08.10.2020, Berlin: Jens Spahn (CDU, r), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar Wieler, Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), geben eine gemeinsame Pressekonferenz zur Corona-Lage.
+
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Präsident Lothar Wieler hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einheitliche Regeln für innerdeutsche Reisen gefordert.

Jahrhundert-Pandemie

Corona in Deutschland: RKI-Chef macht sich „große Sorgen“ – Spahn appelliert an die Bürger*innen

  • Kerstin Kesselgruber
    vonKerstin Kesselgruber
    schließen

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt sprunghaft an. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appelliert deshalb an die Bevölkerung, die Corona-Regeln einzuhalten.

  • Zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Präsident Lothar Wieler gemeinsam mit der Infektiologin Susanne Herold und KBV-Chef Andreas Gassen am Donnerstag (08.10.2020) in einer Pressekonferenz informiert.
  • Spahn kritisiert die zunehmende Sorglosigkeit vor allem junger Menschen, die sich an der zunehmenden Zahl der jungen Neuinfizierten zeige.
  • Die „AHA-Regeln“ (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen) will Spahn um ein „L“ für „Lüften“ und ein „A“ für „Corona-Warn-App“ erweitern. Es komme darauf an, dass die Bevölkerung diese Regeln weiter akzeptiere und einhalte.
  • In Sachen Beherbergungsverbot und Reisen innerhalb Deutschlands fordert Spahn einheitliche Regeln in den Bundesländern. Lokale Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus müssten immer sofort ergriffen werden, das sei sinnvoller als ein Beherbergungsverbot.

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

+++ 10.30 Uhr: Die Pressekonferenz zur Corona-Lage in Deutschland ist beendet.

+++ 10.27 Uhr: Ein Reporter fragt, warum Deutschland bislang verhältnismäßig gut durch die Corona-Pandemie gekommen ist. Das liege an vielen Faktoren, sagt RKI-Präsident Wieler: der Familienstruktur, dem Gesundheitssystem und daran, dass Deutschland das Geschehen in Italien beobachten und sehr früh Maßnahmen einleiten konnte. Zudem sei die „Compliance“ der Menschen sehr hoch, 80 Prozent der Menschen machten bei den Regeln mit. „Wir haben zudem aufgerufen, nicht ins Krankenhaus zu gehen, zu Hause zu bleiben und einen Arzt anzurufen“, sagt Wieler. Masken seien relativ früh empfohlen worden, zudem sei das Vertrauen in die Institutionen sehr hoch. Das seien alles Faktoren, die zu der guten Bewältigung in Deutschland beigetragen hätten.

Deutschland hat Verträge für bis zu neun Millionen Corona-Schnelltests

+++ 10.23 Uhr: Auf die Frage nach der Sicherung von Antigen-Schnelltests durch die Bundesregierung antwortet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Es gibt eine sehr gute Logistik.“ Diese Logistik der Hersteller solle nicht durch den Staat gestört werden. Es wurden Spahn zufolge dreiseitige Verträge zu Antigen-Schnelltests geschlossen, die in den kommenden Monaten bis zu neun Millionen solcher Corona-Schnelltests für Deutschland sicherten.

+++ 10.19 Uhr: „Das Bewusstsein für die Regeln ist deutlich größer geworden“, sagt RKI-Präsident Lothar Wieler. Das sei eine positive Begleiterscheinung der Pandemie. Es passierten dadurch deutlich weniger Infektionen, auch in Krankenhäusern. Er sei deshalb deutlich optimistischer für den Herbst und den Winter, weil es Konzepte gebe, um das Coronavirus einzudämmen. „Wir bedanken uns bei der Bevölkerung für die Bereitschaft, die Regeln einzuhalten.“ Die Auswüchse der Pandemie werden laut Wieler geringer sein, weil es bessere Hygienekonzepte gebe.

Maskentragen verhindert nicht nur Corona-Infektion

+++ 10.15 Uhr: Durch das Maskentragen könnten viele Infektionen der Atemwege eingedämmt werden, zum Beispiel auch die Grippe, sagt Infektiologin Herold. Die Übertragung von Rhinoviren, also Erregern von Schnupfen und Erkältungen, könne ebenfalls durch die Einhaltung der Hygieneregeln eingedämmt werden, sagt Spahn.

+++ 10.08 Uhr: Das Anpassen an die Corona-Pandemie gehöre dazu, sagt Spahn. „Ich erlebe diesen Föderalismus als unheimliche Stärke in der Pandemie.“ Wenn alle Bundesländer an einem Strang zögen, sei man stärker. Doch bei einheitlichen Entscheidungen „ruckele“ es manchmal, das könne bei den Bürger*innen zu Unverständnis führen. Die neuen Regelungen zum Beherbergungsverbot wegen Corona dürften nicht die Akzeptanz der Bevölkerung kosten, sagt Jens Spahn. Die Akzeptanz der Bevölkerung sei das höchste Gut. „Nachvollziehbare, möglichst einheitliche Regeln“ seien daher äußerst wichtig.

Zwei Corona-Medikamente von Donald Trump in Deutschland Standard

+++ 10.06 Uhr: Menschen in Deutschland erhielten in der Corona-Behandlung die gleichen Präparate wie US-Präsident Donald Trump, sagt die Infektiologin Susanne Herold: das Cortison-Präparat Dexamethason und Remdesivir. Diese seien in Deutschland Standard. Ein weiteres Medikament, das Trump experimentell erhalten habe, sei noch nicht zugelassen.

Die Infektiologin Susanne Herold erklärt Medikamente, die derzeit bei Covid-19-Erkrankten eingesetzt werden: das Cortison-Präparat Dexamethason und Remdesivir.

+++ 10.03 Uhr: Es gebe in der Corona-Pandemie das hohe Bedürfnis, alles auf eine Zahl oder einen Parameter zu reduzieren, sagt Bundesgesundheitsminister Spahn. „Sie müssen bei Tönnies oder bei einem Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung anders damit umgehen wie nach einer Party“, sagt Spahn. Das werde der Komplexität nicht gerecht.

Corona in Deutschland: Städte und Kreise sollen Unterstützung anfordern

+++ 09.56 Uhr: Auf die Frage nach einem Kontrollverlust bei der Nachverfolgung der Corona-Ausbrüche durch die Gesundheitsämter antwortet Spahn: „Wir sehen einzelne Gesundheitsämter, die bei Ausbrüchen Unterstützungsbedarf haben.“ Diese Städte und Kreise müssten frühzeitig bei Bund und Land um Unterstützung bitten. Dazu sagt RKI-Präsident Wieler, dass das Niveau der Bekämpfung der Corona-Pandemie in den Gesundheitsämtern stark angestiegen sei und viel Erfahrung gewonnen wurde.

+++ 09.54 Uhr: Er könne den Ärger derjenigen verstehen, die Reisen in Deutschland gebucht hätten und jetzt innerhalb des Landes durch das Beherbergungsverbot eingeschränkt seien. Er könne aber auch die Bundesländer verstehen, die durch Reisende keinen Eintrag des Coronavirus in ihre Regionen wollten. Man müsse immer lokal sofort Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergreifen. Das sei „die viel bessere Variante“ als Beherbergungsverbote in der Folge.

+++ 09.51 Uhr: Ein wichtiger Risikoparameter sei die Frage: „Mit wie vielen Personen sind Sie in einem geschlossenen Raum?“, sagt Spahn. „Wir haben es alle gemeinsam in der Hand.“ Er glaube nicht, dass das noch nicht alle Menschen wüssten. „Jeder von uns weiß, in welche Situation er sich begibt.“ Man müsse sich die Frage stellen: „Muss diese Hochzeitsfeier mit 300 Personen jetzt in dieser Jahrhundert-Pandemie sein?“

+++ 09.44 Uhr: Das Wissen über das Coronavirus und die Krankheit sei jetzt viel ausgeprägter als vor einem halben Jahr, sagt RKI-Präsident Wieler. Ein Faktor sei die Infektionsdynamik, sagt Wieler. Dazu bewerte das RKI eine Reihe von Faktoren. Zweiter Faktor: die Krankheitsschwere. Sie sei durch ärztliche Eingriffe geringer geworden. Dritter Faktor sei die Belastung des Gesundheitssystems, die vor allem durch das persönliche Verhalten vermieden werden könne. Zu allen Faktoren seien täglich Zahlen auf den Seiten des RKI verfügbar. RKI-Präsident Wieler bittet darum, die Komplexität der Corona-Pandemie auch ausgewogen darzustellen. Er weist darauf hin, dass das RKI sehr viele Daten transparent darstelle.

Spahn will in Deutschland keinen zweiten Lockdown wegen Corona

+++ 09.40 Uhr: „Es gibt sehr, sehr viele, auch hier in Berlin, die sich an die Regeln halten“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Weil sich einige wenige nicht an die Corona-Regeln gehalten hätten, litten darunter in Berlin jetzt wieder viele. Es sei beispielsweise für Gastronomen sehr schwierig, die Gäste zum Einhalten der Regeln zu ermahnen, wenn Alkohol im Spiel sei. Bußgelder hält Spahn deshalb für sinnvoll: „Wie auf der Autobahn: Wenn man das Gefühl hat, man wird eh nie erwischt, hält man sich weniger an die Regeln.“

+++ 09.35 Uhr: „Wir werden nicht mehr in die Situation vom April kommen, weil wir mehr wissen“, sagt Spahn auf die Frage nach einem „zweiten Lockdown“. Es geben keine Ausbrüche beim Einkaufen, beim Friseur oder im öffentlichen Personenverkehr. Auch an den Schulen gelinge es, die Dinge gut im Griff zu haben. Dort, wo das Coronavirus sich ausbreite, seien neue Beschränkungen vonnöten – zum Beispiel ein Alkoholverbot oder die Begrenzung von Feiern. Regionale Verschärfungen brauche es deshalb.

+++ 09.30 Uhr: „Wir sind nie auch nur in die Nähe einer Überlastung des deutschen Gesundheitssystems gekommen, sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. „Die Abstands- und Hygieneregeln sind unwidersprochen sinnvoll.“ Er hält aber die Dunkelziffer der Corona-Infektionen in Deutschland für sehr hoch. „Meine Botschaft ist relativ kurz: Wir sind gerüstet, aber das ist kein Selbstläufer. Man kann dem Gesundheitssystem helfen, indem man sich rational verhält.“

+++ 09.25 Uhr: Besonders Lüften wird im Winter als elementar zur Bekämpfung des Coronavirus angesehen. Es sei wesentlich für die Anzahl der potenziellen virenbeladenen Teilchen in der Luft. „Gut gelüftete Räume sind nicht so risikobehaftet“, sagt der Wissenschaftler Martin Kriegel von der TU Berlin. Das bedeute aber nicht, dass man die ganze Zeit frieren müsse. Es gebe auch keinen Luftwechsel, bei dem das Infektionsrisiko null sei. Die Aufenthaltsdauer in geschlossenen Räumen müsse ebenso reduziert werden.

Corona in Deutschland: Mehr Menschen auf Intensivstationen

+++ 09.19 Uhr: Mittlerweile seien 470 Menschen in Deutschland wegen Corona auf der Intensivstation, sagt Susanne Herold, Leiterin der Infektiologie an der Uniklinik Gießen. Sie stellt verschiedene Medikamente wie Dexamethason und Remdesivir vor, die derzeit bei Corona-Patient*innen eingesetzt werden. „Es gibt aber weiterhin Forschungsbedarf“, sagt sie. „Es ist keine Erkrankung der Alten und Schwachen“, sagt Herold. Auch junge, sportliche Menschen erkrankten schwer und könnten an Corona sterben.

+++ 09.17 Uhr: „Die Maßnahmen führen dazu, dass das Risiko beherrschbar bleibt.“ Und dann sehe es so aus, als sei das Coronavirus nicht so schlimm, sagt Wieler. „Es ist möglich, dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet.“ Er habe aber die Hoffnung, dass sich das Virus beherrschen lasse. „Nur wenn die Infektionen niedrig bleiben, kann das Leben einigermaßen normal weiter gehen.“ Das Wichtigste seien die AHA-Regeln, die jetzt im Winter um das „L“ für „Lüften“ erweitert werden. Wieler wirbt zudem für die Corona-Warn-App. Der Anteil der Menschen, die darüber ein positives Corona-Testergebnis geteilt haben, sei in den vergangenen Monaten gestiegen.

+++ 09.12 Uhr: Seit Anfang September steigen die Corona-Fallzahlen kontinuierlich an, sagt RKI-Präsident Lothar Wieler. In den letzten sieben Tagen habe es doppelt so viele Fälle wie noch Anfang September gegeben, das Infektionsgeschehen nehme in fast allen Regionen zu. „Das macht mir große Sorgen.“ Betroffen seien jetzt vor allem jüngere Menschen – aber auch ältere erkrankten. Wieder mehr Menschen müssten intensivmedizinisch behandelt werden.

+++ 09.09 Uhr: Die Reise-Regelungen werden neu justiert und geschärft, wie am Mittwoch (07.10.2020) beschlossen wurde. Das betreffe die Regeln zu Quarantäne und Corona-Tests, sagt Spahn.

Corona in Deutschland: Jens Spahn will AHA-Regeln erweitern

+++ 09.08 Uhr: Die AHA-Regeln will Jens Spahn erweitern: um ein weiteres „A“ für „App“ und ein „L“ für „Lüften“. Die Corona-Schnelltests, die verstärkt durchgeführt werden sollen, werden diese Regeln aber nicht ersetzen. „Er ist eine Ergänzung und gibt zusätzliche Sicherheit.“

+++ 09.05 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beginnt die Pressekonferenz. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steige stark an, sagt er. „Vor allem die Jüngeren stecken sich jetzt an, weil sie reisen wollen, weil sie Partys feiern wollen und sich für unverletzlich halten.“ Doch gerade für die Älteren bleibe Corona eine große Gefahr. Deutschland stehe bislang gut da in der Corona-Pandemie, sagt Spahn. „Wir dürfen dieses Erreichte nicht verspielen.“ Die Situation in der Hauptstadt zeige, dass der ignorante Umgang mit der Pandemie gefährlich sei.

Corona in Deutschland: Spahn und RKI-Chef Wieler informieren in Pressekonferenz

Erstmeldung vom Donnerstag, 08.10.2020, 08.56 Uhr: Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Donnerstag (08.10.2020) mit 310.144 angegeben – ein Plus von 4058 seit dem Vortag. Die in der US-Stadt Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 311.137 Infizierte. Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt und seine Aufstellung einmal täglich aktualisiert, registrierte 9578 Todesfälle und damit 16 mehr als am Vortag. Die JHU zählte 9571 Tote. Die Zahl der Genesenen lag laut RKI bei etwa 269.600.

Über die Corona-Lage in Deutschland informieren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Präsident Lothar Wieler in einer Pressekonferenz. Wir halten Sie mit unserem Live-Ticker auf dem Laufenden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare