1. Startseite
  2. Politik

"Judebuwwe"

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jürgen Ahäuser

Kommentare

Die Kicker von Eintracht Frankfurt waren in den Dreißiger Jahren "Judebuwwe" und "Schlappekicker".

Das Fußball-Fachmagazin der Kicker proklamierte in seiner Ausgabe vom 19. April 1933 die "Entfernung von Juden aus den Fußballvereinen". Nach der Machtergreifung durch die NSDAP waren die deutschen Sportkameraden in Vereinen und Verbänden beflissentlich bemüht, dem Willen des Führers möglichst rasch zum Durchbruch zu verhelfen. "Die Vorstände des Deutschen Fußballbundes und der Deutschen Sportbehörde halten Angehörige der jüdischen Rasse, ebenso auch Personen, die sich in der marxistischen Bewegung herausgestellt haben, in führenden Stellungen der Landesverbände und der Vereine nicht für tragbar", hieß es in dem Fachblatt. Am Rande des Artikels ist mit Bleistift vermerkt: "Oh weh, Eintracht!"

Das Geraune Ewiggestriger von den "Judebuwwe" ist bis heute noch an Stammtischen und gelegentlich auch am Spielfeldrand zu hören. Eintracht Frankfurt galt als "Judenverein", weil zahlreiche jüdische Unternehmer den Klub unterstützten. Einer der herausragenden Mäzene des Vereins war die Schuhfabrik J & C. A. Schneider, die von den Brüdern Fritz und Lothar Adler sowie Walter Neumann geleitete wurde. Unter der Hand soll es schon damals für die Amateure Zuwendungen gegeben haben.

Um 1935 standen in Rudolf Gramlich (später auch Vereinsführer), Hugo Mantel, Franz Schütz, Hans Stubb, Karl Ehmer und Willi Lindner sechs der besten Eintrachtler auf der Gehaltsliste der Firma, die bis zu 32 000 Paar Schuhe täglich produzierte. Zu den gefragtesten Produkten des 1938 "arisierten" Unternehmens gehörten Hausschuhe, in Frankfurt und Umgebung auch Schlappe genannt, weshalb den Eintracht-Fußballern auch das Etikett "Schlappekicker" angehängt wurde.

Einer der Firmeninhaber, Walter Neumann, hatte die braunen Zeichen der neuen Zeit gleich richtig interpretiert. Er war unmittelbar nach Beginn der Nazi-Terror-Herrschaft in die USA emigriert. Die Brüder Adler wurden in der Pogromnacht des 9. November 1938 verhaftet, flüchteten später dann aber ebenfalls über den Atlantik.

Beim Frankfurter Sportverein (FSV) standen von 1924 an bis zur Gleichschaltung - und der damit verbundenen Einführung des Führerprinzips bis hinab in die Vereine - zwei Juden an der Spitze. Der Arzt David Rothschild wurde 1929 von dem Unternehmer Alfred J. Meyers abgelöst. Meyers, 1931 noch als Erbauer des Bornheimer Hangs gefeiert, musste 1933 zurücktreten. Er überlebte den mörderischen Rassenwahn ebenfalls in den USA. Bis 1933 waren Siegbert Wetterhahn (FSV) und Hugo Reiß (Eintracht) anerkannte Schatzmeister ihrer Vereine. Wegen ihres jüdischen Glaubens mussten sie ihre Ämter aber aufgeben und wurden durch "deutsche Volksgenossen" ersetzt.

Auch interessant

Kommentare