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Die Masken sind noch präsent, sonst herrscht vielerorts aber Erleichterung hinsichtlich der Corona-Lage in Japan.
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Die Masken sind noch präsent, sonst herrscht vielerorts aber Erleichterung hinsichtlich der Corona-Lage in Japan.

Corona in Japan

Japan ist plötzlich wieder Corona-Vorbild – was steckt hinter der Aufholjagd nach Olympia?

  • VonFelix Lill
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Die Olympischen Spielen drohten aufgrund hoher Infektionszahlen noch zu scheitern. Wenige Monate später ist Japan auf gutem Kurs – auch wegen einer Impfrate, die auch ohne Pflichten in die Höhe schnellte.

Japan verzeichnete keine Covid-19-Toten, zum ersten Mal seit dem 2. August 2020.“ Diese Eilmeldung verschickte der öffentliche Rundfunksender NHK am Sonntag und verbreitete den Eindruck im Land, das Schlimmste sei überwunden, die Rückkehr zum alten Leben stehe an: Zumal die Regierung gerade neue Konjunkturspritzen in Aussicht gestellt hat und die sich durch die Pandemie vergrößerten Einkommensungleichheiten lindern will.

Neben dem ersten Tag ohne coronabedingte Todesfälle nach rund 15 Monaten liegen auch die Neuinfektionen derzeit auf historisch niedrigem Niveau. Im ganzen Land waren es am Montag 107 neue Erkrankungen, die Riesenmetropole Tokio vermeldete nur 18 Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei ungefähr 1,1 – und damit etwa einem Zweihundertstel des aktuellen Werts in Deutschland.

Diese Zahlen sind vor allem deshalb beeindruckend, weil Japan vor wenigen Wochen noch weltweit als neuer Infektionsherd auffiel. Zwischen Juli und August, als die Hauptstadt Tokio unter recht strengen Einschränkungen die Olympischen Spiele veranstaltete, verzeichnete das Land täglich an die 30 000 Neuinfektionen, die 7-Tage-Inzidenz lag bei deutlich über 100. Das Gesundheitssystem galt monatelang als kollabiert. Patientinnen und Patienten, die nicht schwere Covid-19-Symptome hatten, sollten im Sommer nicht mehr in Krankenhäuser aufgenommen werden.

Corona in Japan: Lockerungen kommen

Zudem wirkte die Gesellschaft Corona-müde. Als die Regierung kurz vor den Olympischen Spielen einmal mehr für die größten Metropolen den Ausnahmezustand verlängerte und damit Menschen zum Daheimbleiben und Bars zum Schließen aufforderte, folgte dem längst nicht mehr das ganze Land. In Tokio bebte in ganzen Straßenblöcken das Nachtleben. Auch das Festhalten der Regierung an den Olympiaplänen gegen öffentliche Skepsis dürfte dazu beigetragen haben, dass sich viele Menschen nicht mehr einschränken wollten.

Und jetzt? Die Regierung lockert die Einschränkungen. Ausländische Staatsbürger mit gültigem Aufenthaltstitel dürfen nach einer Ausreise wieder einreisen. Vergangene Woche wurde zudem verkündet, dass die Quarantänebestimmungen für vollständig geimpfte Geschäftsreisende von zuvor 14 auf nun drei Tage verkürzt würden. Der Tourismus bleibt aber weiterhin stark eingeschränkt.

Im Land selbst tragen die Menschen auch unter freiem Himmel eine Maske, ansonsten aber wirkt das Alltagsleben wie vor der Pandemie. Die Bars und Restaurants öffnen auch am Abend wieder, können ohne schlechtes Gewissen Alkohol ausschenken. Bei Sportveranstaltungen – die während der Olympischen Spielen noch vor leeren Rängen stattfanden – sind wieder bis zu 10 000 Zuschauer oder eine Auslastung von 50 Prozent erlaubt.

Corona in Japan: Erfolgreiche Aufholjagd beim Impfen

Wie hat Japan diese Trendwende hinbekommen? Der wichtigste Faktor ist eine erfolgreiche Aufholjagd beim Impfen. Als Ende 2020 die ersten Impfstoffe in den USA und Europa zugelassen wurden, reagierten japanische Behörden noch vorsichtig. Wegen weit verbreiteter Impfskepsis im Land sollten die Vakzine noch einmal geprüft werden. So erfolgten die Zulassungen später, die Impfungen begannen erst im Februar. Und noch im Sommer war kaum ein Drittel der Bevölkerung geimpft.

Doch die anfängliche Vorsicht wirkte später positiv. Die Regierung fuhr eine äußerst erfolgreiche Werbekampagne, an der Prominente aus diversen Lebensbereichen teilnahmen und zum Impfen aufriefen. Vorbilder und eine Art gesamtgesellschaftlicher Gruppenzwang sind in Japan häufig effektiv – so auch in diesem Fall. Zudem wurden überall im Land Impfstellen etabliert, so dass zuletzt kaum noch Wartezeiten nötig sind.

Ohne Impfzwang ist es Japan gelungen, eine höhere Impfquote als die deutschsprachigen Länder zu erreichen, die schon länger jeweils unter 70 Prozent verharren. In Japan könnten es Ende November schon um die 80 Prozent sein.

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