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Wacht in Brandenburg über die Verfassung: Autorin Juli Zeh.

Juli Zeh

Juristin mit Haut und Haaren

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Die Schriftstellerin Juli Zeh wird mit überwältigender Mehrheit zur Verfassungsrichterin gewählt.

Neujahr“ heißt der jüngste Roman der Schriftstellerin Juli Zeh, in dem für die Hauptfigur Henning nur scheinbar alles in bester Ordnung ist. Der Mann leidet an Panikattacken und dem Gefühl permanenter Überforderung. Ein Zustand, der der 44-Jährigen nicht fremd ist. Vor drei Jahren litt sie an einem Burn-out-Syndrom und beschloss, sich fortan von anderen nicht mehr alles aufhalsen zu lassen. Aber das ist für eine engagierte Frau wie sie gar nicht so einfach. Am Mittwoch hat die Erfolgsschriftstellerin ein neues Amt angenommen – und was für eins.

Mit 71 von 86 möglichen Stimmen wurde Juli Zeh im brandenburgischen Landtag in Potsdam zur ehrenamtlichen Verfassungsrichterin gewählt. Neben dem Filmemacher Andreas Dresen ist sie bereits die zweite Künstlerin in dem neunköpfigen Gremium, das zu je einem Drittel aus Berufsrichtern, Mitgliedern mit der Befähigung zum Richteramt oder Diplomjuristen sowie Mitgliedern besteht, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen müssen. Vor allem bei Letzteren setzt man auf einen gesunden Menschenverstand jenseits der professionellen Ausbildungswege.

Den nimmt Juli Zeh ganz gewiss für sich in Anspruch, und ihre Romane zeugen auch davon. Tatsächlich aber gehört sie in die Gruppe der Volljuristen. Sie studierte mit dem Schwerpunkt Völkerrecht in Passau, Krakau, New York und Leipzig, aber es dauerte noch bis zum Jahr 2010, ehe sie mit einer Arbeit über die Rechtsetzungstätigkeit von UN-Übergangsverwaltungen promoviert wurde.

Zu diesem Zeitpunkt war sie nicht nur mit ihren Romanen im Buchhandel gefragt, sondern auch in den Talkshows des Landes, in denen Zeh sich stets meinungsfreudig behauptete, zu welchem Thema auch immer. Zusammen mit dem Schriftsteller Ilija Trojanow hat sie auf die Gefahren des Datenmissbrauchs aufmerksam gemacht, lange bevor die NSA-Affäre das Problem ganz oben auf die politische Agenda setzte. Aber sie kann auch anders. Mit „Unterleuten“ hat sie den weiter anhaltenden Trend zum zeitgenössischen Dorfroman überhaupt erst begründet.

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