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„Uberfällig“: Adidas setzt Kanye West nach antisemitischen Posts vor die Tür

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Von: Tim Vincent Dicke

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Adidas arbeitet nach antisemitischen Äußerungen nicht mehr mit Kanye West zusammen. Der Zentralrat der Juden begrüßt den Schritt.

Herzogenaurach – Nach antisemitischen Äußerungen hat der Sportartikelhersteller Adidas die Zusammenarbeit mit Rapper Kanye West mit sofortiger Wirkung beendet. „Adidas duldet keinen Antisemitismus und keine andere Art von Hassrede“, erklärte das Unternehmen am Dienstag (25. Oktober) in Herzogenaurach. Der Zentralrat der Juden begrüßte die Entscheidung.

Die jüngsten Äußerungen und Handlungen des inzwischen unter dem Namen Ye auftretenden Künstlers seien „inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich. Sie verstoßen gegen die Werte des Unternehmens wie Vielfalt und Inklusion, gegenseitigen Respekt und Fairness“.

Adidas stoppt Zusammenarbeit mit Kanye West: „Unerträgliche Entgleisungen“

„Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen die Entscheidung getroffen, die Partnerschaft mit Ye mit sofortiger Wirkung zu beenden, die Produktion von Produkten der Marke Yeezy einzustellen und alle Zahlungen an Ye und seine Unternehmen zu stoppen“, hieß es weiter. Der Konzern erwartet dadurch kurzfristig bis zu 250 Millionen Euro weniger Nettogewinn in diesem Jahr.

Den Angaben zufolge ist Adidas der alleinige Inhaber aller Designrechte an bestehenden Produkten sowie an früheren und neuen Farbgebungen im Rahmen der nun aufgekündigten Partnerschaft. Diese bestand seit 2015 und soll Adidas Umsätze in Milliardenhöhe beschert haben.

US-Rapper Kanye West.
Wird keine Schuhe für Adidas mehr entwerfen: US-Rapper Kanye West. © Brad Barket/AFP

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte die Entscheidung überfällig. „Wochenlang hat Kanye West mit seinen antisemitischen Äußerungen weltweit für Aufsehen gesorgt. Die täglich neuen Entgleisungen waren für Jüdinnen und Juden in Deutschland und in aller Welt unerträglich.“

Zentralrat der Juden kritisiert Adidas

Schuster warf Adidas vor, lange auffällig still geblieben zu sein und erst reagiert zu haben, nachdem sich andere internationale Marken von Kanye West distanziert hatten. „Ich hätte mir von einem deutschen Unternehmen, das zudem in das NS-Regime verstrickt war, früher eine klare Haltung gewünscht.“ Adidas habe viel getan, um sich von seiner Vergangenheit zu distanzieren und gehöre, wie viele Sportmarken, zu den Unternehmen, die große Kampagnen gegen Antisemitismus und Rassismus durchführen. „Gerade deswegen wäre eine frühere Trennung von Kanye West angebracht gewesen.“

Zuletzt hatte die Modemarke Balenciaga ihre Zusammenarbeit mit Kanye West aufgekündigt. Dieser war wegen als antisemitisch eingestufter Beiträge in seiner Nutzung bekannter Online-Netzwerke eingeschränkt worden. So hatte der Künstler unter anderem auf Twitter geschrieben, er befinde sich auf „Death con 3 gegenüber jüdischen Menschen“ und spielte damit auf den Alarmzustand der US-Streitkräfte an. Außerdem sorgte der Rapper und Modeunternehmer mit umstrittenen Aktionen für Aufsehen.

Kanye West mit „White Lives Matter“-Shirt auf Fashion Week

So trat der 45-Jährige Anfang Oktober für seine Marke Yeezy mit einem Shirt mit der als rassistisch eingestuften Aufschrift „White Lives Matter“ (Das Leben von Weißen zählt) bei der Pariser Fashion Week auf. Der Slogan „Black Lives Matter“ (Das Leben von Schwarzen zählt) war bei Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA berühmt geworden. (tvd/AFP)

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