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Große Politik per Video-Schalte: Frankreichs Präsident Macron (l.) erörtert die Krise mit den anderen G7-Regierungschefs.

G7 gegen Corona

Jetzt doch gemeinsam?

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Zur Abstimmung in der Corona-Krise telefoniert die Kanzlerin mit US-Präsident Trump und den anderen G7-Regierungschefs. Minister Maas schaltet sich mit 20 Kollegen zusammen.

Präsident Donald Trump irritiert die Partner der USA mit widersprüchlichen Signalen. Kurz nachdem er die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit harscher Kritik überzogen und die Einstellung von US-Zahlungen angekündigt hatte, lud Trump am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der G7-Gruppe führender Industrieländer zur Videoschalte ein. Thema der Besprechung war: eine bessere Abstimmung nationaler Strategien im Kampf gegen das Corona-Virus.

Für die Bundesregierung nahm Kanzlerin Angela Merkel an der Schalte teil. Wie ein Sprecher Merkels im Anschluss mitteilte, betonte die Kanzlerin, „dass die Pandemie nur mit einer starken und koordinierten internationalen Antwort besiegt werden kann“. Merkel sprach der von Trump so gescholtenen WHO in der Schalte „ihre volle Unterstützung“ aus. Die Runde einigte sich auf ein Schuldenmoratorium für die ärmsten Länder, nicht aber auf einen Schuldenerlass. So sollen diese besser in die Lage versetzt werden, die wirtschaftlichen Folgeschäden der Corona-Epidemie anzugehen.

Die Bundesregierung ist besorgt über die Ankündigung Trumps, die USA würden ihre finanzielle Unterstützung und Zusammenarbeit mit der WHO einstellen. Trump hatte seinen Schritt mit der „schlechten Handhabung und Vertuschung der Ausbreitung des Coronavirus“ begründet. Zwar räumt man auch innerhalb der Bundesregierung ein, dass die WHO zum Jahreswechsel 2019/2020 über die Ansteckungsgefahr des Virus nicht ausreichend informiert hat und Reformen innerhalb der Organisation nötig seien. Doch Kanzleramt und Auswärtiges Amt halten es für falsch, die WHO ausgerechnet mitten in der globalen Pandemie zu schwächen.

Diese Einschätzung ist auch unter den Partnern Deutschlands weit verbreitet. So sprachen sich am Donnerstagnachmittag die Außenminister von 20 Staaten für die Stärkung der WHO aus. In einer Videoschalte der von Außenminister Heiko Maas initiierten „Allianz der Multilateralisten“ riefen unter anderem die Vertreter Kanadas, Frankreichs, Mexikos, Singapurs und Südafrikas die WHO zur Koordinierung der Corona-Strategien auf und versicherten der Organisation hierzu ausreichend finanzielle Unterstützung – auch nach dem angekündigten Zahlungsstopp Washingtons.

Der SPD-Politiker Maas hatte die „Allianz der Multilateralisten“ im Sommer 2018 ausgerufen. Im Herbst vergangenen Jahres kam die rund 50 Staaten zählende Runde am Rande der UN-Generalversammlung in New York erstmals zusammen. Maas hatte den informellen Kreis als Reaktion auf den schwindenden Einfluss internationaler Organisation wie etwa die Vereinten Nationen sowie der bröckelnden Geltung weltweiter Regeln etwa im Handelsbereich initiiert. Bisher ist die „Allianz der Multilateristen“ nicht mit konkreten Vorstößen aufgefallen. Doch das soll sich in der Corona-Krise ändern.

In einer gemeinsamen Erklärung verpflichteten sich die Unterzeichnerstaaten am Donnerstag zu konkreten Initiativen, um die globale Ausbreitung des Virus einzudämmen. So sollen ärmere Staaten mit schlechter Gesundheitsversorgung stärker als bisher unterstützt werden, um im globalen Wettbewerb um Tests und potenzielle Impfstoffe nicht das Nachsehen zu haben. Außerdem wollen die „Multilateralisten“ gegen Desinformation und Propaganda vorgehen.

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