1. Startseite
  2. Politik

Jörg Meuthen will als Professor wieder an die Uni - und erwägt Partei-Gründung

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Katja Thorwarth

Kommentare

Ex-AfD-Politiker Jörg Meuthen könnte wieder Hochschulprofessor werden.
Ex-AfD-Politiker Jörg Meuthen könnte wieder Hochschulprofessor werden. © Julian Stratenschulte/dpa

Die berufliche Zukunft des Ex-AfD-Chefs Jörg Meuthen liegt womöglich im badischen Kehl.  

Karlsruhe – Am 28. Januar verabschiedete sich Jörg Meuthen endgültig aus der AfD. Er begründete seinen Weggang damit, dass sich die Partei zu weit nach rechts entwickelt habe: „Das Herz der Partei schlägt heute sehr weit rechts und es schlägt eigentlich permanent hoch.“ Vermutlich dürfte der wahre Grund gewesen sein, den Machtkampf mit dem formal aufgelösten Höcke-Flügel verloren zu haben.

Nun sucht der parteilose Meuthen offenbar nach einer neuen Beschäftigung. Da sein AfD-Austritt auch ein Ausscheiden aus dem EU-Parlament mit sich bringt, könnte es ihn zu alter Wirkungsstätte ziehen. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte von 1997 bis 2016 an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl gelehrt, bis er beurlaubt wurde. „Ich bin beurlaubter Hochschullehrer, insofern würde ich dann meine Tätigkeit an der Verwaltungshochschule Kehl wieder aufnehmen“, erklärte Jörg Meuthen den Badischen Neuesten Nachrichten. Seit Ende 2017 sitzt Meuthen für die AfD im Brüsseler EU-Parlament, das im Frühjahr 2024 neu gewählt wird..

Ex-AfD-Politiker Jörg Meuthen: Rückkehr an die Hochschule Kehl möglich

Auf Anfrage stellte ein Sprecher von Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bereits klar, dass nach dem Europaabgeordnetengesetz die Hochschule Kehl verpflichtet sei, Meuthen wieder auf seiner früheren Professur einzusetzen. Ginge es jedoch nach dem Grünen-Landtagsabgeordneten Alexander Salomon, habe Jörg Meuthen mit der AfD einer Partei vorgestanden, in der rassistische und rechtsextreme Positionen fest dazugehörten.

Jörg MeuthenParteilos, ehemals AfD
Geburtsort und -datum29.06.1961, Essen
Position von 07/2015 bis 01/2022AfD-Bundessprecher
Position seit Ende 2017Mitglied im Europäischen Parlament

„Beamte haben eine Treuepflicht, sich zu unserer freiheitlichen und demokratischen Grundordnung zu bekennen. Diesen Grundsatz kann ich nicht mit der Aufgabe und den Aussagen von Herrn Meuthen vereinbaren“, sagte er den Badischen Neuesten Nachrichten. Entsprechend sei fraglich, ob Meuthen für die Tätigkeit als Professor und somit als Vertreter des Landes geeignet sei.

Ex-AfD-Politiker Jörg Meuthen will sich nicht aus der Politik zurückziehen

Unabhängig von seiner möglichen Zukunft als Lehrender hat Jörg Meuthen bereits mehrfach betont, weiterhin politisch aktiv sein zu wollen. „Ich bleibe selbstverständlich in der Politik“, hatte er erst kürzlich auf Twitter betont. Hierzu erwägt der Ex-AfD-Mann die Gründung einer neuen Partei. Er führe „viele Gespräche mit interessanten Menschen, die die Lücke zwischen einer nach links weggerutschten CDU und einer nach rechts weggerutschten AfD füllen können“, diktierte Meuthen dem Magazin Cicero in die Zeilen.

Eine definitive Entscheidung habe er aber noch nicht getroffen. Sollte es zu einer Parteigründung kommen, stellt er sich in die Reihe ehemaliger Ex-AfD-Politiker:innen, die alle einen parteipolitischen Neuanfang versucht haben. Bernd Lucke etwa gründete die „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (ALFA) mit, die sich später in „Liberal-Konservative Reformer“ umbenannte. 2019 scheiterte er hier als deren Spitzenkandidat für das Europäische Parlament.

Ex-AfD-Politiker:innen Petry, Lucke, Poggenburg: Wenig erolgreiche Neu-Parteigründungen

Frauke Petry formte nach ihrem AfD-Abgang 2017 „Die Blauen“, die 2019 wieder aufgelöst wurde. Und André Poggenurg, 2019 aus der AfD ausgetreten, versuchte sich mit dem „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“ (ADPM), um diesen Verein nur kurze Zeit später wieder zu verlassen. Er hatte als AfD-Mitglied in dieser Reihe als Einziger keinen Vorstandsposten bekleidet. (ktho/dpa)

Auch interessant

Kommentare