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Immerhin zeigt die FDP-Führung im Fall Brüderle etwas Disziplin.

Leutheusser-Schnarrenberger über Brüderle

Justizministerin verteidigt Dirndl-Spruch

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Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger bestreitet die Vorwürfe gegen Rainer Brüderle nicht, findet seinen Busenspruch aber auch nicht schlimm. Sie spricht gar von einem "Kompliment".

Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger bestreitet die Vorwürfe gegen Rainer Brüderle nicht, findet seinen Busenspruch aber auch nicht schlimm. Sie spricht gar von einem "Kompliment".

Zu Beginn des Gesprächs klingt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger entspannt. Im Deutschlandfunk darf die FDP-Justizministerin über das Sorgerecht von Vätern referieren, da kennt sie sich aus.

Etwa fünf Minuten lang darf sie plaudern, dann wird es ernst. Ob sich ihr Parteikollege Rainer Brüderle wegen der Sexismus-Vorwürfe entschuldigen solle, fragt die Moderatorin Christiane Kaess.

Nein, sagt die Ministerin, „Brüderle verhält sich richtig.“ Sie sagt damit so ziemlich dasselbe wie alle anderen hochrangigen FDP-Politiker. Immerhin: Lange wirkte die FDP wie ein Haufen von Viertklässlern, die bei jedem Problem mit dem Finger auf den nächsten zeigen. Geht es um Vorwürfe gegen Brüderle, geben sie sich geeint. Wenigstens das ist ein Fortschritt.

Ganz nach Parteilinie sagt Leutheusser-Schnarrenberger, dass die aktuelle, durch Twitter angeheizte Debatte inzwischen kaum mehr etwas zu tun habe mit dem, wie "es nach Medienberichterstattung bekannt ist". Sie meint damit den Vorwurf einer „Stern“-Reporterin, Brüderle habe sie bei einem Abend an der Bar erst mit einem Kommentar über ihre Brüste angebaggert und sei ihr schließlich körperlich so nahe gekommen, dass seine Pressesprecherin intervenieren musste.

"Wo ist da die Beleidigung"?

Im Gegensatz zu FDP-Chef Philipp Röslerstellt Leutheusser-Schnarrenberger diese Geschichte nicht infrage. „Natürlich hat er sich richtig verhalten“, sagt sie, und in ihrer Stimme klingt eine Mischung aus Empörung und Nervosität mit. Der Busen-Spruch Brüderles („Sie könnten ein Dirndl füllen“), der sei als Kompliment zu verstehen. „Wenn ich auch ein Dirndl tragen kann, und das steht mir gut, wo ist denn da die Beleidigung?“

Früher demonstrierte Leutheusser-Schnarrenberger selbst gegen Abtreibungsverbote und für Frauenrechte. Und spätestens an dieser Stelle des Gesprächs bekommt der Zuhörer ein Gefühl dafür, wie schwer es einer intelligenten Frau fallen muss, solche Sätze zu sagen.

Zielsicher legt die Moderatorin den Finger in die Wunde. „Wie weit unter fünf Prozent wollen sie denn in den Umfragen noch fallen?“, fragt Kaess. Brüderle werde schließlich nur noch als „alternder Mann“ wahrgenommen, der „jungen Frauen…anzügliche Bemerkungen zuraunt.“ Leutheusser-Schnarrenberger antwortet mit Standardfloskeln.

Warum nur ist es so schwer, eine Dummheit einfach mal zuzugeben? Für Brüderle, für Leutheusser-Schnarrenberger, für die FDP? Brüderle ist kein Verbrecher, niemand ist perfekt. Untragbar wird er als Spitzenkandidat höchstens deshalb, weil er das Thema seit Tagen nicht kommentiert.

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