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Johnson-Nachfolge: Truss und Sunak bereiten sich auf schmutzigen Wahlkampf vor

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Von: Stefan Krieger

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Rishi Sunak oder Liz Truss: Noch zwei Torys kämpfen um die Nachfolge von Boris Johnson als Parteichef – und den Einzug in die Downing Street.

London – Nur zwei Torys sind noch im Rennen um die Nachfolge von Boris Johnson. Und die Konservativen in Großbritannien stellen sich auf einen „Kampf Blau gegen Blau“ ein, wie es der Guardian in einer Titelzeile formuliert.

Zuvor war aus der letzten Abstimmung unter den Abgeordneten der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak mit 137 Stimmen als Spitzenreiter hervorgegangen. Liz Truss, die amtierende Außenministerin, hatte 113 Stimmen erhalten und landete damit knapp vor Penny Mordaunt, die mit 105 Stimmen aus dem Rennen ausschied.

Nachfolge von Boris Johnson: Liz Truss ist Favoritin

Trotz ihres zweiten Platzes unter den Abgeordneten ist Liz Truss laut Umfragen die Favoritin unter den konservativen Parteimitgliedern, während Sunak als Außenseiter gilt. Etwa 160.000 Mitglieder der Tory-Partei – die Hälfte davon über 60 Jahre alt, zu 97 Prozent weiß und überwiegend männlich aus Südengland – werden im nächsten Monat darüber abstimmen können, wer Anfang September Premierminister wird.

TV-Debatte um Nachfolge des britischen Premierministers
Rishi Sunak und oder Liz Truss: wer beerbt Boris Johnson? © Jonathan Hordle/ITV/dpa

Der finale Zweikampf um die Nachfolge von Boris Johnson wird für die Konservative Partei zur Zerreißprobe. Im Duell zwischen der Außenministerin Liz Truss und dem ehemaligen Finanzminister droht jetzt eine Schlammschlacht. „Nun werden die Waffen rausgeholt“, zitiert die Zeitung Times einen Truss-Vertrauten. Die 46-Jährige werde Sunaks Finanzpolitik ins Visier nehmen. Die Gegenseite kontert: „Sie ist etwas sonderbar, und das wird sich zeigen.“ Dem politischen London steht ein schmutziger Sommer bevor.

Nachfolge von Boris Johnson: Truss verspricht Steuersenkungen und Wachstum

In ihrer Rede nach der Stichwahl bedankte sich Truss, die als entschiedene Befürworterin des Brexits gilt, bei den Abgeordneten. Sie sagte, sie werde nun „der konservativen Partei meinen kühnen neuen Wirtschaftsplan vorstellen“, der „Steuern senken, unsere Wirtschaft wachsen lassen und das Potenzial aller Menschen in unserem Vereinigten Königreich freisetzen“ werde.

Truss und Sunak sind bereits heftig über die Steuer- und Ausgabenpolitik aneinandergeraten, obwohl sie in Johnsons Kabinett Seite an Seite gearbeitet haben. Truss hatte in der Vergangenheit mehrmals behauptet, dass Sunaks „Politik der Verzögerung von Steuersenkungen“ Großbritannien in eine Rezession stürzen könnte, während er im Gegenzug ihre Versprechen von nicht finanzierten Kürzungen als „sozialistisch“ bezeichnet hatte.

Zu Beginn des Wahlkampfs galt Sunak noch als Favorit. Er lag bei der Abstimmung der Abgeordneten in jedem Wahlgang vorn. Aber Liz Truss hat einen beachtlichen Endspurt hingelegt, und die Tatsache, dass sie Mordaunt in letzter Minute überholt hat, gilt als Zeichen dafür, dass ihr Schwung sie bis in die Downing Street bringen könnte. Bis zur Entscheidung im September dürfte jedenfalls noch eine Menge schmutzige Wäsche in London gewaschen werden. (Stefan Krieger)

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