Partei: Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken (r.).

SPD

Kanzler aus der SPD? Fehlanzeige

  • Andreas Niesmann
    vonAndreas Niesmann
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Das Chefduo der Sozialdemokraten will nicht für das Kanzleramt kandidieren. Und auch sonst zeigt sich niemand unter den SPD-Topleuten mit entsprechenden Ambitionen.

Einer der größten Erfolge Willy Brandts war es, etwas einzuräumen, was ohnehin alle wussten: dass die deutschen Ostgebiete verloren waren. Wenn man so will, verfolgen Brandts Urenkel an der Parteispitze gerade eine ganz ähnliche Strategie. Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben etwas zu Protokoll gegeben, was auch vorher jedem klar war: Keiner der beiden will die SPD als Kanzlerkandidat in die nächste Bundestagswahl führen.

„Wir sind angetreten, um die SPD als erkennbar und glaubwürdig sozialdemokratische, gestaltende Kraft in diesem Land sichtbar und stark zu machen. Diese Aufgabe ist groß genug, und ich habe keine darüber hinausgehenden Ambitionen“, sagte Esken dem Portal t-online.de. „Ich strebe die Kanzlerkandidatur derzeit nicht an“, ergänzte Walter-Borjans. Ausschließen darf man zwar nichts, „aber ich bin ebenso wie Saskia Esken nicht Parteichef geworden, um in weitere Ämter zu kommen.“

Was bei CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer noch als Begründung für einen Rücktritt gereicht hatte, führt in der SPD allenfalls zu Achselzucken. Nur der Zeitpunkt kommt überraschend: Esken und Walter-Borjans erklären ihren Verzicht pünktlich nach den ersten 100 Tagen im Amt.

Es ist ein kluger Schritt. Die beiden Parteichefs nehmen sich aus dem Spiel, ehe auffällt, dass sie sowieso gar nicht auf dem Platz standen. Als etwa Altkanzler Gerhard Schröder am vergangenen Wochenende seine fünf Favoriten für die SPD-Kanzlerkandidatur benannte, hielt er es nicht einmal nötig zu begründen, warum er der aktuellen Partei-Spitze nicht mehr zutraut.

Esken und Walter-Borjans haben sich also aus der Schusslinie genommen, ihr Hauptproblem aber bleibt bestehen: Es gibt kein Kandidatenmaterial in der SPD.

Wenn es nach Regierungserfahrung und politischem Gewicht ginge, würde kein Weg an Vizekanzler Olaf Scholz vorbeiführen. Aus Sicht Eskens und Walter-Borjans allerdings wäre der Mann aus Hamburg der schlechteste Kandidat, haben sie sich doch im Kampf um die Parteiführung als Anti-Scholz-Team präsentiert. Unter ihren Anhängern ist Scholz regelrecht verhasst. Ausgerechnet ihn auf den Schild zu heben, würde das Chefduo einiges an Glaubwürdigkeit kosten.

Öffentliche Äußerungen deuten darauf hin, dass sie das nur zu gut wissen. Walter-Borjans weist regelmäßig darauf hin, dass Kandidat, Programm und Zeit zusammenpassen müssen. Im Klartext: Scholz wird niemals passen.

Aber wer dann? Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist krank und muss 2021 eine Landtagswahl bestehen. Niedersachsens Landeschef Stephan Weil lässt keine Bereitschaft für einen Wechsel nach Berlin erkennen, außerdem ist sein Satz unvergessen, dass sich ihm bei einigen Äußerungen Eskens „die Nackenhaare aufstellen“. Familienministerin Franziska Giffey will die Berliner SPD in die nächste Abgeordnetenhauswahl führen, Fraktionschef Rolf Mützenich lässt keinerlei Ambitionen erkennen, Arbeitsminister Hubertus Heil gilt als Intimfeind des Spitzenduos.

Bleibt Generalsekretär Lars Klingbeil. Der hat den Vorteil, dass er in alle Richtungen anschlussfähig ist. Außerdem ist er jung genug, der SPD einen frischen Anstrich zu geben. Klingbeils Unverbrauchtheit ist allerdings auch sein Problem: Er verfügt über keinerlei Regierungserfahrung, nirgends.

Norbert Walter-Borjans kann sich aber auch Unbekannte aus der zweiten oder dritten (kommunalen) Reihe vorstellen: „Die SPD hat viele Talente.“ Zumindest bleibt die SPD spannend.

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