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Weiß und blau wie der Himmel sind die Farben der Rebellion, davor weht schwarz-rot die Fahne der Unterdrücker: Ein Marsch für Präsident Ortega am 15. August.

Nicaragua

Der Kampf um die Zukunft

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Nicaragua ist im Ausnahmezustand, seit Präsident Daniel Ortega am 18. April friedliche Proteste brutal niederschlagen ließ. FR-Korrespondent Klaus Ehringfeld war nun eine Woche dort. Und wollte von den Menschen wissen: Wie lebt es sich in einem Land, das von seiner eigenen Courage überrollt wurde?

Wenn man in diesen aufgewühlten Zeiten durch Nicaragua fährt und den Menschen die Frage stellt: „Wie geht’s, Nicaragua?“, dann bekommt man den Eindruck, einem Land in tiefer Verunsicherung, Ratlosigkeit, aber mit dem festen Willen zur Veränderung zu begegnen. Einem Land, das von den Ereignissen der vergangenen vier Monate überrollt wurde wie von einem Tsunami. Einem Land, das aufgestanden ist, um seinen zum Gewaltherrscher mutierten Präsidenten abzuschütteln. Aber nun, nachdem die vor allem jungen Menschen auf die Barrikaden gegangen sind, nach 400 Toten, Hunderten Inhaftierten, Verschwundenen und Gefolterten, Tausenden Geflüchteten und der scheinbaren Rückkehr zur Normalität, fragen sich die Menschen: Wie soll es weitergehen?

Da ist die Sandinistin, die unter Tränen vom Glauben abgefallen ist; da ist der Freund, der nicht mehr schlafen kann und darüber nachdenkt, das Land zu verlassen; der Studentenführer, der nach Drohungen im Untergrund lebt; der Unternehmerpräsident, der Angst hat, dass sein Land die Krise wirtschaftlich nicht überlebt; die Sprecherin der Zivilgesellschaft, die über neue Formen des Widerstands sinniert. Und da ist der Pfarrer, der fest an die Kraft dieser jungen Rebellion glaubt. 

Sie alle teilen eine Gewissheit: „Nicaragua ist seit dem 18. April ein anderes Land.“ Seit die Regierung einen friedlichen Protest gegen eine geplante Reform der Sozialkassen niederknüppeln ließ und der sich dann in einen landesweiten Aufstand gegen eine ehemals linke Regierung umschlug, ist nichts mehr, wie es einmal war. 

Aber ist das der Anfang von etwas Großem, einer neuen Revolution? Vielleicht wie damals, in den siebziger Jahren, als die sandinistischen Rebellen den Diktator Anastasio Somoza verjagten? Oder war es ein Gewitter, eine Frustentladung, ein Rebellionsfunken, der so schnell erlischt, wie er am 18. April aufgeflammt war? Sicher ist nur: Das Herrscherpaar Daniel Ortega und Rosario Murillo will nicht weichen. Bis 2022 geht das Mandat des Präsidenten und seiner Frau, der Vize-Präsidentin. Und sie haben sich in ihrem Palast im Zentrum von Managua verschanzt wie in einem Schützengraben. 

Also, wie geht es Nicaragua? Padre Edwin Román sitzt im Garten seines Pfarrhauses in Masaya in einem Schaukelstuhl und wägt die Worte im Rhythmus seiner Bewegungen. „Das hier ist nur eine Pause, nur ein Luftholen, eine Neubesinnung. Nicaragua ist nicht besiegt“, sagt der Geistliche mit den dichten Augenbrauen und der weichen Stimme. Es ist der letzte Sonntag im Juli. Román, Diözesanpriester der kleinen Kirche San Miguel, hat gerade die erste Messe seit drei Wochen gelesen. Er musste vorübergehend in der 30 Kilometer entfernten Hauptstadt Managua untertauchen, nachdem ihn die Schergen von Machthaber Ortega wegen seines Einsatzes für die jugendlichen Rebellen mit dem Tod bedroht hatten. 

Anderthalb Stunden vorher war der Geistliche von seiner Gemeinde mit lang anhaltendem Applaus empfangen worden, als er in seiner grünen Soutane kurz nach acht Uhr die Kirche betrat. In der Messe spricht er vom „täglich Brot, das Nicaragua fehlt“ – dem Frieden, der Gesundheit, der Würde. „Die Jungen haben unserem Land viel gelehrt“, sagt er mahnend.

Es ist eine junge Rebellion, die das zentralamerikanische Land erfasst, weil sie die Jugend angezettelt hat. Und weiter vorantreibt. Erst später schlossen sich Bauern, Intellektuelle, die Zivilgesellschaft und schließlich das ganze Land dem Protest an. Es ist der Aufstand gegen ein korruptes Herrscherpaar, das sich den Staat und das Land zu eigen gemacht hat, Widerspruch unterdrückt, die Institutionen gleichgeschaltet hat – und das vor allem jungen Menschen keine Perspektive bieten kann. Nicaragua ist auch nach elf Jahren scheinbar linker und sozialer Politik noch immer das zweitärmste Land Lateinamerikas nach Haiti.

Masaya war von den bewaffneten Auseinandersetzungen am härtesten betroffen. Mehr als 30 Demonstranten kamen bei den Gefechten ums Leben, als die Menschen zwischen April und Juli dort auf die Barrikaden gingen. Es war ein ungleicher Kampf: Auf der einen Seite Jungs und Mädchen, die ältesten unter ihnen gerade mal 20 Jahre alt, die mit Schleudern, Steinen und selbstgebauten Waffen gegen gut ausgerüstete Spezialeinheiten, Polizisten und Paramilitärs kämpften, die mit Kriegswaffen und Scharfschützen ohne Rücksicht auf Verluste töten. 

Und mittendrin die kleine weiße Kirche San Miguel. „Überall um uns rum standen Barrikaden“, erzählt Padre Edwin. „Es war wie im Krieg.“ Einschusslöcher in der Fassade des Gotteshauses künden davon. Der Geistliche ging hinter die Barrikaden, rettete Verletzte, zog Tote heraus, tauschte Gefangene beider Seiten aus. „Die Kirche war Rückzugs- und Fluchtpunkt, Krankenstation und Leichenschauhaus“, sagt der 58-Jährige. „Ich bin seit 28 Jahren Pfarrer, aber etwas Vergleichbares habe ich noch nie erlebt.“

Laut „Interamerikanischer Menschenrechtskommission“ kamen bei dem landesweiten Aufstand bisher 317 Menschen um. Nach Zählungen lokaler Menschenrechtsorganisationen sind es sogar 448 Tote, die meisten davon Jugendliche.

Inzwischen sind die Paramilitärs wieder aus Masaya verschwunden, es ist ruhig in der Stadt, obgleich die Ruhe eine trügerische ist. Bautrupps bessern die Straßen aus und ersetzen die Pflastersteine, die für die Barrikaden herausgerissen wurden. Zögerlich öffnen die Inhaber wieder ihre Geschäfte. Aber noch immer stehen vermummte Polizisten mit schweren Waffen an zentralen Plätzen.

Zum Ende der Messe an diesem letzten Julisonntag fragt Padre Edwin, welches Wunder sich die Menschen erbitten. Einen Moment steht die Frage in der tropischen Schwüle dieses Morgens. Dann antwortet eine Frau in der dritten Reihe fast flüsternd: „Ich bete für ein Wunder für die Emigrierten“, eine andere Frau stimmt ein und fordert „Gerechtigkeit“, dann noch lauter ein Mann: „Ein Wunder für die Gefolterten.“ 

Die Gläubigen könnten auch noch für die Untergetauchten, die zu Tode Erschrockenen, die Schlaf- und Ratlosen eine Fürbitte äußern. Oder für die in Tränen aufgelösten. Unzählige Nicaraguaner fragen sich nach wie vor, was da über sie in so kurzer Zeit hereingebrochen ist. „Die Prioritäten haben sich vom einen auf den anderen Tag verschoben“, sagt Javier Gutiérrez. „Kommst du sicher nach Hause, hast du noch einen Job, sind deine Kinder gesund, und wie hältst du sie davon ab, an den Protesten teilzunehmen und damit ihr Leben zu riskieren? – Nur noch das ist es, was die Menschen jetzt beschäftigt“, erzählt der 35-Jährige, der für eine internationale Hilfsorganisation arbeitet. Gutiérrez selbst leidet unter Schlafstörungen, er überlegt, seine Heimat zu verlassen. „Ein Stipendium oder einen Job“, sagt er. Jedenfalls raus. Denn es sei völlig unklar, wie es mit Nicaragua weitergehe.

Gutiérrez hat einen Pass, immerhin. Zigtausende Nicaraguaner haben keinen. Sie stehen seit Wochen im Morgengrauen vor der Passbehörde in Managuas Stadtteil Tenderí oder übernachten gleich vor dem Areal mit den Flachbauten. 700 Passanträge pro Tag bearbeiten die Bürokraten, aber viele Tausend wollen raus. Und mehr als Zehntausend haben das zentralamerikanische Land seit dem 18. April schon verlassen, die meisten ins südliche Nachbarland Costa Rica. 

Auch Yamileth Pérez steht an einem heißen Tag in der Schlange vor der Passbehörde. Um vier Uhr morgens ist sie mit ihren vier Töchtern und den vier Enkelkindern daheim im Stadtteil Acahualinca am Managua-See aufgebrochen. Jetzt ist es 13 Uhr, die Ränder unter ihren Augen sind tief. Sie trinkt einen Schluck eiskaltes Wasser, um die Lebensgeister zurückzuholen. Die 50-Jährige ist Sandinistin, seit sie denken kann – aber jetzt will sie nur noch weg. Damals, in Zeiten der Revolution, hat sie als „Mensajera“, als Botin gearbeitet und die geheimen Nachrichten zwischen den sandinistischen Kommandos von einem zum anderen Viertel gebracht. Da war sie gerade zehn. Nach der Revolution war sie in Acahualinca Chefin des Sandinistischen Verteidigungskomitees CDS. Später dann, ab 2007, nach der Rückkehr der Sandinisten an die Macht, führte sie die Bürgerkomitees CPC, war Delegierte der Regierungspartei FSLN in ihrem Viertel. 

Yamileth Pérez ist eine fröhliche Frau. Aber seit Monaten ist ihr das Lachen vergangen. An einem Vormittag sitzt sie in ihrem Haus mit den kahlen Wänden und kämpft gegen die Tränen. „Ich kann doch keine Massaker unterstützen“, sagt sie. „Ich bin noch immer Sandinistin, aber die sind es nicht mehr.“ Pérez unterscheidet zwischen „Sandinisten“ und „Orteguisten“, den Anhängern von Machthaber Ortega. Der habe den Sandinismus in ein persönliches, unterdrückerisches Projekt verwandelt, sagt Pérez, die all die Jahre dessen autoritäre Volten geschluckt hat. „Schließlich hat die Regierung ja auch Gutes getan“: die Stromversorgung stabilisiert, Zinkdächer für die bescheidenen Hütten verschenkt, Hühner und Kühe an Bauern abgegeben und die Kinder in den staatlichen Schulen mit Frühstück versorgt. „Aber dass sie auf die eigenen Menschen schießen“, hebt Yamileth Pérez an – und der Rest des Satzes erstickt in Tränen. 

Die Sandinistin trat aus der Partei aus. Sie geht jetzt auf Anti-Regierungs-Demonstrationen. Und plötzlich wurde aus dem allseits respektieren sandinistischen Kader eine „Aussätzige“, wie sie erzählt. Niemand grüßt sie mehr, man senkt den Blick, wenn sie durch ihr Viertel geht. „Und nächtelang haben sie Steine auf unser Dach geworfen“. Widerspruch duldeten die „Orteguisten“ nicht. „Wer sich abwendet, wird zum Verräter.“ 

Ihr Stadtteil Acahualinca ist fest in Händen der FSLN. Es ist eines der ärmsten Viertel Managuas. Die Menschen leben von dem, was die nahe Müllkippe „La Chureca“ abwirft. Sie wird vom Stadtteilbürgermeister und der sandinistischen Gewerkschaft kontrolliert. Immer wieder werden die Arbeiter aufgefordert, an den Gegendemonstrationen der Regierung teilzunehmen. „Wer mitmacht, bekommt doppelten Lohn, wer sich weigert, muss gehen“, sagt Yamileth Pérez, deren Neffen auf der Müllkippe arbeiten. Sie ist auch überzeugt, dass viele Männer aus Acahualinca für die paramilitärischen Truppen rekrutiert werden, die in blauen Shirts, Masken und mit schweren Waffen Jagd auf Regierungsgegner machten. „Ich habe einen Nachbarn, der nachts mit einem Gewehr in der Hand in ein Fahrzeug des Bürgermeisteramtes stieg.“ 

Was zwischen Mitte April und Mitte Juli in Nicaragua passiert ist, hätten selbst die härtesten Kritiker Ortegas kaum für möglich gehalten. Dass die ehemals linke Regierung in den vergangenen Jahren die Freiräume für Proteste und Kritik immer weiter reduziert hat und das Land mit absurden Projekten wie dem Nicaragua-Kanal überzog, ist das eine. Aber dass Ortega im Stile eines Gewaltherrschers auf Demonstranten schießen und die Bevölkerung terrorisieren lässt, ist das andere. 

Seit Ende Juli sind die Straßenkämpfe vorbei, und Nicaragua ist zu einer scheinbaren Normalität zurückgekehrt. Aber Hunderte Anti-Regierungs-Graffiti an Mauern, auf Gebäuden und die Kreuze auf den Kreisverkehren Managuas erinnern an die brutalen Auseinandersetzungen und die Toten. Zudem geht die Repression unter der Oberfläche der scheinbaren Normalität weiter.

Polizisten und Paramilitärs durchsuchen Häuser von mutmaßlichen oder bekannten Regierungsgegnern, stecken Verdächtige ins Gefängnis, brennen Häuser nieder. „Wir sehen jetzt die Pinochetisierung der Regierung Ortega,“ sagt der nicaraguanische Soziologe Oscar René Vargas unter Anspielung auf Diktator Augusto Pinochet in Chile in den 1970er Jahren. 

Die Menschen, die in den Wochen zuvor aus Angst vor den paramilitärischen Banden spätestens nach Einbruch der Dunkelheit zu Hause waren, bleiben jetzt auch schon mal bis 20 Uhr auf der Straße. Geschäfte schließen später, Restaurants sind auch abends geöffnet. Aber dennoch habe die Wirtschaft Nicaraguas seit April schweren Schaden genommen, betont José Adán Aguerri, Präsident des mächtigen Unternehmerverbands COSEP. „Drei Monate hat das Land bestenfalls tagsüber funktioniert“. Zudem seien 700 Millionen Dollar seit Beginn der Krise aus Nicaragua abgeflossen. „Das entspricht gut einem Drittel der Devisenreserven“, sagt der 56 Jahre alte Verbandschef, der lange ein Verbündeter Ortegas war, nun aber die Seiten gewechselt hat. Aguerri empfängt in der Villa des COSEP im Süden Managuas in Jeans und lachsfarbenem Hemd zum Gespräch und orakelt, sein Land stehe kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps.

Die Banken gäben keine Kredite mehr, niemand plane mehr größere Investitionen. „200 000 Arbeitsplätze sind verloren gegangen, 80 000 davon alleine im Tourismus.“ Die Besucherzahlen seien um 42 Prozent eingebrochen, Fluggesellschaften haben die Zahl der Flüge nach Nicaragua reduziert oder gleich ganz eingestellt. Länder wie die USA und Spanien sprachen Reisewarnungen aus. „Das wird sich nicht ändern, solange Unsicherheit in unserem Land herrscht“, ist sich der Arbeitgeberpräsident sicher. „Und deshalb muss der Präsident vorgezogenen Wahlen zustimmen.“

Das zu erreichen, ist jetzt die große Herausforderung für die Regierungsgegner. Daran arbeitet in vorderster Front die „Alianza Cívica“, ein Bündnis, das im Zuge der Krise spontan entstand. Die Frauenrechtlerin Azahalea Solís vertritt die Zivilgesellschaft in der Alianza und sagt bei Kaffee und Orangensaft: „Wir sind in einer Phase der Neuorientierung, der Suche nach neuen Formen des Widerstands.“ Diese suchen auch Gruppen wie die „Frente Amplio Democrático“, die „Articulación de Movimientos Sociales“ oder „Grito por Nicaragua“. Allerdings arbeiten alle Bündnisse weitgehend unkoordiniert voneinander. „Uns fehlt ein Sprecher, ein Führer, ein sichtbarer Kopf“, sagt Solís und zerkaut krachend ein paar Eiswürfel. 

„Was anfangs eine Stärke war, ist inzwischen eine Schwäche“, ergänzt die Anwältin und spielt darauf an, dass die junge Rebellion spontan im Wesentlichen an Unis und über soziale Netzwerke entstand. Es gab keine organisierte Form des Protestes, auch politische Parteien sind kaum dabei.

In der „Alianza Cívica“, die in Verhandlungen mit Ortega einen Ausweg aus der Krise sucht, sind die Studenten, die Wirtschaft, die Zivilgesellschaft, die Bauern und Intellektuelle vertreten. Zwar sind die Gespräche seit Anfang Juli ausgesetzt, aber es soll weiter verhandelt werden. „Wir behalten uns allerdings auch spontane Protestaktionen vor“, versichert Solís, die sie aus Sicherheitsgründen aber nicht preisgeben will. „Aber neue Barrikaden sind im Moment nicht vorgesehen.“ 

Einer der wenigen sichtbaren Köpfe der nicaraguanischen Protestbewegung ist ein junger, groß gewachsener, eloquenter Mann von gerade 20 Jahren. Lesther Alemán studiert Journalismus an der Jesuiten-Universität UCA in Managua. Wenn man ihn zum Gespräch treffen will, muss man Mittelsmänner kontaktieren und Glück haben. Seit Mitte Mai hält sich der Student aus Angst um sein Leben versteckt. Alemán wurde wegen seiner Courage in ganz Nicaragua bekannt, weil er beim ersten Dialogversuch zwischen „Alianza Cívica“ und der Regierung am 16. Mai gegen Ortega aufstand, ihn zum Abdanken aufforderte: „Señor Presidente, das hier ist kein Dialogforum, hier geht es darum, Ihren Rückzug zu besprechen,“ sagte der 20-Jährige. Und ganz Nicaragua sah ihm dabei live im Fernsehen zu. Seither ist er der Held der Protestbewegung. 

„Vier Stunden später bekam ich die erste Drohung“, erzählt Alemán beim Gespräch an einem geheimen Ort. Er trägt ein weißes Hemd und um den Hals ein Kruzifix. Am Handgelenk ein blau-weißes Armband, die Nationalfarben Nicaraguas. Seit jenem Tag ist er nicht mehr nach Hause zurückgekehrt, seine Eltern hat er kürzlich außer Landes gebracht: „Die Regierung hat ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt“, beteuert Alemán, der so druckreif spricht, dass man glauben könnte, einen gestandenen Politiker vor sich zu haben. 

Manchmal erschrecke er darüber, sagt er, mit welcher Geschwindigkeit sich sein Leben verändert habe. Er wechselt öfters die Unterkunft, ist immer umringt von Freunden und Kommilitonen, die ihn schützen. Eine europäische NGO hat ein Auto mit Fahrer zur Verfügung gestellt. 

„Aber das hier ist ein Kampf, der längst größer ist als jeder von uns“, versichert er und fixiert sein Gegenüber dabei. „Es geht um ein neues Nicaragua“, trägt er mit tiefer Stimme vor. „Wir werden weiter kämpfen, neue Formen des zivilen Ungehorsams suchen.“ Nur eines sei sicher: „Die Zeit des Präsidenten ist abgelaufen. Es gibt keinen Weg zurück.“

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