+
JA-Bundeschef Damian Lohr wurde mit 111 von 137 gültigen Stimmen für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt.

Junge Alternative

Junge Rechte üben das Kreidefressen

  • schließen

Vom Versuch, beim JA-Bundeskongress in Magdeburg die Extremisten zu zähmen.

Die AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ (JA) will sich schneller von missliebigen Mitgliedern trennen können. Eine entsprechende Satzungsänderung wurde beim Bundeskongress in Magdeburg mit großer Mehrheit angenommen. Von den 150 Delegierten stimmten nur sechs dagegen. Die Schiedsgerichte werden abgeschafft. Künftig sollen der Bundes- und die Landesvorstände Ausschlüsse beantragen können, die dann mit einfacher Mehrheit vom 23-köpfigen Bundeskonvent bestätigt werden.

In den vergangenen Monaten war die JA von Flügelkämpfen und Austrittswellen erschüttert worden. Bis zu 300 weniger radikale Mitglieder verließen die Organisation, zudem wurde der Landesverband Niedersachsen ausgeschlossen. Niedersachsen gehört mit Bremen und Baden-Württemberg zu den Bundesländern, in denen die JA bereits vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Im Bund wird die Nachwuchsorganisation vom Verfassungsschutz als „Verdachtsfall“ eingestuft. Demnach liegen nach Auffassung des Geheimdienstes „hinreichend gewichtige Anhaltspunkte“ dafür vor, „dass es sich um eine extremistische Bestrebung handelt“. Bei einer Aussprache zu dem Thema schloss der Bundeskongress die Presse am Samstag aus. Journalisten mussten vorübergehend den Saal verlassen.

Der „taz“-Journalistin Sabine am Orde war wegen missliebiger Kommentare die Akkreditierung gleich ganz verweigert worden. AfD-Chef Jörg Meuthen rügte diesen Verstoß der Parteijugend gegen die Pressefreiheit. Er sagte auf Anfrage: „Ich halte es für eine falsche Reaktion, die Akkreditierung der „taz“ zum Bundeskongress nicht zuzulassen. Ich bin stets dafür, Vertreter von Medien – auch solche, die wir aus gutem Grund sehr kritisch sehen – zu Parteiversammlungen zuzulassen.“

„Wie viele Kinder willst du?“

Wenn die Journalisten zuhören durften, vermieden die Delegierten schrille Töne – anders als bei den vorangegangenen Bundeskongressen. Auch der Alkoholkonsum hielt sich diesmal in Grenzen. Der Bundestagsabgeordnete Roland Hartwig redete den Delegierten ins Gewissen: „Wir stehen vor riesengroßen Herausforderungen. Der Verfassungsschutz hat uns im Visier.“ Hartwig leitet die parteiinterne „Arbeitsgruppe Verfassungsschutz“. Die Satzungsänderung nahm er sichtlich erleichtert zur Kenntnis und lobte, wie schnell der Kongress die Tagesordnung abarbeite.

JA-Bundeschef Damian Lohr (25) wurde mit 111 von 137 gültigen Stimmen für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt. Zu seinen Stellvertretern wurden Dominic Fiedler aus Nordrhein-Westfalen, Mary Khan aus Hessen, Tomasz Froelich aus Hamburg sowie Jan Hornuf aus Brandenburg gewählt. Schatzmeister ist Felix Koschkar aus Sachsen-Anhalt.

In den Bewerbungsreden übten die Kandidaten teils heftige Kritik an jenen Ex-Kollegen, die die Partei verlassen haben. „Panikmacher, Pressepetzen und Feindzeugen brauchen wir nicht“, rief Fiedler. Khan als einzige Frau unter den Kandidaten wurde gefragt, wie viele Kinder sie bekommen wolle. „Drei“, antwortete die 24-Jährige, die mit dem brandenburgischen JA-Chef Dennis Hohloch liiert ist.

Der Vorstand ist nun deutlich enger mit der Mutterpartei verwoben. Lohr ist Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz, Hornuf persönlicher Referent des brandenburgischen AfD-Chefs Andreas Kalbitz, auch Khan kann zu dessen Umfeld gezählt werden. Froelich ist persönlicher Referent von AfD-Chef Meuthen.

Kein Problem mit Identitären

Die neue Zurückhaltung der JA ist Taktik. Wie taktisch die neue Zurückhaltung der JA ist, zeigt nicht zuletzt die Wahl Koschkars. Er gehört zur „Patriotischen Plattform“, dem Bündnis der ganz Rechten in der Partei und demonstrierte in Wien zusammen mit der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB). An den Unvereinbarkeitsbeschluss zwischen JA und IB halte er sich, sagte der neue Schatzmeister, räumte aber auch offen ein: „Ich habe Sympathien für die IB“. Diese sei aber „aktionistisch“, die JA hingegen auf die Parteiarbeit für die AfD orientiert.

Was in Magdeburg ebenfalls deutlich wurde: Problematisch sind für viele nicht die radikalen Äußerungen ihrer Mitstreiter, sondern, dass diese bekannt werden. Die „FAZ“ berichtete erneut über interne Chats der JA Hessen. Landesvorstandsmitglied Elliott Murray soll dort unter anderem die Todesstrafe für Politiker gefordert haben, „die ihr Volk verraten“. Murray soll die JA inzwischen verlassen haben.

Andere wollen bleiben: Am Rande des Kongresses gibt Reimond Hoffmann Interviews. Der Vize-Landesvorsitzende von Baden-Württemberg kündigt an, voraussichtlich erneut für den Landesvorstand kandidieren zu wollen. Dabei hatte der Vorstand der Südwest-Mutterpartei kürzlich in einem Ultimatum den Rauswurf Hoffmanns gefordert – wegen Kontakten zur IB.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion