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Kamala Harris ist im Angriffsmodus.

Kamala Harris

Kamala Harris: Mögliche Trump-Herausforderin mischt die Demokraten auf

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Wer fordert Donald Trump bei der US-Wahl 2020 heraus? Kamala Harris sorgt mit ihren Attacken für Furore, doch ihre Zeit als Staatsanwältin bringt der demokratischen Senatorin viel Kritik ein.

Noch liegt sie hinten. Joe Biden ist nach wie vor in allen Umfragen die Nummer eins, auch Bernie Sanders und Elizabeth Warren werden derzeit höher gehandelt als Kamala Harris. Doch wie lange noch? Im Augenblick sieht es jedenfalls so aus, als könnte sie demnächst ein gewichtiges Wörtchen im Kampf um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten mitsprechen.

Dass sie mittlerweile als ernstzunehmende Kandidatin gehandelt wird, hat zum großen Teil mit ihren Auftritten bei den TV-Debatten zu tun. Für Furore hat sie vor allem mit ihren verbalen Attacken gesorgt. Ihre Angriffe haben es in der Tat in sich. Keiner weiß das besser als Joe Biden. Bereits zweimal geriet der 76-Jährige mit der Senatorin aneinander, in beiden Fällen ging es um Bidens Zusammenarbeit mit Politikern, die für die Rassentrennung eintraten.

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„Wenn diese Befürworter der Rassentrennung sich durchgesetzt hätten, wäre ich heute nicht Senatorin“, sagte die afroamerikanische Politikerin beim zweiten Schlagabtausch am 31. Juli. Und Barack Obama - der erste schwarze Präsident der USA – „hätte Sie nicht nominieren können“. Schon in der ersten Debatte hatte Harris durch ihre Attacken auf Biden viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dort hatte sie Biden nach allen Regeln der Kunst zerpflückt.

Kamala Harris attackiert Joe Biden

Erst kritisierte sie ihn für dessen Bemerkungen über zwei Senatoren, die Anhänger der Rassentrennung waren, bevor sie ihm vorwarf, in den 1970ern gegen die Praxis gewesen sei, Kinder mit Bussen zu Schulen in anderen Bezirken zu fahren – was vor allem der Integration schwarzer Schüler dienen sollte. Harris, zweite afroamerikanische Senatorin in der Geschichte der USA, verknüpfte dies mit ihrer eigenen Biografie: Dies sei eine Entscheidung gewesen, die ein kleines Mädchen in Kalifornien verletzt habe: „Dieses kleine Mädchen war ich.“

Die Attacken haben Biden tief getroffen. So sehr, dass er vor Beginn der zweiten Debatte sozusagen um Gnade bat. Er wandte sich direkt an Harris, schüttelte ihre Hand und sagte: „Sei nicht zu streng mit mir, Kleines“. Die Wortwahl brachte Biden allerdings viel Kritik ein – und hinderte Harris auch nicht, Biden weiter zu attackieren.

Kamala Harris wird zugetraut, Donald Trump das Fürchten zu lehren

Auf solche Angriffe gegen den populären Biden haben vor allem diejenigen, die mit dem 76-Jährigen nicht warm werden können, lange gewartet. Wahrscheinlich auch deshalb, weil das demokratische Wahlvolk die Angst umtreibt, dass ein Kandidat wie Biden in einem Duell gegen Donald Trump untergehen könnte. Kamala Harris wird dagegen zugetraut, Trump in einer Debatte das Fürchten zu lehren.

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Dies wahrscheinlich auch deshalb, weil sie als Senatorin bisher so manchen Amtsträger ins Schwitzen gebracht hat. Ein perfektes Beispiel dafür war die Anhörung um die möglichen Kontakte zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung, als sie die Befragten regelrecht in die Mangel nahm, konsequent auf Antworten drängte und immer wieder nachhakte. Vor allem der damalige US-Justizminister Jeff Sessions konnte ein Lied davon singen Offenbar war das für die Republikaner so schlimm, dass die Senatoren Richard Burr und John McCain die Prozedur unterbrachen und Harris baten, ihre Fragen doch bitte etwas höflicher zu stellen – ein doch eher merkwürdiges Vorgehen.

Auch den jetzigen Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh brachte die Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin bei dessen Anhörung immer wieder in Bedrängnis, vor allem das eine Mal, als sie den Abtreibungsgegner mit einer ganz speziellen Frage überraschte: „Können Sie sich ein Gesetz vorstellen, das der Regierung die Befugnis gibt, Entscheidungen über den männlichen Körper zu treffen?“

Und am 1. Mai 2019 wich der Justizminister und Trump-Vertraute William Barr ihren präzisen Fragen zum Abschlussbericht des Russland-Sonderermittlers Robert Mueller aus - woraufhin Harris dem Justizminister den Rücktritt nahelegte. Das alles hinterließ Eindruck - bei Freund und Feind.

Kamala Harris: Zeit als Staatsanwältin sorgt für Kritik

Feinde hat sich die 54-Jährige, die seit 2017 im Senat sitzt, allerdings nicht nur bei den Republikanern gemacht. Denn ihre Zeit als Bezirksstaatsanwältin von San Francisco und Generalstaatsanwältin von Kalifornien ist durchaus kritisch zu sehen. Marihuana freigeben? Nicht mit Harris. Noch im Jahr 2014 hat sie nur darüber gelacht, ehe sie vier Jahre später doch noch ihre Ansicht änderte. Viele Spötter meinen, den Grund für den Sinneswandel zu kennen: Sie habe nämlich die Kunst perfektioniert, ihr Fähnchen jeweils nach dem Wind zu hängen und ihre eigene Meinung dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen. Besonders jetzt, da die Basis der demokratischen Partei sich scharf nach links wendet, muss sie als Kandidatin für das Präsidentenamt einige Verrenkungen auf sich nehmen.

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Wie hat sie sich denn damals als Anklägerin verhalten? Da hat sie hart darum gekämpft, auch solche Verurteilungen aufrechtzuerhalten, die nachgewiesenermaßen durch rechtswidrige Mittel wie Manipulation von Beweisen oder Falschaussagen zustandegekommen waren. Und was ist davon zu halten, dass sie im Jahr 2014 als Generalstaatsanwältin Berufung gegen ein Urteil in Kalifornien eingelegt hatte, das die Todesstrafe für verfassungswidrig erklärt hat? Ohne ihren Einspruch wäre die Todesstrafe in Kalifornien vielleicht schon damals abgeschafft worden, und nicht erst im März 2019, als Gouverneur Gavin Newsom ein Moratorium anordnen ließ, das jede Hinrichtung im Staat verhindert, solange er noch im Amt ist.

Die Dinge liegen in diesem Fall allerdings komplizierter. Denn bei aller Kritik darf nicht vergessen werden, dass sie persönlich gegen die Todesstrafe ist und sich als Bezirksstaatsanwältin von San Francisco mit dieser Haltung wenig Freunde gemacht hat. Dass sie einst im Prozess gegen den Mörder des Polizisten Isaac Espinoza die Todesstrafe nicht gefordert hat, wird ihr noch heute angekreidet.

Kamala Harris: unbarmherzige Anklägerin oder mitfühlende Anwältin?

Anderseits hat Harris sogar das Schulschwänzen unter Strafe gestellt– zu spät zur Schule zu kommen, war unter ihrer Ägide ein Verbrechen. Dass einige Eltern von Schulschwänzern im Knast landeten, bezeichnete sie später als eine „nicht beabsichtigte Konsequenz“, obwohl die drohende Gefängnisstrafe ja integraler Bestandteil des Versuchs war, gegen das Schulschwänzen vorzugehen. Angesichts dieser Härte fragen sich natürlich viele in ihrer Partei, er Harris nun wirklich ist: die unbarmherzige Anklägerin oder die mitfühlende Anwältin des Volkes, die all die Probleme lösen will, die jemanden um 3 Uhr nachts aufwachen lassen?

Kamala Harris hat sich in den vergangenen Jahren sicherlich gewandelt. Wie überzeugend ihr Schwenk nach links ist, wird die Basis der demokratischen Partei während der Vorwahlen entscheiden. Gute Karten besitzt sie im Augenblick auf jeden Fall, ob sie ihre Position weiter verbessern kann, bleibt abzuwarten. Eine weitere gezielte Attacke könnte ihr sicher dabei helfen.

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