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Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg heute.
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Die Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg heute.

Kampf um "deutscheste" Stadt

Vor 60 Jahren wurde Nürnberg erobertEs gibt ein symbolisches Bild für die Befreiung Nürnbergs von der nationalsozialistischen Diktatur: die Sprengung des gewaltigen Hakenkreuzes auf dem Dach der Zeppelintribüne. Dort, wo die Nazis jahrelang ihre pompösen "Reichsparteitage" abhielten, feierten nun amerikanische Soldaten ihren Triumph über das Gewaltregime.

Von STEPHAN MAURER (NÜRNBERG, DPA)

Es gibt ein symbolisches Bild für die Befreiung Nürnbergs von der nationalsozialistischen Diktatur: die Sprengung des gewaltigen Hakenkreuzes auf dem Dach der Zeppelintribüne. Dort, wo die Nazis jahrelang ihre pompösen "Reichsparteitage" abhielten, feierten nun amerikanische Soldaten ihren Triumph über das Gewaltregime.

Auch das Datum hat Symbolkraft: Ausgerechnet an "Führers Geburtstag", dem 20. April 1945, eroberte die 7. US-Armee die Stadt, die ihr als die "deutscheste" galt und wie kaum eine andere für den Hitler-Staat stand. Zehn Jahre zuvor waren hier die Rassengesetze erlassen worden, die den Weg zur Verfolgung und Ermordung von Millionen Juden ebneten. Auf den "Reichsparteitagen" hatten sich die Nazis gefeiert und der Welt ihre Stärke demonstriert.

So maßen die Amerikaner der Niederwerfung Nürnbergs, der "Wiege" des Nationalsozialismus, größte Bedeutung zu. Auch militärisch war die Einnahme der Stadt für die Kommandeure wichtig. "Sie fürchteten, dass sich einige hunderttausend fanatische deutsche Soldaten in die "Alpenfestung" zurückziehen und dort in unwegsamem Gelände den Alliierten noch lange Widerstand leisten könnten", heißt es in einem Aufsatz des Nürnbergers Karl Kunze, der an den Kämpfen um die Stadt teilgenommen und später Material über das Kriegsende in Nürnberg gesammelt hatte.

Auch die Nazis wussten darum. Laut "Führerbefehl" sollte die Stadt "bis zum letzten Mann" verteidigt werden. Nach dem verheerenden Luftangriff britischer Bomber am 2. Januar 1945 war Nürnberg zwar schon zum größten Teil zerstört. Die örtlichen Machthaber waren dennoch entschlossen, dem "Führerbefehl" Geltung zu verschaffen, obwohl ihnen nur einige 1000 Mann gegen die Streitmacht der Amerikaner zur Verfügung standen.

Sinnloser Kampf kostete viele Leben

Noch am 15. April schickte Gauleiter Karl Holz an Hitler ein pathetisches Ergebenheitstelegramm: "Mein Führer! Der Endkampf um die Stadt der Reichsparteitage beginnt. Die Soldaten schlagen sich tapfer, und die Bevölkerung ist stolz und standhaft. Die nationalsozialistische Idee wird siegen und alle Teufel überwinden." Der sinnlose Kampf kostete viele Menschen das Leben. Laut Kunze verzeichnete die deutsche Wehrmacht 500 Tote und 500 Schwerverletzte. In den Listen der 7. US-Armee standen 142 Tote, 700 Verwundete und 68 Vermisste. In der Zivilbevölkerung gab es mehr als 300 Todesopfer.

Am frühen Morgen des 20. April erschoss sich NSDAP- Oberbürgermeister Willy Liebel im Palmenhofbunker, der letzten Kommandozentrale im Kampf um Nürnberg. Am Abend desselben Tages feierte die 3. US-Infanteriedivison auf dem Hauptmarkt eine Siegesparade. Vier Tage später wurde das Hakenkreuz auf der Zeppelintribüne gesprengt. Amerikanische Fotografen und Kameraleute hielten das Ereignis fest und übermittelten es in die USA - als Zeichen für den Triumph über die Nazis.

"Doch Nürnberg wird nach der Katastrophe des Krieges auch zu einem Ort der Hoffnung", schreibt der Journalist und Historiker Siegfried Zelnhefer. Am 20. November 1945 begann im Justizpalast der Prozess gegen 21 NS-Hauptkriegsverbrecher. Erstmals wurden die Verantwortlichen für Krieg und millionenfaches Leid persönlich zur Verantwortung gezogen. Die "Nuremberg Principles" bildeten Jahrzehnte später die Basis für die Schaffung des Ständigen Internationalen Strafgerichtshofs.

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