Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

G7-Gipfel

G7-Gipfel in Großbritannien: Boris Johnsons Stunde der Bewährung

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
    schließen

Beim G7-Gipfel in Cornwall am Wochenende erwartet die westlichen Wirtschaftsmächte ein reiches Programm. Und auf den Gastgeber wartet ein banger Termin.

Cornwall – Die Umgebung könnte nicht lieblicher, der Anlass nicht konfliktreicher sein: An diesem Wochenende versammeln sich die Staats- und Regierungschefs der führenden westlichen Industrienationen zum G7-Gipfel in der englischen Grafschaft Cornwall. Die Erwartungen an das erste persönliche Treffen des Septetts seit zwei Jahren sind hoch.

Wer nimmt teil? Aus Nordamerika US-Präsident Joe Biden und Kanadas Premier Justin Trudeau, Angela Merkel aus Deutschland, Emmanuel Macron aus Frankreich, Mario Draghi aus Italien, Yoshihide Suga aus Japan und Gastgeber Boris Johnson – alles klar. Extra eingeladen hat letzterer diesmal aber auch die Regierungschefs von Südafrika, Australien, Indien und Südkorea. An dem G von G7 sind sie alle ziemlich nah dran.

Die „Mutoid Waste Company“ erinnert die G7 mit ihrem „Mount Trashmore“ an den ausstehenden Schutz der Umwelt.

G7-Gipfel in Großbritannien: Freund oder Feind? Was ist mit China?

Soll also das G7-Format erweitert werden? Den Verdacht hegten einige in Europa, weshalb Johnson ausdrücklich zurückrudern musste. Vor allem durch anglo-amerikanische Thinktanks geistert das Konzept „D10“ – die zehn westlichen Demokratien Nordamerikas, Europas und Austral-asiens – Afrika bleibt außen vor. Kaum wer bezweifelt, dass da zuallererst das zunehmend aggressivere China ferngehalten werden soll.

Die EU nennt die Volksrepublik zwar einen „systemischen Rivalen“, betont aber gleichzeitig die intensiven Handelsbeziehungen. Hingegen ist in Washington viel von China als „Gegner“ die Rede. Das europäische diplomatische Corps leidet aber immer noch unter der Trump-Erfahrung und will sich nicht mehr so ohne weiteres auf die transatlantische Supermacht verlassen. Angesichts der tiefen politischen Spaltung der USA bleibt eine Wiederholung des Trump’schen Alptraums eine realistische Möglichkeit.

Klimawandel und Wirtschaft: Dies steht beim G7-Gipfel in Großbritannien auf dem Plan

Was steht auf der Tagesordnung? Vor allem zwei Themen: die Bekämpfung des Klimawandels und die wirtschaftliche Erholung von der weiterhin andauernden Covid-Pandemie. Umweltgruppen hoffen auf ein konkretes Enddatum für die Verbrennung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen. Im Kampf gegen Sars-CoV-2 könne der Gipfel „etwas wirklich Dramatisches“ erreichen, glaubt Robert Yates vom Thinktank Chatham House. Der Westen solle sich darauf verpflichten, mehr Impfstoffe an die Welt zu verteilen anstatt daheim Kinder zu immunisieren und Auffrisch-Spritzen zu horten. Die WHO hofft auf umgerechnet 17,4 Milliarden Euro für das Covax-Programm. Die Rede ist außerdem von einem Technologietransfer, der Entwicklungsländern ermöglichen würde, Corona-Impfstoffe günstig selbst herzustellen.

G7-Treffen: Erste Erfolge stellen sich ein – Ein Thema ist Großbritannien besonders wichtig

Britische Sonderwünsche? Von seinen Vorgängern hat Johnson ein langfristiges Thema der Entwicklungspolitik geerbt: die Schulbildung von Mädchen in armen Ländern des globalen Südens besonders zu fördern. Das hehre Ziel bleibe „eine hohe Priorität unseres Premierministers“, beteuert ein Regierungsinsider.

Einen Erfolg vermelden bereits die G7-Finanzressorts: die Einigung auf eine weltweit gültige Steuer für digitale Dienstleistungen sowie die Mindestbesteuerung für global agierende Großkonzerne von 15 Prozent. Wie bei Corona und Klima wird sich aber erst im Dialog mit dem Rest der Welt – vor allem mit China – herausstellen, wie viel der Deal am Ende wirklich wert ist.

Großbritannien: Erwartungen an G7-Gipfel sind groß

Was erhofft sich der Gastgeber? Was erwarten die Gäste? Die Briten, deren rasches Impfprogramm im Frühjahr Schlagzeilen machte, wollen dieses Tempo weltweit exportieren. Bis Ende 2022, lautet Johnsons Parole, solle „die ganze Welt“ geimpft sein. Beim Thema Klimaschutz braucht der Gastgeber schon deshalb Fortschritte, damit das UN-Treffen COP 26 im November in Glasgow zum Erfolg wird. Der Premier steht knapp zwei Jahre nach Amtsantritt international noch immer auf dem Prüfstand. Der von ihm durchgedrückte Brexit zeitigt weiterhin mehr erwartete Probleme denn die propagierten güldenen Versprechungen. Beim Vorab-Treffen mit Joe Biden an diesem Donnerstag muss Johnson klarstellen, dass sein Flirt mit Trump bloß realpolitisch erzwungen war. Gelingt ihm das, kann das für Biden ein Einfallstor für die Bestätigung einer wiedererstarkten Freundschaft zwischen USA und Europa werden. (Sebastian Borger)

Rubriklistenbild: © Ben Birchall/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare