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Jeremy Hunt gilt vielen als ein „freundlicher Konservativer“.

Porträt Jeremy Hunt

Jeremy Hunt - Kandidat für alle und niemanden

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Jeremy Hunt soll bei den Torys gegen Boris Johnson bestehen.

Man könnte ihn als „Kandidat ohne Eigenschaften“ abtun, als einer, der sein Fähnchen nach jedem Lufthauch wendet. Und tatsächlich hat der britische Außenminister in der Brexit-Kampagne 2016 für den Verbleib des Königreichs in der EU geworben. Damals erschien ein Brexit auch gerade vielen Torys noch als Idee der „lunatic fringe“, als Wahnvorstellung des geistesgestörten politischen Randes (egal ob links oder rechts). Und der inzwischen 52-jährige Hunt, seit 2009 verheiratet, drei Kinder, wusste sich damals sehr sicher in der Mitte seiner macht- und siegesgewohnten Partei. Und wie der große Teil seiner Partei verkalkulierte er sich im Juni 2016 ganz gehörig.

Seitdem versucht Hunt, es sich mit niemanden im Parlament zu verscherzen. So gilt er manchen als „Remainer“, als „EU-Verbleiber“ – was die einen als Kritik, die anderen als Lob werten. In der Schlammschlacht um den Vorsitz der Konservativen hat er sich nun als Befürworter des Brexits inszeniert. Und zwischendrin wollte er sich auch mal weder für das eine noch das andere recht entscheiden. Das zumindest passt zu der holprigen Vita des Sohnes eines Admirals der Royal Navy.

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Hunt arbeitete nach seinem Studium in Oxford als Lehrer in Japan, dann versuchte er sich als Unternehmer und scheiterte mit Start-ups gleich drei Mal in Folge. Erst als Verleger und PR-Manager verdiente er Millionen – und galt zeitweilig als reichstes Mitglied des britischen Kabinetts, nachdem er 2018 von Theresa May als Außenminister installiert wurde.

Bekenntnis zum Brexit - wegen der „Arroganz der EU-Kommission“

Dieser sprunghafte Aufstieg des einfachen Abgeordneten – im Unterhaus seit 2005 und Gesundheitsminister seit 2012 – dürfte kein Zufall sein. Hunt hat sich stets als „One-Nation-Tory“ inszeniert, als sozial engagierten, auf Ausgleich und Kompromiss in der Gesellschaft wie im gesamten politischen Spektrum ausgerichteten Akteur. May hoffte offenbar, Brüssel in Hunt einen „klassischen Engländer“, einen Vermittler, Diplomaten und Friedensstifter präsentieren zu können. Da bekannte sich Hunt aber schon zum Brexit – vornehmlich wegen der „Arroganz der EU-Kommission“. Diese Wendigkeit würde Hunt im Großbritannien von vor 2016 als geschickten Politiker auszeichnen – wenn auch als einen weniger glaubwürdigeren. Jetzt erscheint er nur wie eine sehr schale und wenig launige Kopie seines Rivalen Boris Johnson.

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