Afghanistan

Kabul will Talibanführer freilassen

Gefangenentausch als Friedenssignal.

Kehrtwende in Afghanistan: Die Regierung in Kabul ist bereit, drei hochrangige Taliban aus der Haft zu entlassen – offenbar im Gegenzug für die Freilassung von zwei entführten Professoren, die an der Amerikanischen Universität in Kabul tätig waren.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani teilte mit, unter den Freizulassenden sei Anas Hakkani, der jüngere Bruder des Anführers des Hakkani-Netzwerkes und Vize-Chefs der Taliban, Siradschuddin Hakkani. Ein Sprecher der militant-islamistischen Taliban sagte, man werde „demnächst“ eine eigene Erklärung abgeben.

Das Hakkani-Netzwerk ist verantwortlich für einige der grausamsten Anschläge in Afghanistan. Nach Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen stand das Hakkani-Netzwerk auch hinter einem schweren Anschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai 2017. Damals waren mindestens 90 Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt worden.

Die Freilassungen könnten Beobachtern zufolge dazu beitragen, die im September abgebrochenen Gespräche über Frieden zwischen den USA und den Taliban wieder zu starten. Präsident Ghani sprach von einer „schwierigen, aber wichtigen“ Entscheidung. Mit dieser wolle man auch den Weg für persönliche und direkte Gespräche mit den Taliban ebnen, um Frieden und Stabilität zu erreichen. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, direkte Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung aufzunehmen, die sie als „Marionette“ des Westens betrachten.

Die drei Taliban-Mitglieder seien im Ausland festgenommen worden und sie hätten seit einiger Zeit unter Beobachtung der afghanischen Regierung gestanden, sagte Ghani weiter. Früher hatte der afghanische Geheimdienst mitgeteilt, Anas Hakkani sei im Oktober 2014 bei einem Einsatz in der östlichen Provinz Chost festgenommen worden. Im Februar hatten die Taliban Hakkani auf die Liste ihrer Verhandlungsdelegation für die Gespräche mit US-Vertretern gesetzt. Sie gaben an, Anas sei ein wichtiges Mitglied des Verhandlungsteams und solle daher sofort freigelassen werden.

dpa

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