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Francois Fillon (l.) und Alain Juppe

Frankreich

Juppé könnte Fillon bei der Wahl ersetzen

Präsidentschaftskandidat verliert Unterstützung

Bei Frankreichs Konservativen wächst der Druck auf Präsidentschaftskandidat François Fillon, wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre zurückzutreten. Sein Rivale Alain Juppé steht jetzt doch als möglicher Ersatzkandidat bereit, wie am Freitag aus seinem Umfeld verlautete. Fillon klammert sich bislang trotz der Justizermittlungen gegen ihn an seine Kandidatur – doch immer mehr Parteifreunde wenden sich von ihm ab.

50 Tage vor der Präsidentschaftswahl signalisierte Juppé erstmals, Fillon als Kandidaten ersetzen zu können: Der 71-Jährige würde sich bei einem Verzicht des Präsidentschaftskandidaten nicht vor der Verantwortung „drücken“, hieß es aus Juppés Umfeld. Bislang hatte es der frühere Premierminister stets abgelehnt, gegebenenfalls für Fillon einzuspringen. Zugleich stellt Juppé, der Fillon bei den Vorwahlen der Republikaner im November klar unterlegen war, nach Angaben seines Umfelds zwei Bedingungen: Fillon müsse von sich aus auf seine Kandidatur verzichten und die Konservativen müssten sich geschlossen hinter ihn stellen. Es gehe nicht um einen „Putsch“, so der Juppé-Vertraute Edouard Philippe.

Konservative fürchten Schlappe

Juppé gilt vielen Konservativen als möglicher Retter in der Fillon-Affäre. Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Odoxa könnte er als Kandidat in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl die meisten Stimmen erzielen. Er käme demnach auf 26,5 Prozent, der Mitte-Kandidat Emmanuel Macron auf 25 Prozent und die rechtsextreme Front-National-Chefin Marine Le Pen auf 24 Prozent. Allerdings liegt die Fehlermarge bei der Umfrage bei drei Prozentpunkten. Der lange als Präsidentschaftsfavorit gehandelte Fillon dagegen ist wegen der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau und zwei seiner Kinder in den Umfragen abgestürzt: Er würde Meinungsforschern zufolge nur auf dem dritten Platz landen und damit den Einzug in die Stichwahl verpassen. Bei den Konservativen macht sich deswegen Panik breit, mit Fillon als Kandidat die Präsidentschaftswahl am 23. April und 7. Mai zu verlieren.

Niemand kann ihn zwingen

In den vergangenen Tagen haben sich eine Reihe Politiker von dem Präsidentschaftskandidaten abgewandt. Am Freitag warf auch Fillons Sprecher Thierry Solère das Handtuch. Allerdings können die Konservativen Fillon nicht zu einem Verzicht auf eine Präsidentschaftskandidatur zwingen. Außerdem hat er bereits die Unterschriften von Abgeordneten und Bürgermeistern zusammen, die für eine Präsidentschaftskandidatur nötig sind. Er braucht mindestens 500, hatte am Freitagmittag aber schon mehr als 1 100. Fillon zeigte sich am Donnerstagabend entschlossen, an seiner Kandidatur festzuhalten: „Ihr habt einen Kämpfer vor euch“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung im südfranzösischen Nîmes. „Ich habe nicht die Absicht, klein beizugeben.“ Fillon hat die Vorwürfe gegen ihn als Schmutzkampagne bezeichnet und wirft der Justiz „politischen Mord“ an ihm vor.

Fillon hatte nach Medienenthüllungen zugeben müssen, seine Ehefrau Penelope jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin bezahlt zu haben. Die französische Justiz ermittelt wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung. Untersuchungsrichter dürften bald ein Ermittlungsverfahren einleiten. Am Donnerstag durchsuchten Ermittler seine Pariser Privatwohnung. Fillon betont, die Anstellung seiner Frau sei legal gewesen. (AFP)

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