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Setzt auf Spiele mit Publikum, auch wenn die Bevölkerungsmehrheit das anders sieht: Tokios Gouverneurin Koike.
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Setzt auf Spiele mit Publikum, auch wenn die Bevölkerungsmehrheit das anders sieht: Tokios Gouverneurin Koike.

Japan vor Olympia

Japan: Eine Wahl im Schatten der fünf Ringe

  • VonFelix Lill
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Japans Hauptstadt Tokio bestimmt sein Metropolparlament – und Gouverneurin Koike hofft auf Sieg für ihre Partei

Tokios Gouverneurin Koike aus dem Krankenhaus entlassen.“ Diese Schlagzeile dominierte Mitte der Woche die Nachrichten im Land. Yuriko Koike, die seit 2017 die japanische Hauptstadt regiert, war am 22. Juni in eine Klinik eingeliefert worden. Vom täglichen Kampf gegen die Pandemie und um die Olympischen Spiele, der seit nun fast eineinhalb Jahren läuft, sei sie schwer erschöpft. In einem Statement verlautbarte Koike: „Es tut mir von Herzen Leid, dass ich vielen Menschen Sorgen bereite, indem ich in so einer wichtigen Phase eine Auszeit nehme.“

Wichtig ist die derzeitige Phase in der Tat. Tokio erlebt nicht nur einen neuerlichen Aufschwung der Infektionszahlen inmitten der Pandemie. Eigentlich sollten zuletzt Lockerungen erfolgen. Nun aber macht die Deltavariante von Covid-19 schon 30 Prozent der Neuinfektionen aus. Gesundheitsexperten befürchten für den Sommer, wenn die Olympischen Spiele in die größte Metropole der Welt kommen sollen, den Kollaps des Gesundheitssystems.

Liberale Alternative

Und jetzt auch noch eine Wahl: Bis Sonntag können die Menschen in der Hauptstadt darüber abstimmen, wie für die nächsten vier Jahre ihr Parlament zusammengesetzt sein soll. Gouverneurin Koike, deren Amt nicht zur Disposition steht, hofft dabei auf einen Sieg der von ihr gegründeten „Tomin First“-Vereinigung. Sie sieht sich damit als Alternative zur rechtskonservativen Liberaldemokratischen Partei (LDP), die auf nationaler Ebene regiert.

Das Ergebnis der Tokioter Wahl ist nicht nur für die Bewohner:innen interessant. Es gilt auch als Stimmungsindikator für die im Oktober anstehende Unterhauswahl im japanischen Parlament, in der sich die nationale Regierung dem Urteil der Bevölkerung stellen muss. Seit einigen Jahren wird nämlich Yuriko Koike, die erste Frau im Amt der Tokioter Gouverneurin, als Anwärterin als den Posten der Premierministerin gehandelt. Dass die 68-jährige nichts dagegen hätte, ist bekannt.

Spätestens seit Beginn der Pandemie ist Konsens, dass die Ex-Journalistin Koike eine wesentlich geschicktere Figur abgibt als ihr Amtskollege an der Spitze der Nationalregierung. Premier Yoshihide Suga hat in der Pandemie mehrmals versucht, die Wirtschaft anzukurbeln, indem der Binnentourismus subventioniert werden sollte. Als die Neuinfektionen hochschnellten, ruderte er zurück. Koike hat dagegen die dankbare Rolle, von der Nationalregierung mehr Härte in der Pandemiebekämpfung zu fordern – auch das von ihr regierte Tokio der Coronahotspot Japans ist.

Finden die Spiele statt?

Weil die Tokiowahl wichtig ist für die weiteren politischen Ereignisse, melden sich dieser Tage auch die nationalen Parteien zu Wort. So beteuert die LDP, im Einklang mit ihrem Premier Suga, dass die Olympischen Spiele trotz der Pandemie mit Publikum durchgeführt werden. Die linksliberale Verfassungsdemokratische Partei fordert eine Absage der Spiele oder eine Verschiebung. Schließlich wird befürchtet, dass die Zehntausenden Athlet:innen und Offiziellen, die nun für Olympia ins Land kommen, aus „Tokyo 2020“ ein Superspreaderevent machen. Auch weitere Parteien links der Mitte fordern eine Absage.

Nicht so die Koike-Partei „Tomin First“, deren Name sich übersetzen lässt mit: „Tokios Bürger zuerst.“ Während die Gouverneurin, die qua Amt auch zum Organisationsteam der Olympischen Spiele gehört, ein „Tokyo 2020“ mit Zuschauern will, sind viele Mitglieder der Partei dagegen. Auf Fans zu verzichten, ist laut Umfragen die populärere Option. Zumindest etwas Publikum in die Stadien zu lassen, gefällt dagegen den Sponsoren und der politisch gut vernetzten Hotelbranche.

Falls sich das Infektionsgeschehen verschlimmert, wird neu nachgedacht

Offiziell hat die Regierung bereits beschlossen, dass bis zu 10 000 Personen oder eine Auslastung von 50 Prozent pro Spielstätte erlaubt sein sollen. Nur falls sich der Infektionsgeschehen in den nächsten zwei Wochen deutlich verschlimmert, soll erneut nachgedacht werden. Yuriko Koike, die sich inhaltlich nur geringfügig von der konservativen Nationalregierungspartei LDP unterscheidet, hielt sich durch ihren Klinikaufenthalt aus der schwierigen Debatte zuletzt heraus.

Böse Zungen sagen, die Erschöpfungsauszeit habe auch ihrer politischen Karriere gedient. Denn mit einem guten Abschneiden ihrer Partei bei der Wahl steigen ihre Chancen, bald auch in ganz Japan eine große Rolle zu spielen. Und in der japanischen Gesellschaft kommt es gut an, wenn sich jemand seiner Aufgabe völlig hingibt.

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