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USA will japanische Inseln vor China schützen: „Japan sieht seine Interessen gefährdet“

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Von: Nail Akkoyun

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Angesichts der aggressiven Politik Chinas will Japan weiter aufrüsten, die US-Militärpräsenz soll erhöht werden. Ein Experte erklärt die Hintergründe.

Tokio/Washington – Japans Schutzmacht USA will eine schnelle Eingreiftruppe im Süden Japans installieren. Damit reagiert die US-Regierung auf die steigende Zahl militärischer Operationen Chinas im Ostchinesischen Meer. Es sollen Dutzende von Munitions- und Waffendepots eingerichtet werden. Diese sollen der Verteidigung der Inselpräfektur Okinawa dienen, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag (10. Januar) unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtete.

„Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass sich Japan mit China seit Jahrzehnten im Disput befindet, auch und gerade territorialer Natur“, sagte Japan-Historiker Takuma Melber im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA. Hinzu komme neben dem Ukraine-Krieg auch „die militärische Aufrüstung Russlands an Japans Nordgrenze“ – aufgrund des Kurilen-Konflikts befindet sich Tokio seit Jahrzehnten im Streit mit Moskau. Japan sehe „sich und seine Interessen durch die sicherheitspolitische Gesamtgemengelage im asiatisch-pazifischen Raum gefährdet“, sagte Melber. Daher antizipiere man „eine mögliche Verschiebung der Kräfte“, die etwa mit einem chinesischen Militärangriff auf Taiwan einhergehen könne.

Japan als „natürlicher Flugzeugträger“: Regierungschef Kishida trifft Joe Biden

Kyodo zufolge soll das Marine Littoral Regiment (MLR) innerhalb weniger Jahre als Teil der Neuausrichtung des Marine-Corps in Japans Inselpräfektur Okinawa entstehen, wo das Gros der US-Truppen in dem Land stationiert ist. Japan will die militärische Zusammenarbeit mit den USA sowie europäischen Partnern angesichts des wachsenden Machtstrebens Chinas in der Region weiter stärken. Zu diesem Zweck führt der japanische Regierungschef Fumio Kishida in dieser Woche Gespräche in Europa sowie in Washington mit US-Präsident Joe Biden.

Als neben Südkorea wichtigster US-Partner werde Japan inzwischen gerne als „natürlicher Flugzeugträger im Pazifik“ betrachtet, sagte Melber, der am Heidelberger Zentrum für Transkulturelle Studien lehrt. Im Angesicht „der bestehenden Bedrohungen“ werde dieser Flugzeugträger nun aufgerüstet. Das japanische Volk sieht die US-amerikanische Militärpräsenz dem Experten zufolge gelassen: Aufgrund der andauernden amerikanischen Präsenz im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg sei man „seit Jahrzehnten daran gewöhnt“.

Marine vor der Küste Japans, begleitet US-amerikanischen
Schiffe der japanischen Marine vor der Küste Japans, begleitet US-amerikanischen Flagschiffen. (Archivfoto) © U.S. Navy/Imago

Militärischer Kurswechsel in Japan: Tokio plant die „Zeitenwende“

Japan vollzieht derzeit einen historischen Kurswechsel seiner Sicherheitspolitik und will seine Verteidigungsausgaben massiv aufstocken. Erstmals will sich das Land Offensivwaffen wie Marschflugkörper zulegen, die potenzielle Ziele in China erreichen können. Der Wehretat soll sich statt wie bisher auf ein Prozent künftig auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes belaufen. „Das ist enorm und eine wahre ‚Zeitenwende‘, um das scholze Wort in den Mund zu nehmen“, sagte Melber.

Der Kurswechsel geschieht angesichts eines Sicherheitsumfelds, das die Regierung in Tokio als das „ernsteste und komplizierteste“ seit dem Zweiten Weltkrieg beschreibt. Das militärische Auftreten Chinas in der Region stelle „die größte strategische Herausforderung“ aller Zeiten dar, heißt es in einem kürzlich beschlossenen neuen Sicherheitspapier. Ähnlich formulierten es auch die Vereinigten Staaten. (nak mit dpa)

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