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Er hat das Rennen gemacht: Jean-Claude Juncker.

EU

Juncker zum Kommissionschef nominiert

Trotz des heftigen Widerstands aus Großbritanniens hat Jean-Claude Juncker geschafft: Der Luxemburger ist auf dem EU-Gipfel als neuer Präsident der EU-Kommission nominiert worden. Das EU-Parlament muss der Ernennung Junckers noch zustimmen. Das gilt jedoch als sicher.

Jean-Claude Juncker hat es geschafft: Der Luxemburger ist von den EU-Staats- und Regierungschefs für den Posten des Präsidenten der europäischen Kommission nominiert worden, die noch ausstehende Zustimmung des Europaparlaments gilt als sicher. Dann kann der trotz seiner nur 59 Jahre als Europa-Dinosaurier geltende Christdemokrat auf die große politische Bühne zurückkehren. Sein Start an der Spitze der EU-Behörde wird aber kein leichter sein, woran unter anderem auch der britische Premierminister David Cameron mitverantwortlich ist.

Juncker gilt als verdienter und anerkannter Europäer. In seinen 19 Jahren als luxemburgischer Regierungschef trug der mit einer spitzen Zunge gesegnete Politiker so manchen Kampf aus und übte deutliche Kritik an den großen EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, wie es sich wohl nur ein Vertreter aus einem Kleinstaat wie Luxemburg erlauben kann. Aber der fließend Deutsch, Französisch und Englisch sprechende Juncker war es auch, der nicht selten zwischen seinen Kollegen in den Brüsseler Gipfelnächten vermittelte.

Ungewollter Karriereknick für "Mr. Euro"

Doch nachdem der langjährige Eurogruppenchef 2013 ausgelaugt von den endlosen Notsitzungen der Schuldenkrise freiwillig die Führung des wichtigsten Gremiums der Währungsunion abgab, erlebte der "Mr. Euro" getaufte Juncker in seiner Heimat einen ungewollten Karriereknick: Wohl zu seiner eigenen Überraschung stürzte der selbstbewusste Politiker über eine Geheimdienstaffäre und musste sich vorgezogenen Neuwahlen stellen. Und obwohl er seine Partei wieder zur stärksten Kraft machte, wurde der ansonsten mit allen Wassern des Politikbetriebs gewaschene Vollblutpolitiker von den anderen Parteien aus dem Amt gehebelt.

Juncker, der Jura studiert hat, aber sein ganzes Leben Politiker war, stand plötzlich ohne Posten da - von einem Sitz auf der kleinen Luxemburger Oppositionsbank einmal abgesehen. Seine Chance auf eine Fortsetzung seiner europäischen Karriere sah Juncker, als das umstrittene Verfahren ins Leben gerufen wurde, bei der Europawahl europäische Spitzenkandidaten um die Nachfolge von EU-Kommissionschef José Manuel Barroso konkurrieren zu lassen.

Juncker ging als Vertreter der Christdemokraten ins Rennen und durfte sichtlich ermüdet von dem europaweiten Wahlkampf vor einem Monat einen Sieg feiern. Doch mit den dann beginnenden Problemen hatte er wohl nicht gerechnet. Auf einmal wurde das gesamte Verfahren der Spitzenkandidaten wieder infrage gestellt, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brauchte eine Weile, um sich zu Juncker zu bekennen. Gerüchte über einen Rückzug Junckers machten die Runde.

Giftiger Widerstand

Sein ärgster Widersacher war bis zuletzt der britische Premier David Cameron, der dem Ureuropäer Juncker noch beim Gipfel die Fähigkeit absprach, die Europäische Union angesichts gewachsener Europaskepsis zu erneuern: "Jean-Claude Juncker ist die falsche Person."

Angeheizt von dem giftigen Widerstand Camerons, schoss sich die Presse von der Insel auf den Luxemburger ein. Juncker beschwerte sich über Journalisten, die in Bäumen saßen und sein Haus beobachteten. Zudem wurde der Lebensstil Junckers infrage gestellt, erst am Freitagmorgen berichtete eine große britische Zeitung von angeblichen Sorgen im Kreis der EU-Lenker über Junckers Alkoholkonsum.
All dies erleichtert Juncker den Start nicht, wenn er in das Präsidentenbüro in der 13. Etage des raumschiffartigen Kommissionsgebäudes im Brüsseler Europaviertel einzieht. Die Europäische Union muss nach dem Abflauen der Schuldenkrise nun die Zukunft planen und die Arbeitslosigkeit besonders der jungen Menschen senken, eine Balance zwischen Haushaltsdisziplin und Wachstumspolitik finden, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Hinzu kommen die Debatte über das Maß, in dem sich die EU in nationale Belange einmischen soll, und die Krisen und Konflikte in der Nachbarschaft. Nun muss Juncker seinen Kritikern zeigen, dass er der Richtige für diese Herausforderungen ist.. (afp/zys)

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