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Olaf Scholz (Archivbild), hier noch Bürgermeister von Hamburg, will gerne Kanzler werden. In der eigenen Partei löst er damit Kritik aus.

SPD-Kanzlerkandidat

Für die Jusos ist Scholz "der falsche Mann"

Finanzminister Olaf Scholz bringt sich selbst als Kanzlerkandidat der SPD ins Spiel.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stößt mit seinen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur auf wenig Begeisterung in seiner Partei. „Das ist der falsche Zeitpunkt, der falsche Mann und die falsche Methode“, sagte Juso-Vize Katharina Andres der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ vom Montag. Insbesondere der Zeitpunkt von Scholz‘ Äußerung sorgte auch bei anderen Sozialdemokraten für Kritik.

Scholz hatte der „Bild am Sonntag“ gesagt, die SPD wolle den nächsten Kanzler stellen. Auf die Frage, ob er selbst sich das Amt des Bundeskanzlers zutraue, antwortete er mit „ja“.

Juso-Vize Andres sagte der „Hannoverschen Allgemeinen“, für sie sei SPD-Chefin Andrea Nahles die „erste Wahl“. Dies gelte auch, weil es „an der Zeit ist, dass die SPD eine Frau zur Kanzlerkandidatin macht“.

Stephan Weil kritisiert den Zeitpunkt

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisierte den Zeitpunkt von Scholz‘ Positionierung. „Im Moment stellt sich diese Frage innerhalb der SPD nicht besonders dringlich, denn bis zur nächsten Bundestagswahl sind es noch mehr als zwei Jahre“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen“. Fragen der Kanzlerkandidatur sollten geklärt werden, „wenn sie anstehen“, sagte auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstagsausgabe).

Der nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Sebastian Hartmann äußerte sich ähnlich. „Das Letzte, was die SPD vor der so wichtigen Europawahl braucht, ist es, eine Kanzlerkandidatendebatte zu führen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Montag. „Ich erwarte nach dem schwierigen Jahr 2018, dass sich alle Vertreter der Parteiführung auf die wesentlichen Dinge konzentrieren.“

Hartmann betonte, die Entscheidung über die Spitzenkandidatur dürfe nicht im Hinterzimmer passieren. „Bei der künftigen Besetzung von Spitzenpositionen in der SPD muss es um größtmögliche Beteiligung gehen. Ich unterstütze ausdrücklich die Idee einer Urwahl“, sagte er.

SPD-Landesgruppen fordern Urwahl

Die Forderung nach einer Urwahl wird nach einem Bericht der Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Dienstagsausgaben) auch von den wichtigen SPD-Landesgruppen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen/Bremen im Bundestag unterstützt. Dies solle dann gelten, wenn es mehrere Bewerber gebe, heißt es demnach in einem gemeinsamen Positionspapier.

Am Wochenende hatte sich bereits SPD-Bundesvize Ralf Stegner kritisch zu Scholz geäußert. Am Montag legte er nach: „Wir haben mit Selbstausrufungen nicht die besten Erfahrungen gemacht“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Gleichzeitig plädierte auch Stegner für einen Wettstreit mehrerer Bewerber. „Ich glaube, dass wir mit mehreren Bewerbern um die Kanzlerkandidatur gut beraten wären“, sagte er. „Die meisten Mitglieder wünschen sich, dass es einen Wettbewerb gibt.“ (dpa)

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