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John Bolton, Sicherheitsberater des US-Präsidenten.

John Bolton

John Bolton - der Kriegsflüsterer

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John Bolton gilt als treibende Kraft hinter der Zuspitzung des Iran-Konflikts. Ein Porträt.

Als erstes sieht man den Schnurrbart – ein mächtiges weißes Büschel, das die Oberlippe überdeckt. „Der Schnauzer“ nennt US-Präsident Donald Trump seinen Sicherheitsberater, und ein Redakteur des „New Yorker“ fühlte sich bei einer Begegnung an ein Walross oder „den deutschen Schriftsteller Günther Grass“ erinnert. Doch der Eindruck täuscht. John Bolton ist kein schläfriger Meeresbewohner, und einen Nobelpreis wird er auch kaum bekommen. Der 70-Jährige führt die außenpolitischen Hardliner im Weißen Haus an. Seit Wochen befeuert er hinter den Kulissen die politische Eskalation des Konflikts mit dem Iran.

Seinen Ruf als „Trumps Kriegs-Flüsterer“ (CNN) hat sich Bolton hart erarbeitet. Seit er die liberale Elitehochschule Yale verließ, auf der er sich als Sohn eines Feuerwehrmanns nicht richtig akzeptiert fühlte, vertritt er stramm rechte Positionen. Als Staatssekretär in der Bush-Regierung bedrohte er den obersten UN-Waffeninspekteur, der mit dem Irak über Inspektionen verhandelte, und unterstützte den Angriff aufgrund von Geheimdienstinformationen über Massenvernichtungswaffen, die sich später als falsch herausstellten. Trotzdem sagte er noch 2015: „Ich halte die Entscheidung, Saddam zu stürzen, für richtig.“

Im gleichen Jahr forderte Bolton in der „New York Times“, den Iran zu bombardieren, um ihn an der Entwicklung einer Atombombe zu hindern. Diplomatische Verhandlungen mit Teheran haben ihn nie interessiert. Das Iran-Abkommen nannte er „abscheulich“. Wie eine Trophäe hat er in seinem Büro das Dekret aufgehängt, mit dem Trump die Vereinbarung aufkündigte.

Beim Regierungsantritt war Trump einerseits fasziniert von den markigen Auftritten Boltons als Kommentator seines rechten Haussenders Fox. Andererseits hat der Präsident im Wahlkampf versprochen, die USA aus internationalen Konflikten herauszuhalten. So entschied er sich als Außenminister zunächst gegen den Mann, dessen Oberlippenbart ihm zudem nicht gefiel, und für den Ex-Öl-Manager Rex Tillerson. Boltons Chance kam, als vor einem Jahr der moderate Sicherheitsberater H. R. McMaster zurücktrat: Er übernahm dessen Job.

„Er hat feste Überzeugungen. Das ist okay“, sagte Trump: „Ich mäßige John, was erstaunlich ist.“ Tatsächlich scheint seit Wochen ein Richtungsstreit zwischen den außenpolitischen Falken und den Anhängern einer isolationistischen Politik im Weißen Haus zu toben. Der Präsident selber ist erratisch, impulsiv und weitgehend ahnungslos, was den Ausgang schwer vorhersehbar macht. Bolton hingegen weiß, was er will: einen Regime-Wechsel im Iran mit militärischen Mitteln erzwingen.

Schon 2017 hielt der Scharfmacher in Paris vor Exil-Iranern der obskuren neostalinistischen Volksmudschahedin-Sekte, die in den USA lange als Terrororganisation eingestuft wurde, eine kriegslüsterne Rede. Er versprach, die Khomeini-Revolution von 1979 werde keine 40 Jahre überdauern: „Vor 2019 werden wir in Teheran feiern!“, rief er in den Saal. Es sieht so aus, als wolle Bolton sein Versprechen einlösen.

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