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Schauspieler Jürgen Vogel engagiert sich sehr stark für die Organspende.

Interview

Jürgen Vogel: „Organspende ist überaus wichtig, für alle“

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Schauspieler Jürgen Vogel spricht über sein Engagement für den Verein „Junge Helden“ und erklärt, warum die Widerspruchsregelung für ihn die perfekte Lösung ist.

Jürgen Vogel, 51, Schauspieler, engagiert sich seit Jahren für den Verein „Junge Helden“. Der setzt sich für ergebnisoffene Aufklärung über Organspende ein und will vor allem Jugendliche und junge Erwachsene erreichen. In der aktuellen Debatte plädieren die „Helden“ für die Widerspruchsregelung, die von einer Abgeordnetengruppe um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagen wird.

Der Verein bekommt vor allem aus Schulen viele Anfragen, sagt Geschäftsführerin Angela Ipach, und zwar „häufig von Schülern, eher noch als von Lehrern“. Die „Helden“ bieten Informationsmaterial wie die „Schulstunde in der Box“ sowie Aufklärungsfilme und Schulveranstaltungen an.

Herr Vogel, Sie engagieren sich sehr stark für die Organspende. Warum?

Ich habe meiner Schwester vor knapp 30 Jahren Knochenmark gespendet, da hatte ich das erste Mal mit Organspende zu tun. Meine Schwester hatte Leukämie, hat erst Chemo bekommen und all das, dann brauchte sie das. Damals wurde es noch unter Vollnarkose gemacht, die Ärzte haben einen Liter Knochenmark aus meinem Becken herausgeholt, und das bekam sie dann. Und das hat auch funktioniert, sie lebt und es geht ihr gut.

War Organspende davor auch schon mal Thema für Sie oder Ihre Familie?

In der Familie nicht, aber die Mutter einer Freundin hat in Hamburg schon sehr früh ein Spenderherz bekommen. Seitdem schwebte es immer irgendwie in meinem Bewusstsein als Kind und als Jugendlicher, dass so etwas möglich ist. Das war faszinierend für mich.

80 % der Menschen finden Organspende gut

Damit sind Sie nicht allein, 80 Prozent der Menschen hier finden Organspende gut. Warum haben dann nur gut 30 Prozent einen Spenderausweis?

Über Organspende wurde und wird bei uns viel zu wenig gesprochen. Wenn man die Leute konkret fragt, sagen sie: Klar, Organspende finde ich super. Aber zu Hause redet man nicht davon, und der Schritt, sich einen Ausweis zu besorgen, bleibt irgendwie aus. Auch in der Schule kommt das kaum vor. Nehmen Sie dagegen das Rauchen. Meine Güte, was haben wir viele Filme in der Schule gesehen, wie schädlich das ist! Wäre Organspende auch normales Unterrichtsthema, dann gäbe es längst ein breites Bewusstsein, wie überaus wichtig das ist, für alle. Denn man muss sich ja klar sein, dass es jeden treffen kann.

Inwiefern?

www.junge-helden.org

Das kann ganz schnell gehen, auch bei ganz gesunden Menschen. Aus einer verschleppten Erkältung kann zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung werden, und schon brauchst du ein neues Herz.

Aktuell machen Sie sich sehr dafür stark, dass die Widerspruchsregelung eingeführt wird. Nach der sollen künftig alle als potenzielle Organspender gelten, die nicht ausdrücklich widersprechen, während man derzeit zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt haben muss.

Wir machen ja nun seit langer, langer Zeit diese Aufklärungsarbeit, und trotzdem hat sich an den Spenderzahlen nichts geändert, im Gegenteil. Die Werbepost der Krankenkassen alle zwei Jahre kostet Milliarden und landet im Papierkorb. Die Widerspruchslösung ist die perfekte Lösung für alle: Erstmal für die große Mehrheit derer, die Organe spenden wollen. Denn sollte bei ihnen tatsächlich irgendwann der Hirntod festgestellt werden – was übrigens ein ganz seltener Fall ist, nur ein kleiner Prozentsatz aller Todesfälle sind Hirntode – wird ihr Wunsch auch sicher erfüllt, Organe zu spenden. Während heute der Spenderwille sehr vieler Menschen verlorengeht, weil keiner davon weiß.

Widerspruchslösung heißt, Spenden bleibt freiwillig. Niemand muss spenden

Aber was haben die Gegner der Organspende von der Widerspruchsregelung?

Sie können einmalig erklären, dass sie es für sich nicht wollen, und der Widerspruch wird dann in einem Register gespeichert und kann ebenfalls nicht verlorengehen. Das ist hundertprozentig abgesichert. Und man muss immer wieder sagen: Widerspruchslösung heißt, Spenden bleibt freiwillig. Niemand muss spenden.

Viele Menschen haben aber auch grundsätzliche Sorgen und Fragen – zum Beispiel, ob man richtig tot ist, wenn man für hirntot erklärt wird …

Was ist man denn, wenn das ganze Gehirn tot ist, außer tot? Wir müssen endlich Schluss machen mit dieser Märchenstunde. Fakt ist: In Deutschland müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Sicherer geht es nicht mehr. Und wer trotzdem Zweifel hat oder wer Verschwörungstheorien anhängt, die bei Facebook und sonst wo kursieren, der kann ja widersprechen. Diese Freiheit wird durch die Widerspruchslösung ausdrücklich garantiert, und das gehört für mich auch zur Demokratie.

Wie sehen Sie die Rolle der Medien in der Debatte?

Gut vier von fünf Bundesbürgern sehen Organspenden positiv – doch nur etwa jeder Dritte besitzt einen Spendeausweis.

Äußerst problematisch. Die Medien bedienen insgesamt mit ihrer Berichterstattung viel stärker die 20 Prozent, die Bedenken haben, als die 80 Prozent, die Organspende super finden. Dadurch entsteht ein Zerrbild, als ob viel mehr Menschen dagegen sind. Wir sollten einfach viel positiver an die Sache rangehen. Und dann muss endlich die Politik dem Wunsch der 80 Prozent folgen und ein entsprechendes Gesetz machen.

Im Bundestag sieht es aber nicht nach einer 80-Prozent-Mehrheit für die Widerspruchslösung aus. Was sagen Sie zum Argument der Gruppe um die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock, der Entwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn missachte das Selbstbestimmungsrecht der Menschen?

Mein Gefühl ist, den Grünen geht es da nur darum, dagegenzuhalten, egal womit. Sie sagen, sie wollen mit ihrem Gesetzentwurf die bisherige Regelung weiterentwickeln, aber was ist das dann? Die Weiterentwicklung der Katastrophe. Und zur Selbstbestimmung: Welche größere Freiheit gibt es, als sagen zu dürfen: ,Ich bin dafür‘ oder ,Ich bin dagegen‘? Die Widerspruchslösung deckt das ab. Das haben die Grünen offensichtlich nicht verstanden.

Interview: Ursula Rüssmann

Ist die Widerspruchslösung die Lösung beim Thema Organspende? Ein Pro und Contra zum Thema.

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