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Khizr Khan wehrt sich gegen die Diskriminierung von Muslimen durch Donald Trump.

Interview

„Jeder Kandidat ist besser qualifiziert als Trump“

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Khizr Khan hielt vor Jahren eine vielbeachtete Rede gegen Donald Trump. Im Interview spricht der Jurist über die Vorbereitung der Demokraten auf den Präsidentschaftswahlkampf.

Khizr Khan wurde im Juli 2016 auf dem Wahlparteitag Hillary Clintons über Nacht bekannt. Die Khans hatten im Irak-Krieg ihren Sohn Humayun verloren, als dieser Kameraden beschützen wollte. In seiner Rede beklagte sich der Jurist Khizr Khan über die anti-muslimische Rhetorik Donald Trumps – und zückte aus dem Sakko ein Exemplar der US-Verfassung. Der Satz „Haben Sie diese Verfassung überhaupt gelesen?“ wurde weltberühmt.

Mr. Khan, können Sie drei Jahre nach Ihrer Rede akzeptieren, dass Donald Trump der Präsident der USA ist?
Das Büro des US-Präsidenten ist durch Donald Trump besetzt. Aber ist er fähig oder hat er sich Mühe gemacht, das Amt angemessen auszufüllen? Im Gegenteil. Trump sitzt nur durch die Hilfe und Unterstützung Russlands im Oval Office. Das ist bewiesen. Er verdient dieses Amt nicht. Je eher er dort wieder entfernt wird, desto eher können wir die Schäden der amerikanischen Demokratie, der Institutionen und des Rechtsstaats reparieren.

Was stört Sie am meisten?
Der fehlende Respekt gegenüber der amerikanischen Verfassung. In der steht der Kongress über dem Präsidenten. Das Parlament soll den Präsidenten kontrollieren. Aber schauen Sie, was heute passiert: Anfragen werden zurückgewiesen, jeder Versuch der Kontrolle durch die Regierung verhindert. Das ist anti-demokratisch, das ist autoritär. So eine Regierung können wir uns nicht erlauben.

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Hat Trump das Leben der Muslime in den Vereinigten Staaten verändert?
Es hat sich insofern verschlechtert, als dass viele Muslime ängstlicher geworden sind. Aber die Bedrohung durch Trumps Aussage, keine Muslime aus bestimmten Ländern mehr ins Land lassen zu wollen, hat viele auch vereint. Ich vergleiche die Situation gelegentlich mit früheren Minderheiten in den USA. Auch Chinesen, Japaner, Iren, Katholiken, Menschen jüdischen Glaubens haben sich als Minderheiten zusammengeschlossen und dann begonnen, am politischen Leben teilzunehmen. Etwas Ähnliches passiert jetzt: Ich habe gerade letztens eine muslimische Bürgermeisterin aus New Jersey kennengelernt, auch im Kongress sitzen erstmals muslimische Abgeordnete.

Im nächsten Jahr stehen wieder Präsidentschaftswahlen an. Sind die US-Demokraten gut darauf vorbereitet?
Sie bereiten sich gerade vor. Die demokratische Partei verändert sich drastisch nach der Erfahrung der vergangenen Jahre.

Ist Joe Biden der aussichtsreichste Kandidat für ein Duell mit Donald Trump?
Das zeigen zumindest die Umfragen. Aber der Weg ist sehr lang. Es gibt wunderbare Kandidaten, die diesem Land dienen würden. Jeder einzelne davon ist besser qualifiziert als Trump.

Was muss ein guter Kandidat mitbringen?
Empathie ist das wichtigste. Die Gefühle, auch die Sorgen der Menschen müssen verstanden werden. Das kann Trump nicht.

Würden Sie Joe Biden persönlich unterstützen?
Ich stehe Joe Biden sehr nahe. Meine Frau und ich haben ihn 2016 getroffen. Wie wir hat auch Joe Biden einen Sohn verloren. Er hat unser Herz gewonnen, lange bevor er Präsidentschaftsbewerber wurde. Diese Erfahrung des Schmerzes verbindet unsere Familien. Er war stets ein großartiger Vertreter dieses Landes.

Vor drei Jahren wurden Sie mit Ihrem Auftritt auf dem Demokraten-Parteitag über Nacht zur öffentlichen Person. Sind Sie froh, diesen Weg gegangen zu sein?
Wenn ich die Wahl hätte, wäre ich lieber weiter der private, bescheidene Bürger, der ich zuvor in meinem Leben war. Aber es sollte so geschehen. Wir hätten ja auch niemals gedacht, dass wir unseren Sohn im Irak-Krieg verlieren würden. Als die Einladung der Demokraten kam, haben wir gezögert, ob wir sie annehmen sollen. Aber wir haben damals die Notwendigkeit gesehen, unsere Geschichte zu erzählen. Es ging auch darum, für unsere Kinder und die des Landes aufzustehen. Manche haben danach das Gefühl gehabt, durch unsere Stimme gehört zu werden. Allein deshalb war es den Einsatz wert.

Interview: Gordon Repinski

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