+
Berlusconi outet sich erneut als Macho.

Macho Berlusconi

Für jede schöne Frau ein Soldat

Wie Italiens Premier die Truppenpräsenz in den Städten rechtfertigt.

Von DOMINIK STRAUB

Es handelte sich um das dritte brutale Sexualverbrechen in Rom in wenigen Tagen: Ein junges Paar war in der vergangenen Woche von fünf Männern angeblich ausländischer Herkunft auf einem Parkplatz im Vorort Guidonia überfallen worden. Die Täter schlugen den Mann zusammen und sperrten ihn in den Kofferraum; anschließend vergewaltigten die fünf nacheinander seine Freundin. Dies löste eine hitzige Debatte über öffentliche Sicherheit und Einwanderung aus.

Als Reaktion auf die Vergewaltigungen kündigte Regierungschef Silvio Berlusconi am Wochenende eine Erhöhung der Truppenpräsenz in den Städten von bisher 3000 auf 30 000 Mann an. Gleichzeitig erklärte er, dass auch dies nicht ausreichen werde, um derartige Taten ganz zu verhindern: "Wir müssten so viele Soldaten haben, wie es in Italien schöne Frauen gibt. Das werden wir nicht schaffen", sagte Berlusconi. Die Opposition und Frauenorganisationen reagierten entrüstet auf den Macho-Spruch. "Diese Äußerungen belegen einmal mehr die fehlende Sensibilität des Premiers, der das Drama der sexuellen Gewalt ignoriert, die Frauen beleidigt und der gleich auch noch den Sinn des Militäreinsatzes infrage stellt", sagte Oppositionschef Walter Veltroni. Auch Alessandra Mussolini aus Berlusconis Lager schaltete sich kritisch ein: "Man braucht so viele Soldaten, weil es so viele hässliche Männer gibt", sagte die Enkelin des faschistischen Diktators.

Berlusconi verteidigte sich und sagte, sein "Scherz" sei als "Kompliment" gemeint gewesen, er verliere eben "in keiner Situation den Sinn für Leichtigkeit und Humor". Die Serie von Gewaltverbrechen und die angekündigte Truppenverstärkung in den Städten belegten die totale Hilflosigkeit der Rechtsregierung bei der inneren Sicherheit, kritisiert die Opposition. Sie revanchiert sich damit für die im Wahlkampf erlittenen Attacken, als das Berlusconi-Lager das Thema Sicherheit hemmungslos ausgebeutet hatte. In den sich wiederholenden Polemiken der Politikerkaste um Null-Toleranz und Militäreinsätze geht unter, dass es in Guidonia, wo sich das letzte Verbrechen ereignete, nicht nur keine Soldaten, sondern auch keinen Polizeiposten gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion