Das Militär von Burkina Faso schafft mehr Probleme als es löst.
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Das Militär von Burkina Faso schafft mehr Probleme als es löst.

Burkina Faso

„Jeden Tag müssen Tausende fliehen“

Sahel-Kämpfe führen in Burkina Faso zu gigantischen Fluchtbewegungen. Der Staat selbst kann kaum helfen.

Eine beispiellose Welle von Terror und Gewalt hat in Burkina Faso eine humanitäre Katastrophe ausgelöst, deren Ende nicht in Sicht ist. „Jeden Tag müssen Tausende fliehen“, sagte Kristina Rauland-Yambré von der Organisation „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“ dem Evangelischen Pressedienst. Die Zahl der Geflüchteten wird von den Vereinten Nationen auf 780 000 geschätzt, das entspricht jedem 25. Bewohner des Sahelstaats. „Es fliehen vor allem Frauen und Kinder, sie machen 88 Prozent der Flüchtlinge aus.“ Die Betroffenen verlören alles. „Wer es schafft, sich in sicherere Gebiete zu retten, hat nichts bei sich als das, was er am Leib trägt.“

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das Land galt lange als sicher und stabil. Seit 2019 jedoch verüben Terroristen, die zuvor vor allem in den Nachbarländern Mali und Niger aktiv waren, fast täglich Anschläge auf Polizeiwachen oder Schulen, aber auch auf ganze Dörfer. Amnesty International teilte erst am Freitag mit, dass auch die von der Regierung zur Unterstützung ausgerüsteten „Selbstverteidigungsgruppen“ für massive Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden.

Rauland-Yambré sagte, manche Flüchtlinge kämen bei entfernten Familienmitgliedern unter, andere müssten aber unter freiem Himmel kampieren oder kämen bei Gastfamilien unter. Allerdings gehe es denen kaum besser als den Geflüchteten. „Ich habe selbst gesehen, wie eine siebenköpfige Familie 50 Flüchtlinge in ihrem Hof aufgenommen hat, und die muss sie jetzt irgendwie ernähren.“ Selbst wer nicht direkt von Gewalt betroffen sei, werde so in einen Strudel von Armut und Not gestürzt. Der Staat sei wegen seiner strukturellen Probleme nicht in der Lage, zu helfen.

Derzeit sei es noch möglich, den Geflüchteten mit Nahrungsmitteln, Wasser und Unterkünften beizustehen, sagte Rauland-Yambré, die als Landesdirektorin von „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“ in der Hauptstadt Ouagadougou arbeitet. Auch bemühe man sich um Bildung für die Kinder, denn alle Schulen im Land seien aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. „Aber es gibt auch Gebiete, wo das nicht geht – wer da geblieben ist, ist komplett von der humanitären Hilfe abgeschnitten“, warnte sie. Es sei nicht einmal bekannt, wie viele Menschen in diesen unzugänglichen Gebieten lebten.

Mit großer Sorge denkt Rauland-Yambré auch an die Auswirkungen der Corona-Krise im Land. Viele Flüchtlinge lebten unter Umständen, die eine Ausbreitung des Virus begünstigten. Zum anderen sei zu befürchten, dass die Krise im Sahel noch mehr als jetzt schon in Vergessenheit gerate. „Es gibt nicht die zur Hilfe nötigen Mittel“, betonte sie. „Und die Krise wird oftmals überhaupt nicht wahrgenommen.“ Ein von den UN lancierter Aufruf zur Hilfe ist bislang zu nicht einmal einem Prozent finanziert. Ein möglicher Corona-Ausbruch und die schneller als erwartet steigenden Flüchtlingszahlen sind zudem darin noch gar nicht berücksichtigt. (Marc Engelhardt, epd)

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