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Abgelegene Gemeinden wie Arviat können nur mit dem Schneemobil erreicht werden.
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Abgelegene Gemeinden wie Arviat können nur mit dem Schneemobil erreicht werden.

Pandemie

Indigene in Gefahr

  • vonGerd Braune
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In Kanadas Arktisregion Nunavut breitet sich das Coronavirus weiter aus – mit verheerenden Folgen.

Kanada kämpft gegen steigende Infektionszahlen; Toronto, die größte Stadt, ist seit Montag im Lockdown, es gelten drastische Einschränkungen für Unternehmen und Privathaushalte. Doch besondere Sorge bereitet Kanadas Arktisterritorum Nunavut. Wegen eines plötzlichen Anstiegs der Infektionszahlen gelten für die Region seit vergangener Woche strenge Beschränkungen. Das überwiegend von Inuit bewohnte Arktisgebiet, das bis Anfang November völlig frei von Covid war, erlebt in einigen Gemeinden einen Ausbruch der Pandemie. In den oft abseits gelegenen Siedlungen der indianischen Bevölkerung werden verheerende Folgen vor allem für ältere Gemeindemitglieder befürchtet.

„Bleibt zu Hause, bleibt in Sicherheit“, rief der aus Arviat stammende Premier des Territoriums, Joe Savikataaq, die rund 35 000 Menschen auf, die in dem zwei Millionen Quadratkilometer großen Arktisgebiet leben. Es gibt bereits mehr als 100 Ansteckungsfälle in den 25 Gemeinden des Territoriums, davon allein 80 im knapp 3000 Einwohner:innen zählenden Arviat an der Westseite der Hudson Bay. Der Leiter der Gesundheitsbehörde, Michael Patterson, befürchtet, dass sich das Virus weiter ausbreitet.

Nunavut ist ein Wort aus der Inuit-Sprache Inuktut und bedeutet „unser Land“. Keine der Gemeinden und Siedlungen des Territoriums kann über Straßen erreicht werden. Die Menschen reisen aber oft mit Schneemobilen von einer Gemeinde zur anderen. Dies soll jetzt der Lockdown unterbinden.

In den abgelegenen Ureinwohnergemeinden herrschen oft beengte Wohnverhältnisse, es gibt weder Krankenhäuser noch Ärztinnen und Ärzte. Um Kranke kümmern sich zunächst Krankenschwestern; in schweren Fällen werden die Patient:innen in den Süden ausgeflogen.

Der Gesundheitszustand vieler indigener Kanadier:innen ist schlechter als der der übrigen Bevölkerung. „Wir können nicht darüber hinwegsehen, dass die indigenen Völker in Kanada anfälliger sind als die nicht-indigene Bevölkerung“, hatte der für indigene Völker zuständige Bundesminister Marc Miller dargelegt.

Nunavut hatte wie die beiden anderen Arktisterritorien Yukon und Nordwest-Territorien bei der ersten Covid-Welle im März die Verbindungen zu den südlichen Provinzen weitgehend unterbrochen. In Winnipeg und Ottawa wurden Quarantänezentren eingerichtet. Wer aus dem Süden nach Nunavut fliegen wollte, musste dort in Quarantäne. Dennoch kam das Virus nach Arviat – vermutlich aus Winnipeg, das besonders schwer von der Pandemie betroffen ist.

Im Frühjahr war für die Gemeinden und Siedlungsgebiete der rund 600 First Nations, wie die indianischen Nationen Kanadas genannt werden, der Notstand erklärt worden. Mehr als 100 Gemeinden der First Nations sind Fly-in-Gemeinden, die nur mit Flugzeugen erreicht werden können. Gemeinden, die über Straße nach Süden verfügen, errichteten Sperren und ließen nur ihre Bewohner durch.

Die kanadische Bundesregierung hat speziell für die indigenen Gemeinden ein Programm zur Unterstützung in der Covid-Krise aufgelegt, das sich bisher auf 685 Millionen Dollar (etwa 450 Mio. Euro) beläuft.

Die Regierung von Nunavut setzt darauf, dass die Bevölkerung die Empfehlungen und Regelungen befolgt, damit in zwei Wochen der Lockdown wieder aufgehoben werden kann. Hotels und Schulturnhallen werden vorbereitet, um im Notfall Menschen aufzunehmen, die in Quarantäne gehen müssen und dies angesichts der beengten Wohnverhältnisse nicht zu Hause tun können.

„Wir alle wussten, dass irgend Covid-19 auch Nunavut erreichen wird“, sagt Gesundheitsminister Lorne Kusugak. „Jetzt ist das Virus da, und es liegt an uns, die Ausbreitung zu stoppen.“

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