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Die Spitzenkandidaten für die Brandenburger Landtagswahl - Johanna Wanka (CDU), Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) undKerstin Kaiser (Die Linke).
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Die Spitzenkandidaten für die Brandenburger Landtagswahl - Johanna Wanka (CDU), Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) undKerstin Kaiser (Die Linke).

Platzecks Aussichten in Brandenburg

Der jungenhafte Veteran

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Anders als in Schleswig-Holstein wirken die politischen Verhältnisse in Brandenburg, wo am Sonntag ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird, höchst geordnet. SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck ist ein Phänomen. Von Bernhard Honnigfort

Keine Redeschlachten, kein verbissenes Fernsehduell, keine persönlichen Feindschaften: Anders als in Schleswig-Holstein wirken die politischen Verhältnisse in Brandenburg, wo am Sonntag ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird, höchst geordnet.

Der Umgangston der Hauptdarsteller in Potsdam ist freundlich und nur gelegentlich scharf, dann aber in der Sache. Außerdem scheint das Land schon jetzt den Sieger zu kennen: Ministerpräsident Matthias Platzeck, 55, liegt mit seiner SPD in Umfragen vor der Linkspartei und die vor der CDU. Seit 2002 regiert der gelernte Kybernetik-Ingenieur das Land mit Juniorpartner CDU. Und nach allen Erhebungen wird Platzeck Regierungschef bleiben. Unklar ist nur, wen er sich nach der Wahl als Partner ins Boot holt.

Platzeck ist ein Phänomen: Er ist ungemein beliebt. 74 Prozent seiner Landsleute würden ihn direkt wählen, seine Konkurrenten Johanna Wanka (CDU) und Kerstin Kaiser (Die Linke) kommen auf Werte unter zehn Prozent.

Seit 19 Jahren regiert der Mann mit dem Dreitagebart. Er kam von den Grünen, wurde Umweltminister, zwischenzeitlich Oberbürgermeister Potsdams, dann Ministerpräsident und Erbe des legendären Manfred Stolpe. Dessen hohe Popularität hat Platzeck längst erreicht. 2005 wurde er kurz SPD-Chef, musste aber das Amt im Frühjahr 2006 wegen zweier Hörstürze abgeben.

Wenn er in den vergangenen Wochen wahlkämpfend durchs Land zog wirkte es oft wie ein freundlicher Familienbesuch: Ob der Oberbürgermeister von Cottbus oder ein Landtagsabgeordneter aus dem Spreewald, auf jeden rennt der immer noch jungenhaft wirkende Regierungsveteran zu, nimmt ihn in die Arme oder schüttelt Hände mit der Kraft eines Obelix und wirkt vergnügt dabei, als sei Wahlkampf nichts anderes als ein Treffen mit netten Leuten.

Zudem weiß er, wie Brandenburger reden und denken. Natürlich gab es auch Sachthemen: die Braunkohleverstromung, die Schulbildung, fehlende Arbeitsplätze oder mehr Geld für Kita-Erzieherinnen. Platzecks Wahlkampf hatte aber eine persönliche Note: Jede Rede war auch ein kleiner Aufbaukursus in Selbstbewusstsein für seine Brandenburger, ein Appell an sie: Kopf hoch, macht euch nicht klein.

Stern der CDU sinkt

Besonders geärgert hatten ihn Bemerkungen des scheidenden Innenministers Jörg Schönbohm (CDU) über Verwahrlosung im Osten, die der auf die Entchristlichung zu DDR-Zeiten zurückführte. "Wir haben 40 Jahre DDR und Erich Honecker überstanden", sagt er dann. "Dafür waren mehr Sitte und Anstand nötig als für ein Leben in bequemeren Gegenden Deutschlands."

Er ist das Einkloppen auf die Ossis und die beschränkte mediale Sicht auf Stasi-Themen 20 Jahre nach dem Mauerfall leid. Er will Mut machen. "Wenn wir zulassen, dass die Menschen immer in dieser gebückten Haltung daherkommen, weil sie sich ihrer nicht sicher sind, dann wird die deutsche Einheit niemals ankommen in den Herzen und Seelen."

In seinem Wahlkampf hat Platzeck manchmal gesagt, er wolle keine "schleswig-holsteinischen Verhältnisse". Gemeint hat er: keine Regierung, in der Leute sind, die sich nicht ausstehen können. Gemünzt war das wohl auf die CDU, der nach dem Abgang Schönbohms und auch des Wirtschaftsministers Ulrich Junghanns die verlässlichen Spitzenfiguren auszugehen drohen.

Mit Sven Petke, dem ehrgeizigen CDU-Vize, dessen Partei sich in den vergangenen Jahren in eine Schlangengrube verwandelt hatte, möchte Platzeck nicht regieren. Er wird abwarten, was nach der Wahl bei der Union passiert und ob Chefin Wanka ihre Partei zusammenhalten kann. Sonst könnte Frau Kaiser von der Linken einspringen und Herrn Platzeck beim Weiterregieren helfen.

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