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Separatisten des „Südlichen Übergangsrates“ kontrollieren nun das gesamte Stadtgebiet der jemenitischen Stadt Aden.

Jemen

Der Jemen steht vor der Spaltung

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Nach dem Rückzug der Vereinigten Arabischen Emirate steht Saudi-Arabien vor den Trümmern seiner Kriegspolitik.

Im letzten Akt des Dramas fiel dann kein Schuss mehr. Freiwillig räumten die saudischen Beschützer das Feld und zogen ihre gepanzerten Fahrzeuge aus dem Präsidentenpalast von Aden ab; im Jemen ist dies das letzte Macht-symbol des in Riad lebenden Exil-Staatschefs Abed Rabbo Mansur Hadi. Mit dieser Trophäe brachten die Separatisten des so genannten Südlichen Übergangsrates (STC) am Wochenende praktisch das gesamte Stadtgebiet von Aden unter ihre Kontrolle und vertrieben die Reste der international anerkannten Regierung Hadi.

In zahlreichen Städten kam es zu Jubelfeiern. „Die Sache ist gelaufen, deren Streitkräfte kontrollieren alle Kasernen“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters ein ungenanntes Mitglied der offiziellen Führung, die Aden seit Anfang 2016 als Machtbasis und Interims-Hauptstadt nutzte.

Bei den vorangegangenen Gefechten der vergangenen Tage starben mindestens 40 Menschen, mehr als 260 wurden verletzt, wie die Vereinten Nationen in einer ersten Bilanz mitteilten. Die Krankenhäuser seien bis zum Äußersten belastet, berichteten Mitarbeiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Der Flughafen wurde geschlossen.

„Ich habe am Abend zwei meiner Nachbarn beerdigt, die gestern in den Kämpfen getötet wurden“, twitterte ein Bewohner zum Opferfest am Sonntag, dem höchsten Feiertag des Islam. „Wir feiern Aid Al-Adha in Trauer, Schmerz, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit. Das interessiert niemanden und wird auch in Zukunft niemanden interessieren.“

Mit dem Fall von Aden an die Separatisten stehen der Jemen jetzt vor der endgültigen Spaltung und Saudi-Arabien vor den Trümmern seiner fünfjährigen Kriegspolitik. Das Land wollte Präsident Hadi in ganz Jemen an die Macht zurückbomben und die Huthis aus der Hauptstadt Sanaa vertreiben. Stattdessen beherrschen die vom Iran unterstützten Rebellen unangefochten den Norden, während im Süden innerhalb der bisherigen Anti-Huthi-Koalition sich die von den Emiraten trainierten Milizen des STC und die von Saudi-Arabien ausgerüsteten Hadi-Regierungstruppen gegenseitig zerfleischen.

Die International Crisis Group warnte bereits vor einem Bürgerkrieg im Bürgerkrieg, der die jetzt schon schlimmste humanitäre Katastrophe des Globus weiter zuspitzen und eine politische Lösung zusätzlich erschweren werde. Der STC, der von Adens Ex-Gouverneur Aidarous al-Zubaidi geführt wird, will einen unabhängigen Staat Südjemen, wie er zwischen 1967 und 1990 existierte. Bereits jetzt machen die Sezessionisten, wie das UN-Menschenrechtskommissariat kritisierte, in ihrem Machtgebiet gezielt Jagd auf Bürger aus dem Norden.

Das jemenitische Außenministerium sprach von „einem Putsch gegen die Institutionen einer international anerkannten Regierung“, organisiert vom Südlichen Übergangsrat zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Präsident Hadi selbst äußerte sich nicht, er soll schwer krank in einem Hospital liegen.

Saudi-Arabien dagegen, dessen Truppen keinerlei Widerstand leisteten, reagierte am Sonntag mit einem Luftangriff und dem Appell an die verfeindeten Kontrahenten, umgehend eine Waffenruhe zu vereinbaren und ein Krisentreffen abzuhalten. Der emiratische Außenminister Abdullah bin Zayed Al Nahyan versicherte im Gegenzug, Abu Dhabi unternehme „jede Anstrengung, um die Lage zu deeskalieren“ und appellierte an beide Lager, sich auf den Kampf gegen die Huthis zu konzentrieren, statt aufeinander loszugehen.

Derweil flogen die vom Iran unterstützten Rebellen von Sanaa aus erneut Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien. Ein Flugkörper, der sich dem Flughafen der Gebirgsstadt Abha näherte, wurden nach Angaben aus Riad von Abwehrraketen unschädlich gemacht. Abha ist ein beliebtes Ferienziel für saudische Urlauber, weil hier auch im Hochsommer milde Temperaturen herrschen.

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