1. Startseite
  2. Politik

Russlands Angriff auf die Ukraine: Schwere Geschütze könnten den Krieg entscheiden

Erstellt:

Von: Peter Rutkowski

Kommentare

Im Kampf gegen Russland mangelt es der Ukraine weiter an Waffen: „Was wir brauchen, ist einfach mehr Artillerie“ – Putin hingegen setzt auf Masse.

Kiew – Russland kommt im Donbass nur unter großen Verlusten voran. Im Kampf um Sjewjerodonezk wird ganz offensichtlich die Artillerie, die die Ukraine braucht, schlachtentscheidend. Mit der legendären „russischen Dampfwalze“ schien es bisher im Krieg in der Ukraine nicht weit her. Die seit Zarenzeiten bevorzugten extrem massiven Bombardements mit massenhaften frontalen Sturmläufen von Infanterie ohne Rücksicht auf irgendwelche Verluste galten als krudes Relikt einer menschenfeindlichen Vergangenheit. Der Kampf um Sjewjerodonezk in der äußersten östlichen Frontausbuchtung im Donbass zeigt aber: Nichts ist so alt und überkommen, als dass es nicht im taktischen Handbuch russischer Offiziere vorkommt.

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow sagte laut dem US-Sender CNN am Donnerstag (9. Juni), die Lage an der Front sei „schwierig“: Der Kreml drücke weiterhin mit schierer Masse gegen die ukrainische Verteidigung, „er stolpert und wird zurückgeworfen“, die Russen hätten „riesige Verluste“ und doch hätten sie „immer noch Kräfte, um an einigen Stellen der Front anzugreifen“.

Die Ukraine benötigt „einfach mehr Artillerie“, um Russland abzuwehren

Das gilt ganz ausdrücklich für Sjewjerodonezk, wo in der Nacht zu Donnerstag die Ukrainer zwar lokale Gegenstöße führen konnten, Donnerstagmittag dann aber auf nur noch ein Industriegebiet und Umgebung – gerade mal zehn Prozent der Stadt – sich zurückgeworfen fanden. Die zivile Führung der Region überlegte daraufhin schon laut, „ein taktischer Rückzug“ auf das höher gelegene und damit leichter zu verteidigende Lissytschansk sei vielleicht angezeigt; die in Sjewjerodonezk noch ausharrenden rund 10.000 Zivilpersonen (vor dem Krieg gut zehnmal so viele) könne man nun nicht mehr herausholen.

Ein Mehrfachraketenwerfer aus Deutschland.
Ein Raketenwerfer vom Typ „Mars“. Deutschland will vier Mehrfachraketenwerfer aus Beständen der Bundeswehr in die Ukraine liefern. © Wolfgang Eilmes/dpa

Einer der Feldkommandeure in der Stadt erteilte dem sogleich eine barsche Absage: Die russischen Kanonen, die jetzt Sjewjerodonezk beschießen, würden dann die vor Lissytschansk nur verstärken, das mache alle etwaigen geografischen Vorteile null und nichtig. „Was wir brauchen, ist einfach mehr Artillerie.“

Ukraine: Schweres Geschütz könnte den Krieg gegen Russland entscheiden

Und man weiß: Das mit dem schweren Geschütz und der Ukraine – das hören manche in Europa gar nicht gerne. Auch dass die Ukraine mit Stand Donnerstag mehr mittlere Haubitzenmunition in ihren Arsenalen hat als noch vor dem Krieg, ändert nichts daran, dass es mehr Geschütze braucht: die Panzerhaubitzen 2000 aus Deutschland, die M270-Mehrfachraketenwerfer aus Großbritannien, die Himars- und MLRS-Werfer aus den USA.

Hört man auf die bislang sehr verlässliche tägliche Lageeinschätzung des US-amerikanischen Institute for the Study of War, dann kann dieses Gerät fast schon kriegsentscheidend sein: Dem Institut nach hat Russland mit massivem Personalmangel, gelegentlicher Kampfverweigerung selbst in Eliteeinheiten und mit einer mörderischen taktischen Sturheit zu kämpfen: siehe Sjewjerodonezk. (Peter Rutkowski mit afp/dpa)

Auch interessant

Kommentare