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60 JAHRE DANACH

"Jott no Huus, Jongens"

Gertrud Schmidt, Jahrgang 1911, erlebte mit sieben Kindern vor dem Einmarsch der US-Truppen erbitterte Kämpfe direkt vor der eigenen Haustür in Korschenbroich bei Mönchengladbach.

Wir mussten jetzt Tag und Nacht in den Keller. Wir aßen dort und die Kinder schliefen auch dort. Oft mussten wir auch erst das Grundwasser ausschöpfen, denn durch die Erschütterungen der Bomben hatten sich feine Haarrisse gebildet, durch die Grundwasser eindrang. Da kam es oft vor, dass mal ein Bein, mal ein Arm oder gar die Decke im Wasser hing.

Mittlerweile rückte die Front immer näher auf uns zu. Einmal waren wir wieder alle im Keller, als ein Soldat mit schwer genagelten Stiefeln von der Straße aus auf unser Haus zulief. Direkt vor dem Kellerfenster schoss er noch sein ganzes Magazin leer und betrat die Bude (von uns "August sein Bud" genannt, in welcher der Gehilfe August Kowalski gewohnt hat). Uns stockte der Atem (denn die "Bud" grenzte an den Keller und war auch Notausgang). In diesem Moment fing der "kleine Erwin" an zu "erzählen" (ra-ra-ra). Ich hätte ihn dafür am liebsten umgebracht, denn ich dachte: nun braucht uns der (vermeintliche) Ami nur eine Handgranate in den Keller zu werfen und mit uns ist es aus. Aber es kam anders: Der Mann lief ums Haus herum und betrat von hinten den Hausflur. Ich fand ihn in der Ecke liegend, als ich leise die Kellertür öffnete, um nachzuschauen. Wie war ich froh, dass es ein deutscher Soldat war. Ich nahm ihn mit in den Keller, er war verwundet und müde und schlief dann einige Stunden lang.

Panzer im eigenen Garten

Gegen Mittag wurde es plötzlich ganz still draußen - das Krachen und Donnern der Kanonen hatte aufgehört. Wir gingen nach oben und traten ans Schlafzimmerfenster. Da sahen wir schwere braune Panzer stehen. Ein Panzer fuhr direkt in Krings' Garten und dann ums Haus herum in unseren Garten. Das Rohr der Kanone drehte immer mehr auf unser Haus zu, und ich dachte, wir wären gemeint. Dann ein furchtbarer Knall, und die armen Pferde mitsamt der deutschen Kanone auf der Straße lagen vernichtet im Dreck.

Am nächsten Tag kam Weber Resi, unser Landjahrmädchen, wieder zur Arbeit und erzählte, sie habe mit einer Frau bei den toten Pferden gestanden und gesehen, wie die Frau ohnmächtig wurde und genau auf die Pferde fiel.

Nun mussten die Häuser an der Straße geräumt werden und die beiden Krings-Eheleute zogen zu uns. Gegen Abend belästigten uns die Amis sehr, sie wollten ins Haus. Aber Frau Krings sagte kurz und bündig: "Jott no Huus, Jongens, he sinn nur aide Fraue un Kenger!" Das heißt auf Hochdeutsch: Geht nach Haus, Jungens, hier sind nur alte Frauen und Kinder!

Aber vorher erwarteten Martha und ich die Amis an der Haustür, mit einem weißen Tuch in der Hand, zum Zeichen, dass wir uns ergaben. Die Amis gingen auf leisen Gummisohlen, sie öffneten alle Türen und Schränke, nur den Keller betraten sie nicht. Ich musste nun den deutschen Soldaten aus dem Keller holen. Sie nahmen ihn gefangen, rissen ihm die Achselklappen runter und zerschlugen sein Gewehr auf der Treppe. Dann nahmen sie ihn ins Gefangenenlager mit.

Gertrud Schmidt, Korschenbroich

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