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Welternährungsgipfel

„Dieser Report muss uns die Augen öffnen“: Staaten im Kampf gegen Hunger auf dem falschen Kurs

  • Tobias Schwab
    VonTobias Schwab
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Die Zahl der Hungernden weltweit steigt. Eine UN-Studie zeigt dringenden Handlungsbedarf: Länder müssen Agrarsubventionen reformieren – ein Problem: die Erzeugung von Fleisch und Milch

Heftige Kritik am derzeitigen globalen Landwirtschaftssystem übt ein UN-Report, der in der vergangenen Woche nur wenige Tage vor dem an diesem Donnerstag in New York beginnenden Welternährungsgipfel („UN Food Systems Summit“) veröffentlicht wurde. Die Autorinnen und Autoren des Berichts, der von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), dem Entwicklungsprogramm (UNDP) und dem UN-Umweltprogramm (UNEP) in Auftrag gegeben wurde, fordern eine radikale Umverteilung der weltweiten Milliarden-Subventionen, die bislang in die Agrarindustrie fließen, während gleichzeitig bis zu 810 Millionen Menschen hungern. FAO-Generaldirektor Qu Dongyu sprach von einem „Weckruf für die Regierungen der Welt“.

Der Studie zufolge sind 87 Prozent der Hilfen wettbewerbsverzerrend. Sie schaden der Umwelt und gehen zu Lasten kleinerer Produzentinnen und Produzenten. 470 Milliarden US-Dollar (knapp 400 Milliarden Euro) der jährlich fließenden 540 Milliarden Dollar müssten anders eingesetzt werden, um nachhaltig und fair zu wirken, rechnet der UN-Bericht vor.

Kampf gegen Hunger: bisherige Subventionspraxis schädlich

Schädlich sei die bisherige Subventionspraxis, weil sie dazu führe, dass Landwirte und Landwirtinnen sich zunehmend auf wenige lukrative Sorten spezialisierten, für die es die höchsten Zahlungen gebe. Die Folge: Immer mehr ökologisch nachteilige Monokulturen machen sich auf den Äckern breit – mit der Folge des Rückgangs der Artenvielfalt und einer Verödung der Landschaft. Die Förderprogramme der einzelnen Staaten führten darüber hinaus dazu, diese lukrativen Monopflanzungen mit noch mehr Pestiziden zu schützen, was wiederum zusätzliche negative Auswirkungen auf die Ökologie habe.

Die Nahrungsmittelproduktion sei „ein Hauptverschmutzer von Luft und Wasser“, so das Fazit. Zudem sei die Agrarwirtschaft der größte Wasserverbraucher, auf den rund 75 Prozent des weltweiten Konsums von Süßwasser entfallen. Die Intensivierung der Landwirtschaft habe zu einer „schweren Verschmutzung der Meereslandschaft geführt“, so der Report.

Kampf gegen Hunger: am meisten Emissionen durch Erzeugung von Fleisch und Milch

Die größte finanzielle Unterstützung erhielten ausgerechnet jene Agrarsektoren, die das Klima am stärksten durch Emissionen schädigen. Dazu zählten die Erzeugung von Fleisch, Milch und der Anbau von Reis.

Den Autor:innen zufolge ist das global vorherrschende System der Subventionen nicht nur ineffizient, verfälscht die Preise und zerstört die Umwelt. Es führt darüber hinaus auch zu großer Chancenungleichheit, so die unmissverständliche Kritik der UN-Fachleute. Vor allem dominierende Agrar-Konzerne schöpften die Subventionen ab, während Klein- und Kleinstbetriebe, in denen vielfach Frauen arbeiteten, leer ausgehen.

Die aktuellen Regelungen seien nicht nur verbesserungswürdig, „sie halten uns sogar auf“, sagte Achim Steiner, der Chef des UNDP anlässlich der Vorstellung des Berichts. „Dieser Report muss uns die Augen öffnen.“

Kampf gegen Hunger: nachhaltige und klimafreundliche Produktionsweise fördern

Die Staaten seien auf dem falschen Kurs, um die UN-Ziele für eine nachhaltige Landwirtschaft bis 2030 zu erreichen, so die Autorinnen und Autoren des Reports. Dabei verteufeln die UN-Fachleute keineswegs Subventionen in Bausch und Bogen; sie seien grundsätzlich eine gutes Instrument, um Entwicklungen zu steuern. Deshalb gelte es nun, eine nachhaltige, klimafreundliche und ökologische Produktionsweise viel stärker zu fördern als Methoden, die Ressourcen verbrauchen, die Umwelt belasten und die Erderwärmung anheizen.

Konkret heißt es beispielsweise in der UN-Studie, Industriestaaten müssten ihre Förderung der Milch-und Fleischindustrie dringend reformieren. Andere Länder sollten ihre Subventionen für Pestizide und den weiteren Ausbau von Monokulturen zurückfahren.

UNEP-Chefin Inger Andersen ermahnte die Staaten, die Chance zu nutzen, „die Landwirtschaft zu einem Haupttreiber für das menschliche Wohlergehen und einer Lösung für die Bedrohungen durch den Klimawandel, den Naturverlust und die Umweltverschmutzung zu machen“. (mit dpa)

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