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Joe Biden unterlaufen gerne mal ein paar Schnitzer.

US-Wahl 2020

Trumps Herausforderer gesucht: Joe Biden, Pannenkönig der Demokraten

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Joe Biden will 2020 US-Präsident werden. Doch nach zahlreichen Schnitzern und seltsamen Auftritten wird die Kritik am 76-jährigen Demokraten zusehends lauter.

Die Kritiken sind vernichtend. Zu alt, zu vergreist, nicht mehr ganz taufrisch, als Präsident nicht vermittelbar. Nun könnte man im ersten Moment vielleicht denken, es sei hier von Donald Trump die Rede. Doch weit gefehlt, es geht um Joe Biden. Der 76-jährige, ehemalige Vizepräsident strebt das höchste Amt in den USA an und will bei der US-Wahl 2020 der mächtigste Mann der Welt werden. Doch ist das wirklich eine gute Idee?

Das ist vielleicht die drängendste Frage, die die US-Demokraten im derzeit laufenden Vorwahlkampf um die Präsidentschaft umtreibt. Denn immer häufiger sorgen die Auftritte des 76-Jährigen für Kopfschütteln und fast schon sprachloses Entsetzen bei all jenen, die auf einen Sieg gegen Trump hoffen.

Nun gut, Biden war schon immer für seine Aussetzer berühmt. Hart habe sich der Vize unter Barack Obama während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im öffentlichen Dienst den Ruf erarbeitet, oft zur falschen Zeit das Falsche zu sagen, schreibt das „Time“-Magazin, das deshalb eine hübsche Liste mit den besten zehn Pannen Bidens zusammengestellt hat.

Joe Biden verwechselt New Hampshire und Vermont

Doch vor allem in den vergangenen paar Wochen hat sich Biden gehäuft Patzer geleistet. Da sagt er einmal, er habe sich als Vizepräsident mit Überlebenden des Parkland-Massakers getroffen – was kaum möglich ist, da er im Februar 2018 längst kein Vize mehr war.

Dann spricht er auf einer Rede in Iowa davon, dass arme Kinder genauso intelligent und talentiert seien wie weiße Kinder, bevor er nach einer kurzen Pause klarstellte, dass er „wohlhabende Kinder“ gemeint habe – nachdem er erst wenige Stunden zuvor erklärt hatte, er setze auf Wahrheit statt auf Fakten. (Fiktion wollte er wohl sagen.)

Gewiss, in Zeiten von Donald Trump, dessen Unwahrheiten und Lügen man schon kaum noch zählen kann, scheint das alles nicht mehr ganz so wichtig zu sein, doch während bei Trump vieles kalkuliert wirkt, scheint Biden tatsächlich nicht immer ganz auf der Höhe der Zeit zu sein. Er verwechselt Margaret Thatcher und Theresa May sowie New Hampshire und Vermont, und erklärt seinem Publikum, dass er nicht „verrückt“ sei, auch wenn er sich nicht an den genauen Ort einer Rede erinnern könne, die er gerade erst gehalten hatte.

Joe Biden erzählt verquere Kriegsgeschichte

Und dann ist da auch noch jener wunderliche Wahlkampfauftritt im August, als Biden es fertigbrachte, innerhalb von nur drei Minuten zahlreiche Ungenauigkeiten in eine seiner liebsten Kriegsgeschichten einzubauen. Während einer Rede in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire behauptete Biden nämlich, er sei als Vizepräsident auf Wunsch eines Generals in die umkämpfte afghanische Provinz Kunar gereist, um einem Marinekapitän zu ehren, der sich unter Feindbeschuss erfolglos eine knapp 18 Meter tiefe Schlucht hinabzuseilen versucht habe, um den Leichnam eines Kameraden zu bergen. Wie Biden weiter erzählte, verzichtete der Soldat allerdings auf die Auszeichnung mit dem Silver-Star-Orden der US-Streitkräfte für besondere Tapferkeit vor dem Feind: „Sir, ich will das verdammte Ding nicht. Bitte stecken Sie es mir nicht an, Sir. Tun Sie das nicht. Er starb. Er starb.“ Eine dramatische Geschichte, die laut Biden von A bis Z auf Fakten beruht: „Das ist die Wahrheit Gottes, mein Wort als ein Biden.“

Nun ist diese Geschichte nicht grundsätzlich falsch, allerdings scheint sie aus mindestens drei verschiedenen Ereignissen zusammengeschustert – was wohl erklärt, dass Biden viele Details durcheinandergebracht hat. Zeit, Ort, die Art der Medaille, militärischer Zweig und Rang des Empfängers, sowie seine eigene Rolle in der Zeremonie – all das mischte Biden völlig verquer zusammen.

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Es gab tatsächlich einen Soldaten, der sich die Schlucht hinabseilte. Doch der „Army Specialist“ wurde nicht von Biden, sondern von Präsident Obama ausgezeichnet – und zwar mit der Ehrenmedaille „Medal of Honor“, der höchsten militärische Auszeichnung der US-amerikanischen Regierung. Ein zweiter Soldat, der unter Beschuss der Taliban einen verwundeten Soldaten rettete, erhielt von einem General den Bronze Star bei einer Zeremonie, bei der Biden, damals Senator aus Delaware, zugegen war. Ein dritter Soldat, der einen Kameraden aus einem brennenden Fahrzeug zu retten versuchte, wollte in der Tat nicht ausgezeichnet werden, erhielt aber zumindest von Biden eine Medaille. Die Verleihung ging allerdings in Wardak über die Bühne, nicht in Kumar, außerdem handelte es sich um einen Bronze Star, nicht um einen Silver Star.

Joe Biden liegt in den Umfragen zur US-Wahl 2020 weiter vorn

Biden tischt seinem Publikum also keine Lügen auf. Wahrscheinlich weiß er selbst nicht immer so recht, was eigentlich wahr ist und was falsch. Genau aber aus diesem Grund fragen sich immer mehr Demokraten, ob Biden der richtige Kandidat fürs Präsidentenamt ist. Anderseits haben sich Bidens Schnitzer langfristig bisher noch nie negativ auf seine ungemein stabilen Umfragewerte ausgewirkt. Ein Blick auf die Zahlen beweist, dass Biden weiterhin recht deutlich an der Spitze des Bewerberfeldes liegt. 

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Doch was heißt das schon zu diesem Zeitpunkt des Wahlkampfs? Man darf nicht vergessen, dass die Demokraten im Februar 2020 in Iowa zum ersten Mal ihre Stimmen abgeben können. Bis dahin sind sämtliche Zahlen mit äußerster Vorsicht zu genießen, worauf auch die Expertin Rachel Bitecofer immer wieder hinweist

Wer heute nach seinen Favoriten gefragt wird, nennt normalerweise die allgemein bekannten Namen zuerst. Und das sind nun mal Joe Biden und der parteilose Senator Bernie Sanders, der aufgrund des aufregenden Wahlkampfs 2016 eine äußerst hohe Popularität besitzt. Andere aussichtsreiche Kandidatinnen wie Elizabeth Warren oder Kamala Harris sind beim einfachen Wahlvolk dagegen trotz ihres Sitzes im Senat noch immer nicht so bekannt. Das ist in Deutschland nicht anders, wo kaum jemand mehr als drei Ministernamen aufzuzählen vermag.

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Kritik an Biden dürfte nicht verstummen

Trotz allem darf Biden trotz seiner Aussetzer nicht abgeschrieben werden. Sein Hauptvorteil liegt in seiner Verbindung zu Barack Obama. Den nämlich lieben die Demokraten nach wie vor wie keinen anderen, am liebsten würden sie ihn erneut kandidieren lassen. Doch das ist laut Verfassung nun mal nicht möglich. Wer also bleibt als Alternative? Obamas Vize, Joe Biden.

Ob ihm seine Patzer im Wahlkampf langfristig schaden werden, ist im Augenblick noch nicht abzusehen. Dennoch beginnt Biden allmählich zu wackeln, zumal auch immer wieder Rassismus-Vorwürfe gegen ihn erhoben werden. Je näher die erste Vor-Wahl am 3. Februar 2020 rückt, desto lauter dürften die Stimmen derer werden, die mit Biden nichts anfangen können. Verstummen wird die Kritik am 76-Jährigen in den nächsten Monaten jedenfalls nicht. 

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