Starke Polizeipräsenz prägte das Bild in München während der Sicherheitskonferenz.
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Starke Polizeipräsenz prägte das Bild in München während der Sicherheitskonferenz.

Sicherheitskonferenz

Juden in Europa fordern mehr Schutz

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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Nach Angaben jüdischer Vertreter nimmt der Antisemitismus in Europa zu. So wollte die Schweiz Juden für ihre Sicherheit zahlen lassen.

Juden in Europa fühlen sich zunehmend bedroht. Die Gründe dafür sind der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien, der mancherorts aufkeimende Antisemitismus, aber auch Anschläge wie auf einen koscheren Supermarkt in Paris, zwei Tage nach dem Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo im Januar 2015. Die gewachsene Gefahr belegten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion während der Münchner Sicherheitskonferenz am Sonntag mit vielen Beispielen.

In der Schweiz sind demnach nach den islamistischen Anschlägen in Paris und Brüssel einige Juden attackiert worden. Die jüdischen Gemeinden baten daraufhin die Bundesregierung in Bern, jüdische Einrichtungen besser zu schützen. Ende vergangenen Jahres debattierten Schweizer darüber, ob Juden für ihre Sicherheit selbst zahlen müssen. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte Maram Stern vom World Jewish Congress.

Juden seien Bürgerinnen und Bürger eines Landes, das seine Bevölkerung schützen müsse. Darauf bestand auch die israelische Politikerin Tzipi Livni. Israel fühle sich zwar auch für Juden in Europa verantwortlich, doch sei es Aufgabe des jeweiligen Staates ihre Einwohner zu schützen, sagte die ehemalige israelische Justiz- und Außenministerin und heutige Abgeordnete der Knesset.

Unterschätze Gefahr

Stern wies noch daraufhin, dass Juden meist keine Probleme haben, solange sie sich nicht als Juden zu erkennen geben. Tun sie dies etwa auf dem Weg in die Synagoge, fühlten sie sich oft unwohl – auch, weil vor vielen Gotteshäusern Polizisten stehen.

Generell seien Juden bevorzugte Ziele unterschiedlicher rechtsextremer oder islamistischer Gruppen, sagte der Sicherheitsexperte Peter Neumann vom King’s College London. Das werde häufig von Sicherheitskräften, aber auch in öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt. Ein Übergriff auf einen Juden sollte aufhorchen lassen. Es sei ein Zeichen, dass weitere Attacken folgten.

Neumann warnte zudem davor, antijüdische Einstellungen in rechtspopulistischen Parteien zu unterschätzen. Marie Le Pen vom Front National habe sich zwar vom Antisemitismus ihres Vaters distanziert. Aber viele Mitglieder der Partei seien dennoch Judenfeinde. Ähnliches gelte auch für die Partei des Niederländers Geert Wilders, Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit.

Das Podium betonte unisono, dass es nicht darum gehe, ausschließlich auf Übergriffe auf Juden hinzuweisen. Übergriffe auf Juden sollen genauso wie ausländerfeindliche Attacken auf andere Minderheiten oder dschihadistische Attentate das öffentliche Klima negativ verändern. Dies dürfe nicht zugelassen werden.

„Nicht gut für Europa“

Sonst würden Juden vermehrt nach Israel auswandern und möglicherweise in Tel Aviv französische Restaurants und Bars eröffnen. „Das mag gut sein für Tel Aviv, aber nicht für Europa“, sagte der langjährige ARD-Korrespondent für Israel, Richard Schneider.

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