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Wiebke Winter.
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Wiebke Winter.

Union

JU-Politikerin Winter: „Klimapolitik muss ehrgeiziger werden“

  • Anja Maier
    vonAnja Maier
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Wiebke Winter von der Jungen Union ist dankbar für Fridays for Future und lobt Laschets Rezepte.

Frau Winter, Sie haben mit anderen CDU-Mitgliedern die KlimaUnion gegründet. Wozu braucht Ihre Partei diesen Verein?

Ich setze mich dafür ein, dass die CDU eine ehrgeizigere Klimapolitik verfolgt. Und ich denke, dass man das am besten mit anderen kann. Mit Menschen, die unterschiedliche Themen und Profile haben, die aber gemeinsam dafür kämpfen, dass sich die CDU eindeutig zum 1,5-Grad-Ziel und zur Klimaneutralität bis spätestens 2040 bekennt.

Dem 1,5-Grad-Ziel hat sich Deutschland bereits 2015 beim Pariser Klimaabkommen verpflichtet. Sehen wir hier den Versuch, der Union im Wahljahr einem Greenwashing zu verpassen?

Definitiv nicht. Das ist schlicht die richtige und notwendige Position. Der momentane Plan der Bundesregierung sieht vor, dass wir erst 2050 treibhausgasneutral werden. So können wir das globale 1,5-Grad-Ziel nicht einhalten.

Das Wahlprogramm der Union liegt noch nicht vor. Können Sie als Mitglied des CDU-Bundesvorstands sagen, welche Rolle der Klimaschutz spielen wird?

Das Wahlprogramm wird aktuell geschrieben. Und das ist auch der Grund, warum wir uns gerade jetzt gründen. Wir wollen Einfluss nehmen.

Zufrieden scheinen Sie mit der Klimapolitik der Union nicht zu sein. In Ihrer Satzung steht, dass die bisherigen Maßnahmen „bei weitem noch nicht ausreichen“.

Ich wünsche mir sehr, dass die Politik der Bundesregierung deutlich ehrgeiziger wird. Es macht schließlich einen Riesenunterschied, ob sich das Klima um anderthalb oder zwei Grad erwärmt. Die Schäden steigen exponentiell an. Bei zwei Grad zum Beispiel sterben 99 Prozent der Korallenriffe ab, bei anderthalb sind es siebzig.

Zur Person

Wiebke Winter, 25, ist Mitglied im CDU-Bundesvorstand. Sie ist zudem CDU-Bundestagskandidatin für Bremen II-Bremerhaven und Landesvorsitzende der Jungen Union. Am gestrigen Freitag gründete sie mit anderen Parteimitgliedern die Klima-Union.

Umwelt und Klimaschutz werden eher mit den Grünen verbunden. Was macht denn den Unterschied zur Klimapolitik der Union?

Armin Laschet sagt ganz klar: Wir müssen Klimapolitik und Industriepolitik zusammendenken. Das unterstützen wir als KlimaUnion. Wir müssen aus der Kohlekraft raus und erneuerbare Energien massiv ausbauen. Als Norddeutsche denke ich da natürlich an Offshore-Windenergie. Aber auch an Photovoltaik. Dazu gehört aber auch unsere Klima-Außen- und -Entwicklungspolitik. Und schließlich der Netzausbau. Daran scheitert es aktuell zu oft: Ein einzelner Hamster kann verhindern, dass Strommasten gesetzt werden. Gefährdete Arten sind wichtig. Aber auch der Hamster hat nichts davon, wenn wir in vierzig Jahren überschwemmt sind.

Was ist Ihr persönlicher Antrieb?

Das erste Mal, dass ich politisch aktiv geworden bin, war die Teilnahme an einer Anti-AKW-Demo – mit 13 Jahren. Mir geht es um eine Umwelt, in der meine Generation und die uns folgenden gut leben können. Mir macht das enorme Sorgen. Die aktuelle Politikergeneration wird nicht so stark betroffen sein von den Folgen ihrer Klimapolitik. Unsere Generation, der auch Fridays for Future angehört, muss das nun auskämpfen. Wenn ich allein an meine norddeutsche Heimat denke, ist das auch eine große wirtschaftliche Chance – wir wollen doch alle lieber Wind vom Deich als Öl vom Scheich.

Als vor Corona Fridays-for-Future-Demonstranten durch das Berliner Regierungsviertel zogen, twitterten Unionsabgeordnete, sie sollten zurück in die Schule gehen. Sind Sie jetzt auch eine Art konservatives FFF?

Ich war anfangs sehr skeptisch gegenüber Fridays for Future – und mittlerweile dankbar. Ohne die stünde nämlich das Klimathema nicht so groß auf dem Plan. Was uns trennt ist indes die ultralinke Kapitalismuskritik. Für mich bedeutet die Klimakrise gerade, dass wir eine funktionierende Wirtschaft brauchen, um mit den Steuereinnahmen den Wandel zu finanzieren. Die ganze Angelegenheit wird nämlich nicht billig.

Sollte trotz aller aktuellen Probleme die Union einen Regierungsauftrag von der Wählerschaft erhalten – mit welcher Partei können Sie sich eine konsequente Umwelt- und Klimapolitik vorstellen?

Natürlich wünsche ich uns vor allem ein gutes Ergebnis. Und dann sind da sicher die Grünen der Partner, mit dem man reden sollte. Aber auch die FDP ist spannend. Ob es dafür allerdings reichen wird, ist fraglich. Also, wenn Sie mich fragen: Schwarz-Grün.

Interview: Anja Maier

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