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USA in der Offensive

Joe Biden gegen Wladimir Putin – „Er wird dafür bezahlen“

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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US-Präsident Joe Biden nennt Wladimir Putin einen „Killer“ und verwirrt ganz Russland damit. Die einen geben sich entrüstet - die anderen sehr cool. Für die USA ist das erst der Anfang.

  • Russland nennt Joe Bidens Angriff auf Wladimir Putin ein internationales Risiko, aber auch „beispiellos“ in der diplomatischen Geschichte.
  • US-Präsident Joe Biden plant weitere Aktionen gegen Russland – Moskaus Reaktion ist noch unklar.
  • Biden-News: Alle Informationen rund um den 46. Präsidenten der USA finden Sie auf unsere Themenseite.

Washington/Moskau – Wladimir Putin machte nicht viele Worte. „,Bleiben Sie gesund!‘, würde ich ihm antworten“, sagte er Radio Sputnik. Er meine das ganz ohne Ironie und Witz: „Wer so etwas sagt, ist es selber“; der Kinderspruch gelte auch in der internationalen Politik. Damit antwortete der russische Präsident am Donnerstag auf noch knappere Worte des US-Kollegen Joe Biden vom Vortag die Frage eines TV-Journalisten: Halte er Wladimir Putin für einen Mörder? „Das tue ich.“

In Russland schlug Bidens Vorwurf entsprechend ein. An der Moskauer Börse sackte der zuvor aufstrebende Rubel am Mittwoch gegenüber dem Dollar um über ein Prozent ab. Russland beorderte seinen Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, „zu Beratungen“ nach Hause. Und Kremlsprecher Dmitri Peskow nannte Bidens Worte „beispiellos“ in der diplomatischen Geschichte beider Länder.

USA in der Offensive: Russland nennt Joe Bidens Aussagen „ein Risiko für alle“

Tatsächlich erinnert jetzt so mancher in Russland daran, dass selbst während des Kalten Krieges die Staatsmänner von USA und UdSSR einander nie persönlich so titulierten. „Den Führer eines anderen Landes mit vielseitigem Potenzial ,Mörder‘ zu nennen, das verlangte früher die Bereitschaft zum Abbruch der Beziehungen, wenn nicht zu noch gefährlicheren Konsequenzen“, schreibt der Politikwissenschaftler Fjodor Lukjanow in der Zeitung „Kommersant“. „Heute ist das offenbar nicht mehr so.“

Moskau rätselt über Bidens Motive – und stellt seinen Geisteszustand in Frage. „Ein Mensch, der nicht begreift, was er von sich gibt und dabei das Amt des amerikanischen Präsidenten bekleidet“, sagt der Politologe Alexei Muchin, „ist ein Risiko, nicht nur für Russland, sondern für alle.“ Wohlgemerkt: Bidens Vorgänger Trump versuchte, den Konkurrenten auch so schlechtzureden – und war das Paradebeispiel für Muchins „Risiko“.

US-Präsident Joe Biden fasst nach Jahrzehnten als erster Russland politisch hart an.

Joe Biden will USA zur moralischen Führungsmacht machen – Russland als Zielscheibe

Manche russische Fachleute vermuten allerdings, dass Biden ihren Staatschef sehr bewusst einen Killer genannt hat. Und die „Nesawissimaja Gaseta“ zitiert eine weitere, für Putin wenig schmeichelhafte Passage des Interviews: In der erzählt Biden von einem Videotelefonat mit Putin, bei dem er ihm gesagt habe: „Ich habe in Ihre Augen gesehen und denke nicht, dass Sie eine Seele haben.“ Putin habe ihn angeschaut und geantwortet: „Wir verstehen einander.“

„Das ist ein absolut rationaler Schritt, der eine neue Realität zum Ausdruck bringt“, bloggt der Politologe Alexei Tschesnakow. Seine Kollegin Lilija Schewzowa glaubt, Biden attackiere Putin, um die USA wieder zur moralischen Führungsmacht aufzubauen: Biden sehe die internationale Politik als Konfliktfeld zwischen Demokratie und Autoritarismus. Und als Zielscheibe eigne sich Putins aggressiv lärmende, wirtschaftlich aber schmalbrüstige Staatsmacht viel besser als etwa China. „Wenn Biden den Westen wirklich im Kampf gegen Korruption und Kleptokratie konsolidieren will, müsste die russische Elite sich Sorgen machen.“

Joe Biden verhängt Sanktionen gegen Russland – und noch mehr sollen folgen

Jetzt wird in Moskau diskutiert, ob der russische Botschafter überhaupt in die USA zurückkehren soll. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa ließ offen, wie lange Antonows Konsultationen dauern, klagte später über die „unverständliche politische Geplapper“ in den USA. Das russische Außenministerium hatte zuerst noch verlautbart, es wolle „eine unumkehrbare Degeneration der Beziehungen zu Washington“ vermeiden. Nicht wenige Stimmen aber fordern härtere Antworten auf Biden. „Russland lässt so etwas nicht ungestraft zu“, sagt Muchin.

Noch ist unklar, was Moskau demnächst überhaupt konkret gegen die Vereinigten Staaten unternehmen könnte. Umgekehrt nicht. Das US-amerikanische Handelsministerium hat am Donenrstag neue Exportbeschränkungen für Russland in Kraft gesetzt. Dabei geht es um Technologien, die im Rüstungsbereich anwendbar sind. Und Biden kündigte weitere Sanktionen an, wegen Moskaus Einmischung in die jüngsten US-Präsidentschaftswahlen: Putin persönlich werde dafür bezahlen. (Stefan Scholl)

Nachdem US-Präsident Joe Biden den russischen Kreml-Chef Wladimir Putin als „Mörder“ bezeichnet, schlägt Putin eine Live-Debatte mit Biden vor.

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/dpa

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