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Kanada: Trudeaus Corona-Politik spaltet seine eigene Partei

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Von: Lukas Zigo

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Die Corona-Proteste gegen die Auflagen von Trudeaus Regierung eskalieren weiter. Nun stellt sich auch ein Parteikollege öffentlich gegen Trudeau.

Ottawa – Ein Abgeordneter aus Justin Trudeaus eigener Fraktion stellt sich gegen den Premierminister und beschuldigt ihn, die kanadische Bevölkerung wegen der Impfvorschriften und Covid-19-Beschränkungen zu spalten. Am Dienstag (08.02.2022) äußerte sich Joël Lightbound diesbezüglich, während Trucks der Anti-Corona- und Anti-Trudeau-Proteste die Hauptstadt des Landes lahmlegten.

„Sowohl der Ton als auch die Beschlüsse meiner Regierung haben sich am Vorabend und während der letzten Wahlkampagne drastisch verändert“, sagte Lightbound, der eigens eine Pressekonferenz einberufen hatte. „Es wurde beschlossen, einen Keil zu treiben, zu spalten und zu stigmatisieren. Ich befürchte, dass diese Politisierung der Pandemie das Risiko birgt, das Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere öffentlichen Gesundheitseinrichtungen zu untergraben.“

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bei einer Medienrunde.
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bei einer Medienrunde. © Adrian Wyld/dpa

Kanada: Protest innerhalb Trudeaus Partei gegen Corona-Politik

In der kanadischen Politik ist selten, dass ein Abgeordneter öffentlich bei einem so wichtigen Thema mit der eigenen Partei bricht, vor allem, wenn diese Partei an der Macht ist. Lightbound betonte, er sei nicht das einzige Mitglied von Trudeaus Team, das – in unterschiedlichem Maße – so denkt wie er.

Er habe seine Bedenken „sehr deutlich“ gegenüber den Abgeordneten der Liberalen und gegenüber Trudeau geäußert. Lightbound fügte hinzu, er hoffe, dass es innerhalb der Partei Platz für „Dissens“ gebe, sodass er intern auf einen Wandel drängen könne.

Lighbound: „Kanada sieht die negativen Folgen von Trudeaus politischem Vorgehen“

Lightbounds Bedenken nahmen mit der Wahlkampagne im letzten Sommer ihren Anfang, als Trudeau innerhalb der Auseinandersetzung zum Thema Impfung zwischen Geimpften und Impfverweigerern polarisierte - zu Wahlkampfzwecken, wie der Abgeordnete findet. Seiner Ansicht nach habe Trudeau seine Botschaft „in die Köpfe der Wähler gehämmert“, bis er schließlich am 20. September wiedergewählt wurde. Und jetzt, Monate später bekomme Kanada die negativen Folgen dieses Wahlkampfes zu spüren.

Für Trudeau, der selbst vor kurzem eine Corona-Infektion auskurierte, stellt diese Kritik eine Herausforderung dar. Sie kommt in einer Zeit, in der sich der kanadische Premierminister dem zunehmenden Frust der Öffentlichkeit über die Corona-Bestimmungen sowie den Angriffen politischer Gegner ausgesetzt sieht.

Corona-Proteste halten Ottawa und ganz Kanada in Atem

Seit zwölf Tagen hält der Trucker-Konvoi bereits die Hauptstadt Ottawa besetzt – zum großen Missfallen der Einwohner. Gestartet wurden die Demonstrationen wegen Trudeaus Bestimmung, Pflichtimpfungen für jene LKW-Fahrer vorzuschreiben, die die kanadische Grenze aus den USA überqueren. Die Kampagne weitete sich zu einem gut organisierten Kreuzzug gegen die Covid-19-Beschränkungen und Trudeau im allgemeinen aus. Allerdings zieht der sogenannte Freedom-Konvoi auch Menschen mit Verbindungen zur extremen Rechten an. Rassistische Symbole wie die Flagge der Konföderierten und das Hakenkreuz wurden bereits gesichtet.

Corona-Krise: Kanadische Polizei bekommt Proteste nicht in den Griff

Die Polizei hat große Mühe, die Proteste in Ottawa in den Griff zu bekommen. Unaufhörlich fühlen sich die Anwohner durch Hupkonzerte, lautstarke Kundgebungen und Feuerwerkskörpern belästigt. Die Proteste haben sich auch auf andere Großstädte ausgeweitet, zudem werden wichtige Grenzübergänge zu den USA blockiert – unter anderen die Ambassador Bridge zwischen Detroit und Windsor, Ontario in Kanada. (lz)

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