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Joannis Sakkaros organisiert den Protest gegen das Diesel-Fahrverbot in Stuttgart.

Deutsche Gelbwesten

„Ständig auf Zack“

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Joannis Sakkaros führt die deutschen Gelbwesten an –ein Porträt.

Selbst fährt der 26-jährige Grieche einen 14 Jahre alten Citroen. Einen Euro-4-Diesel, wie er sagt. Normalerweise fährt er mit der S-Bahn zur Arbeit, zwei Mal die Woche mit dem Wagen. Nur: Von April an geht das nicht mehr. Dann gilt das Fahrverbot auch für rund 80.000 innerhalb von Stuttgart zugelassene Diesel. Ein neues Auto kaufen? „Sehe ich nicht ein“, sagt der Porsche-Arbeiter. „Ich demonstriere weiter.“ Sakkaros ist das Gesicht der Pro-Diesel-Proteste in Stuttgart. Die Stadt ist seit Jahren wegen dicker Luft – hoher Stickoxid- und Feinstaub-Werte – in den Schlagzeilen.

Am Donnerstagabend trat der junge Mann bei „Maybrit Illner“ auf, im schwarzen Anzug. Seine Gelbweste mit der Aufschrift „Schnauze voll“ ließ er daheim. „Am Ende sind wir die, die draufzahlen müssen“, sagt er. Die Bürger bekämen jetzt alles ab, „was die Regierung verschlafen hat“. Ein neues Auto könnten sich die meisten, die von Fahrverboten betroffen seien, gar nicht leisten.

Sakkaros träumt von einer breiten Bürgerbewegung wie einst, als es gegen „Stuttgart 21“ ging, den milliardenschweren Bahnhofsneubau. Mit Stolz trägt er seine gelbe Weste, sieht die Proteste der „Gilets jaunes“ in Frankreich als leuchtendes Vorbild. „Krass viel zu tun“ habe er im Moment. Er sei „ständig auf Zack“, erzählt er. Die große Resonanz freut ihn natürlich. Doch das Ganze droht ihm allmählich über den Kopf zu wachsen.

Für den heutigen Samstag rechnet Sakkaros mit 2000 Demonstranten bei der von ihm angemeldeten Kundgebung. Beim ersten Mal vor drei Wochen am Neckartor, wo nach wie vor eine so hohe Stickoxid-Belastung gemessen wird wie an keinem anderen Ort der Republik, waren es noch 250. „Grüne weg“ und „Lügenpack“, wurde bei der Demonstration skandiert. Zuletzt mischten sich auch AfD-Politiker und Mitglieder der rechten Alternativ-Gewerkschaft „Zentrum Automobil“ in die Menge. Er hatte Mühe, sie vom Rednerpult wegzuhalten. Sakkaros, Gründer der Bewegung „Kein-Dieselfahrverbot-für-Stuttgart“, steht inzwischen massiv unter Druck.

Jeder Bürger dürfe kommen, aber dass die AfD versucht habe, „seine“ Kundgebung zu vereinnahmen, das fand er „ein bisschen blöd, klar“, sagte er dem „Deutschlandfunk“. Auch das Antifa-Vertreter erschienen und Flyer verteilt hätten, sei gegen „seine“ Vorgaben gewesen. Den Anspruch der Überparteilichkeit zu halten, wird schwer.

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