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Klimaschutz

Joe Biden verkündet ehrgeizigere Klimaziele - Greta Thunberg spricht von „Schande“

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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  • Joachim Wille
    Joachim Wille
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Mit einem Klima-Gipfel zeigt Präsident Joe Biden, dass er sich dem Pariser Abkommen verpflichtet fühlt. Greta Thunberg ist trotzdem nicht beeindruckt.

  • Bei dem von den USA organisierten virtuellen Klima-Gipfel geht es am Freitag (ab 14.00 Uhr MESZ) unter anderem um Innovationen im Kampf gegen die Erderwärmung. 
  • Am ersten Gipfeltag hatte US-Präsident Joe Biden neue Klimaziele für sein Land verkündet.
  • Die größte Volkswirtschaft der Welt will ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 im Vergleich zu 2005 halbieren.

Update vom Freitag, 23.04.2021, 06.45 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat seinem Land deutlich ehrgeizigere Klimaziele verschrieben und die Weltgemeinschaft auf einem virtuellen Klimagipfel zum Mitziehen aufgefordert. Biden kündigte an, dass die USA ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2005 halbieren wollen. Auch andere Staaten müssten ihren CO2-Ausstoß senken, mahnte der Präsident: „Wir müssen handeln - wir alle.“

Die Teilnehmer des zweitägigen Treffens begrüßten Bidens Ankündigungen. „Ich bin sehr froh, dass die Vereinigten Staaten von Amerika wieder zurück in der Klimapolitik sind“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Der nationale Beitrag der USA drückt auch die Ambition aus, das ist ein sehr wichtiges Zeichen für die ganze Weltgemeinschaft.“

Weitere Staaten kündigten ebenfalls eine Erhöhung ihrer Klimaziele an: Kanada will seinen Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 im Vergleich zu 2005 um 40 bis 45 Prozent senken, wie Premierminister Justin Trudeau sagte, Japan bis 2030 im Vergleich zu 2013 um 46 Prozent.

Hart ins Gericht ging die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg mit Verantwortungsträgern weltweit. Politikern rund um den Globus warf die 18-Jährige in einer Videoschalte mit Vertretern des US-Kongresses vor, die Klimakrise zu „ignorieren“. „Es ist das Jahr 2021. Die Tatsache, dass wir diese Diskussion noch haben und noch schlimmer, dass wir immer noch fossile Rohstoffe direkt oder indirekt mit Steuergeldern subventionieren, ist eine Schande“, sagte Thunberg.

2019 fragte Greta Thunberg: „How dare you?“, gestern sprach sie vor dem Congress der USA von einer „Schande“.

Joe Biden mit Ansage auf Klimagipfel: „Wissenschaft ist nicht zu leugnen“

+++ 14.51 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat zum Auftakt seines Online-Klimagipfels mit Dutzenden Staats- und Regierungschefs entschiedenes und schnelles Handeln zur Eindämmung der Erderwärmung angemahnt. „Die Zeichen sind unübersehbar. Die Wissenschaft ist nicht zu leugnen. Die Kosten des Nichtstuns werden immer höher“, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. „Wir müssen uns bewegen. Wir müssen schnell handeln, um diese Herausforderungen zu meistern.“

„Kein Land kann diese Krise allein lösen“, sagte Biden und mahnte zu ehrgeizigeren Zielen bei der Drosselung klimaschädlicher Treibhausgas-Emissionen. „Jeder von uns und besonders diejenigen von uns, die die größten Volkswirtschaften der Welt repräsentieren: Wir müssen uns anstrengen.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt am virtuellen Klima-Gipfel mit US-Präsident Joe Biden teil.

USA wieder auf Kurs - John Kerry attackiert Trump-Regierung

Update vom Donnerstag, 22.04.2021, 10.15 Uhr: Joe Bidens Klima-Sonderbeauftragter John Kerry hielt kurz vor dem Klimagipfel mit seiner Meinung zur Regierung von Donald Trump nicht hinterm Berg. In einem Gespräch mit Washington Post Live sagte Kerry, dass die Bemühungen der USA zur Bekämpfung der globalen Erwärmung durch Trump weit zurückgeworfen worden seien.

Im Kern ging es um die Warnung der UN-Wissenschaftler:innen, die im Jahr 2019 davon gesprochen hatten, dass die Welt nur noch zwölf Jahre Zeit hätte, um die Emissionen auf ein relativ sicheres Niveau zu senken. „Zwei dieser Jahre sind von einer Regierung verschwendet worden, die das amerikanische Volk belogen und sich nie für Wissenschaft interessiert hat“, so Kerry. Trotzdem zeigte sich Kerry optimistisch: „Es ist machbar.“

John Kerry übt scharfe Kritik an Donald Trump.

Klimaschutz: Die USA sind wieder auf Kurs

Der Klimawandel-Leugner Donald Trump ist Geschichte. Sein Nachfolger als US-Präsident, Joe Biden, ändert den Kurs. Während Trump sich und sein Land aus dem Pariser Weltklimavertrag verabschiedete, revidierte Biden dies gleich nach seinem Amtsantritt im Januar. „Von unserem Planeten kommt ein Hilferuf fürs Überleben. Dieser Schrei könnte nicht verzweifelter und deutlicher sein“, sagte er damals vor dem Kapitol in Washington.

Drei Monate später, symbolträchtig am „Earth-Day“, folgt die Nagelprobe: Biden veranstaltet vom heutigen Donnerstag an einen (virtuellen) internationalen Klimagipfel mit 40 Regierenden, der dem gut fünf Jahre alten Paris-Vertrag neues Leben einhauchen soll.

Dampf über dem Kohlekraftwerk in West Jefferson (Alabama): Die Ära der Kohle als Energieträger geht zu Ende.

Das ist bitter nötig. Die Verpflichtungen zum CO2-Sparen, die die Staaten der Welt im Paris-Abkommen abgegeben haben, reichen bei weitem nicht aus, um das darin festgesetzte Erwärmungslimit von zwei, besser aber nur 1,5 Grad Celsius einzuhalten.

Joe Biden übt im Vorfeld des Klimagipfels in Glasgow Druck auf Regierungen aus

Derzeit, da bereits 1,25 Grad erreicht sind, steuert die Welt ohne Verschärfungen der Klimaziele auf drei bis vier Grad zu. Bidens Klima-Sonderbeauftragter John Kerry, der zur Vorbereitung des Gipfels unter anderem nach China flog, mahnte: „Das ist mehr als katastrophal.“ Bidens Konferenz markiert damit den Start in das eventuell entscheidende Jahr für den Klimaschutz. Bis 2030 muss der globale CO2-Ausstoß um die Hälfte sinken, wenn die Chance auf 1,5 Grad gewahrt bleiben soll.

Bidens Treffen soll Druck machen, damit vor allem die Regierungen der großen Staaten ihre Ziele nachschärfen – im Blick auf den UN-Klimagipfel im Herbst in Glasgow, auf dem der globale Kurs fürs aktuelle Jahrzehnt festgeklopft werden soll. Als Vorreiter kann hier die Europäische Union glänzen, die ein abgestimmtes CO2-Ziel für 2030 präsentiert. In der Nacht zum Mittwoch einigten sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments endgültig darauf, das bisherige Reduktionsmarke vom minus 40 Prozent auf „mindestens 55 Prozent“ anzuheben, jeweils bezogen auf das Basisjahr 1990.

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Es waren harte Verhandlungen gewesen. Die Unterhändler des Parlaments akzeptierten nach über 15 Stunden letztlich die Marke, die die Staats- und Regierungschef:innen im Dezember 2020 vorgegeben hatten – obwohl sie eigentlich 60 Prozent und zudem eine schärfere Berechnungsmethode wollten. Hauptknackpunkt war neben dem Prozentsatz vor allem die Frage gewesen, ob die natürliche Speicherung von Kohlendioxid in Wälder, Pflanzen und Böden als Klimaschutzbeitrag angerechnet werden. Das Einbeziehen dieser so genannten Senken schwächt das Einsparziel. Die tatsächliche Minderung liege statt bei 55 nur bei 52,8 Prozent, kritisierten etwa die Grünen.

Klima: EU-Kommissar Timmermans gibt sich euphorisch

Die Unterhändler des Parlaments erreichten hier nur Zugeständnisse in Details. So soll die Anrechnung der Senken auf 225 Millionen Tonnen CO2 begrenzt werden und eine verstärkte EU-weite Aufforstung die Speicherfähigkeit der Wälder auf 300 Millionen Tonnen erhöhen. Damit könnte, wenn es gelingt, die CO2-Fracht netto sogar um mehr als 55 Prozent gemindert werden.

Durchsetzen konnte das Parlament, dass Treibhausgas-Budgets für die nächsten Jahrzehnte ermittelt werden, aus denen sich dann auch ein weiteres Etappenziel für 2040 ableiten lässt – bis 2050 dann die „Netto-Null“ bei den Emissionen erreicht wird.

Der für Klimaschutz zuständige EU-Kommissionsvize Frans Timmermans zeigte sich euphorisch. „Das ist ein herausragender Moment für die EU und ein starkes Signal an die Welt“, twitterte er, offenbar auch mit Blick auf die Biden-Konferenz. „Unsere Verpflichtung auf eine klimaneutrale EU wird unsere Politik in den nächsten 30 Jahren leiten.“ Es sei „ein guter Tag für die Menschen und den Planeten“.

Dampf über dem Kohlekraftwerk in West Jefferson (Alabama): Die Ära der Kohle als Energieträger geht zu Ende.

Klimaschutz: Die Welt blickt auf die USA unter Joe Biden

Die Grünen und die Umweltverbände sehen das anders. „Mit diesem Klimaziel und Klimagesetz verliert die Europäische Union ihre Vorreiterrolle im Klimaschutz“, monierte der EU-Abgeordnete Michael Bloss (Grüne). Das Paris-Abkommen werde damit kaum einzuhalten sein. Wirtschaftsverbände betonten hingegen, das neue Ziel sei eine große Herausforderung. Der Industrieverband BDI zum Beispiel bezeichnete die 55 Prozent als „extrem ehrgeizig“. Tatsächlich muss die EU ihre Maßnahmen noch schärfen, um in die Spur zu kommen. Zu Erinnerung: In den 30 Jahren von 1990 bis 2020 sind die Klimagase in der EU um 25 Prozent verringert worden, nun müssen sie binnen zehn Jahren um weitere 30 Prozentpunkte sinken.

VeranstaltungUN-Klimakonferenz 2021
Termin1. Nov. 2021 – 12. Nov. 2021
OrtGlasgow, Schottland
TagungsortScottish Exhibition and Conference Centre

Nun blickt alle Welt auf die USA, die Nummer zwei bei den globalen Emissionen. Da Washington wieder im Paris-Abkommen ist, muss es ein CO2-Ziel für 2030 liefern. Forschende, Umweltorganisationen, aber auch 300 Unternehmen von Apple über Google und Microsoft bis Coca Cola haben jüngst gefordert, die Emissionen müssten um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Jahr 2005 reduziert werden. Sollte Biden dem nachkommen, würde er das Klimaziel seines Vor-Vorgänger Barak Obama quasi verdoppeln, der bis 2025 minus 26 bis 28 Prozent annonciert hatte. Die Signalwirkung wäre immens. UN-Generalsekretär António Guterres, der ebenfalls eine CO2-Halbierung in den USA fordert, sagte: „Passiert das, habe ich keine Zweifel: Das hat wichtige Folgen für Japan, China, Russland und für andere, die dieses Niveau noch nicht ganz definiert haben.“

Klima: Joe Biden poliert Image der USA gewaltig auf

Und China? Dass der Oberheizer des Planeten ebenfalls mit solch klaren Ansagen nachlegt, ist unwahrscheinlich. Peking hat sich im vorigen Jahr erstmals zu Klimaneutralität bekannt, und zwar bis 2060. Denkbar ist aber, dass China nun klar zusagt, den CO2-Ausstoß nicht noch bis 2030 steigen zu lassen, sondern den „Peak“ früher anzupeilen.

Doch Bidens Bühne dürfte nicht nur für die drei Haupt-Emittenten China, USA und EU, die zusammen über 50 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes verantworten, wichtig sein. Beobachter erwarten, dass überraschenderweise auch viele der kleineren mit neuen CO2-Zeilen überkommen. Großbritannien hat soeben ein sehr ambitioniertes Emissionsziel von minus 68 Prozent für 2035 gegenüber 1990 präsentiert. Und als wahrscheinlich gilt, dass Japan und Kanada neue Reduktionsziele für 2030 vorstellen.

Kommt es so, Biden hätte mit seiner Initiative die vier verlorenen Trump-Jahre zwar nicht wettgemacht. Aber doch das Image der USA gewaltig aufpoliert. (Joachim Wille, Friederike Meier, mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © AFP

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