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Kamikaze-Drohnen: „Wenn sie das Ziel gefunden haben, stürzen sie sich darauf“

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Von: Moritz Serif

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Kamikaze-Drohnen, die Russland und die Ukraine einsetzen, gelten als militärische und psychologische Waffen.

Moskau/Kiew – Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut attackiert. Dieses Mal waren sogenannte Kamikaze-Drohnen das Angriffsmittel der Wahl. Diese kleinen und lauten Fluggeräte sind darauf ausgelegt, auf Distanz zuzuschlagen. Sie sind wendig genug, um vielen Luftabwehrsystemen auszuweichen. Es handelt sich laut der Website Military Factory um mit Sprengköpfen bestückte unbemannte Flugkörper. 

Laut Washington Post importiert Russland die Flugroboter aus dem Iran. Sie „sind sowohl militärische als auch psychologische Waffen“, so Samuel Bendett, ein russischer Militäranalyst bei der in Virginia ansässigen Forschungsgruppe CNA. „Angriffe auf Großstädte, die eigentlich gut gegen Bedrohungen aus der Luft geschützt sein sollten, zeigen, dass Russland immer noch in der Lage ist, Schaden anzurichten, unabhängig davon, ob militärische oder zivile Ziele getroffen werden.“ Eine weitere Waffe entwickelt aktuell China.

Kamikaze-Drohnen: „Wenn sie das Ziel gefunden haben, stürzen sie sich darauf“

Die Drohnen gehören zu einer Waffenkategorie, die als „loitering munitions“ bekannt ist. „Sie sind so konzipiert, dass sie über dem Schlachtfeld schweben und nach Zielen wie Radaranlagen Ausschau halten“, erklärte Ingvild Bode, Professorin für internationale Beziehungen am Center for War Studies, einer Forschungsgruppe der Universität Süddänemark, gegenüber der Washington Post. „Wenn sie das Ziel gefunden haben, stürzen sie sich darauf“.

Der Begriff „Kamikaze“ wird häufig auf diese und andere Waffen wie die in den USA hergestellten Switchblade-Drohnen angewandt, in Anlehnung an die Militärflieger, die im Zweiten Weltkrieg Selbstmordangriffe für das japanische Kaiserreich flogen. Im Gegensatz zu diesen Flugzeugen sind diese neuen Waffen nicht mit Personal ausgestattet.

Kamikaze-Drohne aus dem Iran? Dieses Foto soll eine „Shahed 136“ kurz vor dem Einschlag in Kiew zeigen.
Kamikaze-Drohne aus dem Iran? Dieses Foto soll eine „Shahed 136“ kurz vor dem Einschlag in Kiew zeigen. © Yasuyoshi Chiba/AFP

Ukrainer:innen bezeichnen Kamikaze-Drohnen als „fliegende Mopeds“

Aufgrund der charakteristischen Brummgeräusche, die sie im Anflug erzeugen, sind die Shahed-136 in der Regel weniger zerstörerisch als Präzisionsraketen – Zivilist:innen können sie kommen sehen und hören, sodass sie mehr Zeit haben, vor einer Explosion Schutz zu suchen. Einige Ukrainer:innen haben sie wegen ihrer lauten Motoren als „fliegende Mopeds“ bezeichnet.

Aber sie können auch an der ukrainischen Luftabwehr vorbeifliegen – oder das Militär zwingen, seine begrenzten Luftabwehrmittel einzusetzen, um sie zu neutralisieren, bevor sie ihr Ziel treffen können. Die Vereinigten Staaten haben zugesagt, der Ukraine über 700 ihrer eigenen Kamikaze-Drohnen, Switchblades genannt, zu schicken.

So unterscheiden sich Shaded-136 und Switchblades voneinander

Die Switchblade-Drohne unterscheidet sich mit ihrem dünnen Körper und den wie ein Lineal geformten Flügeln von der Shahed-136, die wie ein Mini-Jagdflugzeug mit Deltaflügeln aussieht. Sie ermöglicht es einem Fernbedienungsoperator, ein Ziel mit tödlicher Effizienz auszuschalten und sich der Entdeckung und Luftabwehr zu entziehen.

Ein entscheidender Unterschied zwischen der Shahed-136 und der Switchblade ist die Reichweite: Die Drohnen aus den USA können rund 40 Kilometer weit fliegen. Im Gegensatz dazu hat die Ukraine bislang die im eigenen Land entwickelten RAM-II-Kamikaze-Drohnen eingesetzt, die teilweise durch Crowdsourcing finanziert wurden. Diese Drohne hat eine geringere Reichweite von nur 29 Kilometern, und die Produktion litt unter Lieferproblemen. (mse)

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