Feuerwerk

Jedes Jahr das alte Spiel

  • Peter Rutkowski
    vonPeter Rutkowski
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Immer wieder kommt die Frage: Wer hat das Feuerwerk denn nun eigentlich erfunden?

Erfunden wurde das Feuerwerk zur Zeit der Han-Dynastie in China zwischen 200 vor und 200 nach Christi Geburt. Wie auch in anderen Kulturen später galt es schon dort vornehmlich als Mittel zur Vertreibung böser Geister. Allerdings begnügte man sich mit dem ins Feuer werfen von Bambusstecken, die dann krachend zerbarsten. Also: Der Kracher war vor dem Böller, vorm Bengalo, vorm Feuertopf und allem anderen da.

Schwarzpulver verwendeten die Chinesen manchmal alternativ zum Bambus, zusammengepresst in kleinen Papierzylindern. Um das Jahr 1000 konnte man von Feuerwerkshändlern auf Märkten simple Kracher erstehen.

Im Kriegswesen des Reichs der Mitte wurden Feuerwerksraketen zur gleichen Zeit eingesetzt, allerdings mit größerer psychologischer Wirkung denn materiell zerstörerischer. Das sollte bis zur Entwicklung ballistischer Raketen im Zweiten Weltkrieg weitgehend so bleiben.

1240 übernahmen die Araber von den Chinesen Schwarzpulver und Feuerwerkerei. Letzteres farbenprächtiges Spiel beschrieben sie als „chinesische Blumen“. Japan entwickelte nach Inspiration durch China seine eigene Feuerwerkskultur unter dem Namen „hana-bi“ – „Feuerblume“.

Italienische Kaufleute brachten dann im 14. Jahrhundert Feuerwerkstechnik und -wissen übers Mittelmeer nach Europa. Erstmals urkundlich erwähnt wird ein Feuerwerk in Vicenza 1379.

Zum Renner aber wurde die zündelnde Spielerei erst im 18. Jahrhundert. Da entdeckten Musiker und Feuerwerker, dass man Klänge visualisieren konnte. Berühmtestes Beispiel: die von Georg Friedrich Händel 1748 komponierte Suite „Music for the Royal Fireworks“.

Die Entwicklung der chemischen Industrie im 19. Jahrhundert aber ermöglichte erst den farbenfroh explodierenden Nachthimmel, wie man ihn heute kennt: Rot – Strontium oder Lithium, Orange – Kalzium, Grün – Barium; Indigo – Caesium ...

Feuerwerke werden heute an verschiedenen Orten zu verschiedenen Anlässen inszeniert. Hogmanay (Jahresende) in Schottland und Silvester in Deutschland sind nicht die Regel. Der US-Nationalfeiertag 4. Juli hat traditionell Feuerwerk – seit 1777, als die Nation noch ein Experiment war. Überall im Vereinigten Königreich wird Guy-Fawkes-Night am 5. November mit Feuerwerk und Scheiterhaufen gefeiert. Fawkes gilt seit 1605 als der einzige Mensch, der je mit ehrlichen Absichten ins Unterhaus in London kam – er wollte es in die Luft jagen. Feuerwerk in Großbritannien gibt es auch parallel zu Indien – wenn beide Länder zwischen Oktober und November „Diwali“, das „Lichterfest“, feiern. In der Schweiz, in Singapur, Ungarn und in Frankreich gehört Geknalle zum jeweiligen Nationalfeiertag – immerhin: Schweizer und Franzosen erkämpften sich ihre Nationen. Im Fürstentum Monaco lässt man sich wie üblich nicht lumpen und organisiert in den Sommermonaten ein Festival mit den besten Feuerwerkern der Welt. Auf Malta begrüßte man früher jeden neuen Malteser-Großmeister und jeden neuen Papst mit Feuerwerk.

In Chile allerdings dürfen nur lizensierte Betriebe mit Feuerwerken umgehen. Jeder andere kann wegen des Handhabens von Explosivstoffen vorm Militärgericht landen.

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