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Die Su-75, präsentiert auf der MAKS 2021.
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Die Su-75, präsentiert auf der MAKS 2021.

Russland

Rüstung in Russland: Eine Kalaschnikow mit Flügeln

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Russlands Rüstungsindustrie präsentiert einen Science-Fiction-Jet – als Modell im Maßstab 1:1. Er soll bereits ein Exportschlager sein. Auch wenn ihn bisher keiner gekauft hat.

Moskau - Russland präsentiert der Welt einen neuen taktischen Düsenjäger, der allen westlichen Gegnern den Garaus machen soll. Aber bisher gibt es nur eine Attrappe der einfach schon mal zum Exportschlager erklärten Maschine, die man – exportorientiert – „Checkmate“ getauft hat, zu Deutsch „Schachmatt“.

Das Projekt mit dem russischen Signum „Suchoi Su-75“ ist wirklich ehrgeizig: ein leichter taktischer Düsenjäger mit einem Triebwerk neuester Art, bis zu fünf Luft-Luft-Raketen und 1900 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Durchaus eine Konkurrenz für westliche und chinesische Kampfjets. Auch wegen der Triebwerksdüse, die der Pilot in alle Richtungen bewegen kann. „Sie erlaubt dem Flugzeug in der Luft die unglaublichsten Pirouetten“, meint der Moskauer Militärexperte Viktor Litowkin. Dank solcher Manövrierfähigkeit könnte Checkmate im Nahkampf die F-35 oder auch andere US-Jets „durchaus Matt setzen“.

Suchoi Su-75: Die Serienproduktion soll in vier Jahren beginnen

Die Su-75 ist die große Attraktion der am Dienstag eröffneten Luftfahrtshow Maks in Schukowski bei Moskau. Wobei man korrekterweise sagen muss: das Modell des Jägers im Maßstab 1:1, Wladimir Putin persönlich besichtigte es. „Das ist mehr als nur eine Attrappe, als ein Demonstrator“, versichert Juri Sljusar, Chef der Vereinigten-Flugzeugbau-Korporation. „Ein Rekordprojekt auch, was die Fristen angeht, kaum älter als ein Jahr.“ Man habe Checkmate digital mithilfe eines Supercomputers modelliert. Der erste Prototyp soll in zwei, spätestens drei Jahren starten, die Serienproduktion in vier Jahren beginnen. Checkmate besitze Tarnkappentechnik, werde auch unbemannt einsetzbar sein und sowohl Drohnen wie auch Jäger der nächsten, sechsten Entwicklungsstufe – beispielsweise das europäische FCAS – bekämpfen können, so Sljusar. „Eine leichte aber effektive Figur in erfahrenen Händen, die die Partie entscheiden kann.“

Nach Aussagen der Hersteller ist die SU-75 vor allem für den Export gedacht. Der Jet soll 25 bis 30 Milliarden Dollar kosten und der französischen Rafale und dem schwedischen Gripen Marktanteile abnehmen, aber vor allem der US-amerikanischen F-35, die einen Stückpreis von 60 bis 90 Millionen Dollar hat. Ein Reklamevideo kündigt schon Indien, die Vereinigten Emirate, Vietnam und Argentinien als potenzielle Käufer an. Und man plant, binnen 15 Jahren 300 Maschinen abzusetzen.

„Technische Eigenschaften, die noch niemand erprobt hat“

Aber noch ist das Projekt nicht mehr als der bunt angestrahlte, bewegungsunfähige, „Demonstrator“ im Maks-Pavillon. „Dem Modell schreibt man technische Eigenschaften zu, die noch niemand erprobt hat“, sagt Litowkin. „Ob der Kampfjet wirklich 7,5 Tonnen Nutzlast in die Luft bringt und einen Wirkungsradius von 1500 Kilometern hat, müssen reale Flüge zeigen. Bis dahin ist alles nur Reklame.“ Kampfjets mit nur einem Triebwerk sind zwar billiger und leichter, aber schon seit den 80er Jahren schafften Russlands Luftstreitkräfte nur noch Jäger mit zwei Triebwerken an. Sie können mehr Waffen tragen und sind bei Ausfall eines Triebwerks nicht zum Absturz verdammt. Das nationalistische Portal „Freie Presse“ unkt entsprechend: „Es wäre nicht ganz logisch, zweifelhaften Verbündeten zweimotorige Su-57 zu verkaufen.“

57? 75? Die Entwicklung der großen Schwester Su-57 der „Checkmate“ begann 2001, aber die Serienproduktion des ersten schweren russischen Kampfjets der fünften Generation hat noch immer nicht begonnen. Dabei verfügt auch die Su-57 über frei bewegliche Düsen. Aber es gibt Probleme mit der Entwicklung des Triebwerkes. Und ihre Tarnkappentechnik gegen Radar gilt im Vergleich zu US-Kampfjets als ungenügend. Da lenkt die Su-75 immerhin unschlagbar von anderen Fehlentwicklungen ab. (Stefan Scholl)

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