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CDU

Jens Spahn: Der Kanzler-Kandidat, dem Corona zum Verhängnis wurde

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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Gesundheitsminister Jens Spahn galt als Kandidat für das Amt des CDU-Vorsitzenden und als Kanzlerkandidat. Beides scheint sich durch Corona erledigt zu haben.

  • CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat 2020 überraschend ihren Rücktritt erklärt. 
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn galt zwischendurch als Nachfolge-Kandidat, konnte sich aber nicht durchsetzen.
  • Infolge der Corona-Krise geriet Spahn mehr und mehr in Kritik.

Berlin – Annegret Kramp-Karrenbauer verzichtet auf die Kanzlerkandidatur und den Parteivorsitz der CDU. Die Suche nach einem Nachfolger hatet begonnen – und dabei blieb der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) neben seinen Kollegen Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen nicht unerwähnt. Doch beim Parteitag am 15.01.2021 setzte sich am Ende Laschet durch. Der neue Vorsitzende wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für die Wahl des Bundeskanzlers aufgestellt. Und Spahn?

Der Gesundheitsminister verlor infolge der Corona-Krise mehr und mehr an Zustimmung, geriet durch das schleppende Vorankommen der Verimpfung zunehmens in Kritik. Als Kanzlerkandidat kommt er damit wohl nicht mehr in Frage.

Jens Spahn (CDU): Wer ist der Bundesgesundheitsminister?  

Jens Spahn wurde am 16. Mai 1980 in Ahaus geboren. Er wuchs in Ottenstein in Nordrhein-Westfalen auf, nur wenige Kilometer von der niederländischen Grenze entfernt. 1999 absolvierte er sein Abitur an der Bischöflichen Canisiusschule in Ahaus und trat anschließend eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Westdeutschen Landesbank in Münster an. Es folgte ein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen. 

1995 trat Jens Spahn in die Junge Union ein und war Vorsitzender der JU Kreis Borken zwischen den Jahren 1999 und 2006. Am 22. September 2002 wurde Spahn erstmals in den Bundestag gewählt. „Das war eine einmalige Chance und ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekam, mein Hobby zum Beruf zu machen“, schreibt Spahn auf seiner Website. Von 2009 bis 2015 war Jens Spahn Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seit 2012 ist er auch Mitglied des Bundesvorstandes der CDU, seit 2014 Mitglied des CDU-Präsidiums. 

Jens Spahn: Abtreibungsgegner und „Populist“

Nach einer Zeit als parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen wurde Jens Spahn 2018 als Bundesminister für Gesundheit vereidigt. Er gilt als konservativ. In einem Porträt in der „Zeit“ bezeichnete er sich selbst als „liberal-konservativ“. Der CDU-Politiker Spahn ist klarer Gegner von Angela Merkels Flüchtlingspolitik, setzt sich für die Einschränkung der doppelten Staatsbürgerschaft und für die Einführung eines Islamgesetzes ein. Darin sollten Vorgaben für die Ausbildung von deutschsprechenden Imamen, von muslimischen Religionslehrern und Seelsorgern aufgenommen werden. Es müsse auch ein Moschee-Register geben „Wir wissen gar nicht, wie viele Moscheen es in Deutschland gibt, wo sie sind, wer sie finanziert“, sagte Spahn gegenüber Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der „Spiegel“-Redakteur Florian Gathmann kritisierte ihn deswegen als „Populisten“. Darüber hinaus ist der Bundesgesundheitsminister ein offener Gegner der Abtreibung. 

Dabei schafft Jens Spahn es, das oft blass wirkende Regierungsamt aus der Versenkung zu holen. Er wirkt omnipräsent, Debatten über das Gesundheitswesen stehen bei ihm an der Tagesordnung, ob via Twitter, Instagram oder Interview.

Kritisiert wurde der CDU-Mann  für das umstrittene Organspende-Gesetz. Es sieht vor, dass jeder Bürger Organspender ist, es sei denn, er widerspricht. Gegner des Gesetzesvorschlags hatten vor allem ethische und juristische Bedenken. Die Entscheidung des Organspendens solle jedem Bürger selbst überlassen und nicht erzwungen werden. Die Einführung einer „doppelten Widerspruchslösung“, also der Widerspruch gegen Organspende zu Lebzeiten oder der Widerspruch der Hinterbliebenen, scheiterte – der Bundestag lehnte Spahns Vorschlag ab. 

Jens Spahn: Kritik am Gesundheitsminister 

Auch für seine Ansichten zum Thema Hartz IV erntete der Minister Kritik. „Hartz IV bedeutet nicht Armut“, hatte Jens Spahn gesagt. Neben Kritik von den Linken, die ihm „arrogante Belehrungen“ vorwarfen, meldeten sich auch Politiker der CDU zu Wort. Annegret Kramp-Karrenbauer wies Spahn darauf hin, dass gut verdienende Politiker  besser nicht „versuchen zu erklären, wie man sich mit Hartz IV fühlen sollte“. 

Im Rennen um den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur sagte Jens Spahn im Jahr 2020, er sei „bereit, Verantwortung zu übernehmen“. Inzwischen distanziert sich Spahn von einer Kandidatur für das Kanzleramt. Stattdessen wolle er als „stellvertretender Vorsitzender der CDU“ antreten, wie er der „Welt am Sonntag“ sagte. Seit Februar unterstütze er seinen Parteikollegen Armin Laschet.

Jens Spahn will Vize-Vorsitzender werden

Trotzdem war seine Kandidatur 2020 nicht das erste Mal, dass Jens Spahn um den Posten des CDU-Vorsitzenden wetteiferte. Während der Wahl des CDU-Vorsitzenden im Dezember 2018 war Spahn der dritte Kandidat. Er erreichte 15,7 Prozent der Stimmen und unterlag damit Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer. 

Jens Spahn bekannte sich mit 21 Jahren zu seiner Homosexualität, nachdem ein Parteifreund mit einem öffentlichen Outing gedroht hatte. Seit 2017 ist er mit Daniel Funke verheiratet, einem Journalisten und Leiter der Zeitschrift „Bunte“. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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