1. Startseite
  2. Politik

Warschauer Telegramm erreicht Washington: Polen gratuliert Joe Biden nach wochenlanger Blockade

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tobias Utz

Kommentare

Polen weigerte sich lange Zeit Joe Biden zum Wahlsieg zu gratulieren. Nachdem die US-Wahlleute Biden bestätigt hatten, reagierte Polens Präsident Duda jedoch per Telegramm.

Update vom 15.12.2020: Nachdem der russische Präsident Wladimir Putin Joe Biden zum Wahlsieg gratuliert hat, tut es Polens Staatsoberhaupt Andrzej Duda auch. Per Glückwunschtelegramm wünscht Duda Biden eine „ertragreiche Amtszeit“.

Polens Präsident Andrzej Duda
Polens Präsident Andrzej Duda hat Joe Biden zum Wahlsieg gratuliert. (Archivfoto) © Jacek Dominski/Reporter/Imago Images

Der polnische Präsident betonte zudem, dass das polnisch-amerikanische Verhältnis zu einer zunehmend wichtigen Säule für die transatlantische und europäische Sicherheit geworden sei. Im November hatte Duda Joe Biden lediglich zu einem „erfolgreichen Wahlkampf“ gratuliert - allerdings nicht zum Wahlsieg. Nachdem die US-Wahlleute den 78-Jährigen als US-Präsident bestätigt hatten, änderte sich das am Dienstag (15.12.2020).

Die Zukunft der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Polen wird mit Spannung beobachtet. Präsident Duda sah in Donald Trump bislang einen konservativen Verbündeten. Trump hatte zum Beispiel angekündigt, die US-Streitkräfte in Polen aufstocken zu lassen. Bislang ist unklar, wie Joe Biden darüber denkt. Um Donald Trump wird es derweil „einsam“ im Weißen Haus.

Erstmeldung vom 24.11.2020: Donald Trump hat den Weg freigemacht für eine geregelte Machtübergabe an Joe Biden, als gewählten US-Präsidenten. Nach wochenlanger Haltung, die Wahlniederlage nicht akzeptieren zu wollen, signalisierte Trump am Montag (23.11.2020), dass er Biden nun nicht mehr im Weg stehe. Unabhängig davon bestreitet Trump dennoch, die Wahl verloren zu haben. Offenbar plant er sogar bereits sein Comeback bei der US-Wahl 2024.

Donald Trump: Polen will Joe Biden nicht zu Wahlsieg gratulieren

Mittlerweile haben sehr viele Staaten Joe Biden zum Wahlsieg gratuliert - Polen hingegen nicht. In Warschau weigert sich die Regierung bislang strikt, den Demokraten als künftigen US-Präsidenten anzuerkennen. Zbigniew Rau, Außenminister Polens, sagte kürzlich, dass man die politische und rechtliche Situation in den USA abwarten und weiter beobachten wolle. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“. Regierungschef Andrzej Duda hatte Biden zwar zu einem „erfolgreichen Wahlkampf“ gratuliert, jedoch nicht zum Wahlsieg.

Andrzej Duda und Donald Trump am Weißen Haus
Polens Regierungschef Andrzej Duda und US-Präsident Donald Trump. (Archivfoto) © Drew Angerer/AFP

Dabei verwies Rau darauf, dass die Zusammenkunft der US-Wahlleute erst am 14. Dezember 2020 sei. An diesem Datum kommen sie für die formale Kür des US-Präsidenten zusammen. Zudem seien juristische Auseinandersetzung noch bis zum 20. Januar 2021 möglich, da zu diesem Zeitpunkt erst die Amtseinführung vollzogen sei. Worte, die vom polnischen Außenminister stammen - nicht von Donald Trump, wie man vermuten könnte.

Polen: Wahlsieg von Joe Biden in den USA wird zur Belastungsprobe

Dass die polnische Regierung sich bislang zu gratulieren sträubt, verwundert kaum - insbesondere im Hinblick auf diplomatische Beziehungen. Unter Trumps Administration wurden diese stets gepflegt. Die nationalkonservative Regierung Polens sah in ihm einen internationalen Partner. Trump versprach Duda unter anderem, dass die Truppen der US-Armee in Polen aufgestockt würden.

In vielen Wahlkampfreden erwähnte Joe Biden, dass Donald Trump weltweit Autokraten unterstütze - wie Duda in Polen. Die Europäische Union hatte in Trump ebenso wenig einen Partner, um Defizite in der Demokratie oder bei den Menschenrechten in Polen anzuprangern. Beispielsweise half die polnische Regierung der katholischen Kirche, von einem Missbrauchsskandal abzulenken. (Tobias Utz)

Auch interessant

Kommentare