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US-Außenpolitik

Joe Biden lässt Trump-Verbündete in Saudi-Arabien warten

  • vonMirko Schmid
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Joe Biden verfolgt eine andere diplomatische Strategie als Vorgänger Donald Trump. Dessen Freunde in Saudi-Arabien lässt der unbeachtet. 

  • Joe Biden schlägt in der Außenpolitik einen anderen Weg ein als Donald Trump.
  • Von Donald Trump bevorzugte Gesprächspartner im Ausland lässt Joe Biden mit seinem ersten Anruf warten.
  • News zu Joe Biden: Informationen und Hintergründe zum 46. US-Präsidenten finden Sie auf unserer Themenseite.

Washington D.C. – Der Nahe Osten stand während der Präsidentschaft von Donald Trump im Fokus der US-amerikanischen Diplomatie. Gerade das saudische Königshaus um den de facto regierenden Kronprinz Mohammed bin Salman galt dabei als bevorzugter Ansprechpartner. Joe Biden hat den direkten Draht zum saudischen Königshaus nun ein wenig ausglühen lassen und die Herrscher des Wüstenstaates mit seinem ersten Anruf deutlich länger warten lassen als die Regierenden anderer Staaten.

Dass Donald Trump während seiner Präsidentschaft einen besonders guten Draht nach Saudi-Arabien hatte, drückt sich schon im Umstand aus, dass er vor Ort in seinen vier Jahren als starker Mann im Weißen Haus mindestens acht Firmen der Hotelbranche registrieren ließ. Und auch politisch drehten sich einige seiner Aktivitäten rund um den Wüstenstaat. So schickte Trump seinen Schwiegersohn Jared Kushner noch im Dezember 2020 nach Neom zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. In den Gesprächen versuchten sie, eine Lösung für den seit längerem schwelenden Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Katar zu finden.

Joe Biden wählt in seiner Außenpolitik bewusst eine von Donald Trump abweichende Telefon-Diplomatie.

Donald Trump verfolgte Geschäftsinteressen in Saudi-Arabien, Joe Biden sucht Distanz

Saudi-Arabien seinerseits unterstützte den von Donald Trump in die Wege geleiteten Plan für eine Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina, die sich eng an den Interessen Israels orientierte und seitens der palästinensischen Autonomiebehörde Empörung hervorrief, da Palästina im Falle einer Umsetzung zu erheblichen Zugeständnissen verpflichtet worden wäre. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nannte den Plan damals einen „Alptraum für die Region und die Welt“ und Palästina kündigte den Abbruch aller diplomatischen Beziehungen zu Israel und den USA an.

Joe Biden sendet nun Signale, wonach er sich im Gegensatz zu Donald Trump weniger als Vertreter der Interessen Israels um dessen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Saudi-Arabiens positionieren und in eine neutralere Vermittlungsposition zurückkehren möchte. Das erste Zeichen setzte der neue US-Präsident im Rahmen seiner ersten diplomatischen Anrufe nach Amtsantritt, welche gemeinhin als Hinweis auf die politische Agenda eines Staatschefs gedeutet werden. Und während Joe Biden sich bei unter Donald Trump weniger stark diplomatisch umworbenen Staaten wie Kanada und europäischen Verbündeten schon früh nach seinem Amtsantritt telefonisch meldete, ließ er beispielsweise Russland und China länger warten.

Joe Biden möchte neutraler im Nahen Osten vermitteln als Donald Trump

So auch Saudi-Arabien, das bis in den Februar 2021 auf den ersten offiziellen Anruf aus dem Oval Office warten musste. Darüber hinaus setzt Joe Biden nicht nur mit dem Zeitpunkt des geplanten Anrufs ein Zeichen, sondern auch mit seinem Gesprächspartner. Der von Donald Trump und Jared Kushner, dem Ehemann seiner ältesten Tochter Ivanka Trump, umworbene Kronprinz Mohammed bin Salman nämlich geht gemäß einer Mitteilung des Weißen Hauses leer aus, dafür möchte Joe Biden zunächst mit dessen Vater, König Salman ibn Abd al-Aziz sprechen.

Kronprinz Mohammed bin Salman von Saudi-Arabien hört während seines Treffens mit US-Präsident Trump während eines Arbeitsfrühstücks am Rande des G-20-Gipfels zu.

Statt mit Kronprinz Mohammed bin Salman möchte Joe Biden mit dem saudischen König sprechen

Bidens Sprecherin Jen Psaki ließ unlängst das Ansinnen verlauten, neue Wege in der Diplomatie mit Saudi-Arabien beschreiten zu wollen: „Wir haben von Anfang an klargestellt, dass wir unsere Beziehung zu Saudi-Arabien neu kalibrieren werden.“ Joe Biden achte dabei darauf, diplomatisch „auf Augenhöhe“ zu agieren und sein „Gegenstück“ im Wüstenstaat sei nun einmal der König, nicht der Kronprinz. In US-amerikanischen Medienkreisen wird diese Aussage jedoch als für den saudischen Kronzprinz gesichtswahrende Absage an eine Zusammenarbeit mit ihm selbst kommentiert, Jo Biden, so heißt es, sei es vor allem daran gelegen, sich vom eng mit Donald Trump verbundenen Mohammed bin Salman zu distanzieren.

Bevor er jedoch in Saudi-Arabien anruft, möchte Joe Biden mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprechen, den er ebenfalls rund einen Monat nach seinem Einzug ins Weiße Haus noch nicht kontaktiert hat. „Lassen Sie mich für Sie bestätigen, dass sein erster Anruf bei einem Führer in der Region Premierminister Netanjahu sein wird“, bestätigte Sprecherin Psaki gegenüber Medienvertreter:innen, „Ich habe kein genaues Datum für Sie, aber es wird bald soweit sein.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Mikhail Klimentyev/Imago Images

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