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Oprah Winfrey mit ihrem Golden Globe.

Donald Trump

Kann Oprah Winfrey auch Präsidentin?

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Winfrey, die kämpferische US-Medienikone, wird nach ihrem Golden-Globe-Auftritt wieder als Präsidentschaftskandidatin gehandelt. Ein Porträt.

Donald Trump hat ihre Talente schon früh erkannt. „Oprah wäre immer meine erste Wahl. Sie ist glänzend, eine wunderbare Frau“, schwärmte der Immobilienmogul, als er 1999 gefragt wurde, wen er bei einer theoretischen Präsidentschaftskandidatur als Vize auswählen würde: Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey war seine Antwort.

Gastgeberin der erfolgreichsten Boulevard-Talkshow aller Zeiten

Fast zwei Jahrzehnte später nun sind plötzlich die Demokraten in den USA verzaubert von der 63-Jährigen. Wie in Trance verfolgten viele linksliberale Hollywood-Größen ihre Dankesrede bei der Golden-Globes-Preisverleihung und fielen sich nachher in die Arme. Seither kennen Amerikas Kabelsender nur noch ein Thema: Tritt Oprah Winfrey 2020 als demokratische Herausforderin von Donald Trump an?

Für Außenstehende ist die Massenpsychose nicht leicht zu verstehen. Immerhin hat sich Winfrey als Gastgeberin der erfolgreichsten Boulevard-Talkshow aller Zeiten bis 2011 zwar in das Herz vieler Amerikaner geredet. Doch diesen Erfolg hat sie auch sehr geschickt genutzt, um 2,8 Milliarden Dollar Vermögen aufzuhäufen. Politische Ämter hat sie nie bekleidet. Kaum jemand weiß, wie sie zu Nordkorea, zum Iran oder zur Steuerpolitik steht. Noch im Juni verkündete sie: „Ich werde nie für ein öffentliches Amt kandidieren.“

Doch dann kam der Abend der Globes-Verleihung. Oprah Winfrey wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie antwortete mit einer emotionalen, persönlichen Rede. Die Afroamerikanerin stammt aus einfachsten Verhältnissen und wurde als Kind sexuell missbraucht. Sie war Zeitzeugin, als Schwarze in den USA auf den Straßen um ihre Rechte kämpfen mussten.

Das alles schwang mit in ihrer Rede, die sich vor allem dem Sexismus und der #MeToo-Bewegung widmete. „Viel zu lange wurde Frauen nicht zugehört oder nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, über die Macht solcher Männer zu reden“, prangerte sie den Umgang mit Missbrauch und Vergewaltigung an: „Aber deren Zeit ist vorbei!“, rief sie. Das Auditorium jubelte. Und mit Tränen in den Augen verfolgten viele Stars, wie Winfrey predigergleich verkündete: „Ein neuer Tag zieht am Horizont herauf, eine Zeit, in der niemand mehr ,Me too‘ sagen muss.“

Offenbar hat sie damit den Nerv der Zeit getroffen. Nicht nur werden die täglichen Berichte über den lange verschwiegenen Missbrauch von Frauen in der US-Filmbranche mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Auch hat Trump mit seinen permanenten Rüpeleien eine große Sehnsucht nach einem positiven Gegenmodell wachsen lassen. Die Demokraten aber streiten über ihren Kurs statt eine charismatische Führungsfigur aufzubieten. In dieses Vakuum ist Winfrey offenbar gestoßen. „Sie hat eine Rakete gezündet. Ich will, dass sie sich als Präsidentin bewirbt“, sagte die Schauspielerin Meryl Streep. Sie ist damit bei weitem nicht alleine. Auch demokratische Politiker wie die Kongressabgeordnete Gilda Cobb-Hunter aus South Carolina sind begeistert: „Mein Gott, wir brauchen so dringend Leidenschaft und Spannung!“ Dafür sei die Talkmasterin genau die Richtige.

Doch nach einer gigantischen Welle des Enthusiasmus melden sich vorsichtig auch kritische Stimmen zu Wort. Sie weisen darauf hin, dass keineswegs klar ist, ob sich die Milliardärin die Tortur eines Wahlkampfes überhaupt antun will. Auch hätten die Demokraten immer für „intellektuelle Ernsthaftigkeit“ gestanden, wendet die „New York Times“ ein. Ihre Antwort auf den Reality-TV-Star Donald Trump müsse daher nicht eine Schauspielerin, sondern eine „seriöse Figur mit politischer Erfahrung“ sein.

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