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Schächten ohne Betäubung?

Populismus

Juden und Muslime reagieren empört auf CDU-Vorstoß zum Schächten

Die CDU-Fraktion in Hannover fordert ein Verbot des betäubungslosen Schlachtens von Tieren ohne Ausnahme. Die jüdischen und muslimischen Religionsvertreter reagieren empört.

Die muslimischen Verbände in Niedersachsen und der Zentralrat der Juden in Deutschland haben empört auf eine Forderung der CDU-Fraktion in Hannover reagiert, das betäubungslose Schlachten von Tieren ohne Ausnahme zu verbieten. Sie warfen der CDU vor, populistische Positionen der AfD zu kopieren. Sie sei erschrocken darüber, dass die CDU sich „weiter nach rechts katapultiert“, sagte die Geschäftsführerin des Ditib-Landesverbandes, Emine Oguz, am Donnerstag dem epd. 

Die jüdischen und muslimischen Religionsvertreter werfen CDU AfD-Populismus vor

Zentralratspräsident Josef Schuster sprach in einem Brief an die Landtagsabgeordneten angesichts einer gleichlautenden Forderung der AfD aus dem Jahr 2018 von einer „unsäglichen Allianz“. Die jüdischen und muslimischen Religionsvertreter verwiesen auf das deutsche Tierschutzgesetz. Das sehe vor, dass für das Schächten aus religiösen Gründen eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden könne. Die CDU-Landtagsfraktion hatte mit Blick auf das gerade zu Ende gegangene muslimische Opferfest zuvor gefordert, dass zukünftig das Schächten von Tieren nur noch erlaubt werden solle, wenn diese vorher betäubt würden. 

Halal und Betäubung schließen sich nicht aus“, sagte der Vorsitzende Dirk Toepffer. Schuster appellierte an die Abgeordneten, den Beschluss ihrer Fraktion „im Sinne einer grundgesetzlich gewährleisteten ungestörten Religionsausübung“ rückgängig zu machen. Ein Verbot würde die jüdische Gemeinschaft im Besonderen treffen, da im Judentum der Verzehr nicht geschächteter Tiere verboten sei. „Auch eine zusätzliche Betäubung der Tiere – sei sie reversibel oder irreversibel – ist im Judentum grundsätzlich verboten“, heißt es in dem Brief, der dem epd vorliegt. 

Tiere werden bereits betäubt

Schuster beschreibt darin zudem detailliert das Schächten, bei dem „das Tier gleichzeitig betäubt und getötet“ werde. Es empfinde keinen Schmerz, weil es unmittelbar das Bewusstsein verliere. Der Schura-Vorsitzende Recep Bilgen betonte gegenüber dem epd, er könne nicht nachvollziehen, „warum hier geltendes Recht gebrochen werden soll“. 

Emine Oguz verwies darauf, dass Muslime in Niedersachsen die Schlachttiere in der Regel bereits betäubten. Muslime, die Betäubung aus religiösen Gründen ablehnten, erhielten ihr Fleisch aus anderen europäischen Ländern. (epd) 

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